Emil Nolde - Segler im rot-gelben Abendmeer

Emil Nolde - Segler im rot-gelben Abendmeer - image-1
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Emil Nolde

Segler im rot-gelben Abendmeer
1946

Aquarell und Tusche 22,7 x 27,2 cm

Schon immer hat Emil Nolde das Meer fasziniert. Mehr als nur Ausdrucksmittel für die elementare Kraft der Natur zu sein, war das Meer für Nolde auch eine Projektionsfläche für eigene Empfindungen und Sehnsüchte. In den Meersbildern seiner letzten Schaffensperiode kommt schließlich noch das Licht als eigentlicher Inhaltsträger dazu, was sich in Bildtiteln wie ‚Abendrot über dem Meer', ‚Lichte Wolken über dem Meer', ‚Abendliches Herbstmeer' oder ‚Lichtes Meer' widerspiegelt. Werner Haftmann charakterisiert diese späten Meeresbilder Noldes als „Apotheose des Lichts und des Unendlichen“ (Werner Haftmann, Emil Nolde, Köln 1958, S. 136). Das vorliegende Blatt gehört zu einer Gruppe von Meer-Aquarellen, die im Frühsommer 1946 in St. Peter an der Nordsee entstanden sind.

In dem angebotenen Aquarell breitet Nolde eine vibrierend leuchtende Farbfläche aus unterschiedlichen Gelb-, Orange- und Rottönen aus, an wenigen Stellen ergänzt durch kleinere helle Rosa- und Grünflächen. Die Orange- und Rottöne sind in einer horizontal anschwellenden Wellenbewegung gebündelt und kulminieren in der Bildmitte zu einem tiefen Rotbraun, das zugleich die Farbe der Segel von drei mit wenigen Pinselstrichen skizzierten Booten darstellt, die mit vier weiteren Segelbooten eine perspektivisch sich nach links verjüngende Gruppe bildet. Diese stellen für den Betrachter den einzigen Anhaltspunkt für eine räumliche Entwicklung dar und lassen die Farbfläche erst als Wasser und Himmel erkennbar werden.

„In diesem Einwirken der unmittelbar bildhaft-sinnlichen Malmaterie, der Farben und Verläufe, auf die aus ihr entwickelten Vorstellungen des Gegenstandes, liegt die eigentliche Kraft und Faszination von Noldes Bildern. Die Grenze zwischen ‚noch' bloßer Farbe und ‚schon' gegenständlicher Darstellung ist ja sehr offen und fließend; [...] In Noldes Abendhimmeln sehen wir immer die leuchtende, wässerig gelöste und verlaufende Farbe auf dem Papier; aber sie ergreift uns erst dadurch, dass wir sie als Farbe des Himmels ‚sehen'. [...] Durch die sinnliche Intensität dessen, was wir sehen, weisen sie auf Bilder, die jenseits des Anschaubaren entstehen - in uns.“ (Erich Franz, Innere Bilder, in: Ausst.-Kat. Emil Nolde. Aquarelle und figürliche Radierungen, Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster 1991, S. 17 ff.)

Zertifikat

Mit einer Fotoexpertise von Manfred Reuther, Ada und Emil Nolde Stiftung, Seebüll, vom 17. April 2011

Provenienz

Kunsthandel Vonderbank, Frankfurt (1984); Hessische Privatsammlung

Lot 278 D

Schätzpreis:
120.000 € - 140.000 €

Ergebnis:
145.200 €