Otto Dix - Hahn und Katze II

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Otto Dix

Hahn und Katze II
1955

Öl auf Leinwand 81,5 x 100,4 cm - Vornehmlich im unteren Bildbereich mit schwachem Craquelé

Von dem vorliegenden Gemälde gibt es eine erste Fassung gleich grossen Formates ("Katze und Hahn I, unbezeichnet, Löffler 1955-9).
Schon Fritz Löffler machte darauf aufmerksam, wie elementar das Hahn-Motiv für Otto Dix in den Hemmenhofener Jahren seit 1949 wurde: es wuchs "eine ganze Serie von Hähnen, "Hahn am Morgen", "Hahn und Hühner", "Hahn und Truthenne" 1949, "Hahn und Katze" 1955, dazu entstanden eine ganze Reihe Lithografien zu diesem Thema." (Fritz Löffler, Otto Dix, Leben und Werk, Dresden 1977, 4. Auflage, S. 126). Auch das vorliegende Motiv wird bekanntermaßen 1965/1966 in großformatigen Lithografien umgesetzt (vgl. Karsch 306/I,II, 1965/1966). Ferner führte Löffler aus: "An keinem Themenkreis läßt sich die malerische Entwicklung von Dix deutlicher erkennen als an diesen Hahn-Kompositionen, wie die Auflockerung der Form, der pastoser werdende Pinselstrich und die Aufhellung der Palette mit dem Vortrag in zunehmend reiner werdenden Farben." (Fritz Löffler, 1981, op. cit., S. 63).
Zum Hahn gibt es aber insbesondere im Werk dieser ersten Nachkriegsjahre einen inhaltlichen Bezug zur Passionsgeschichte. Zeichnungen zum Thema "Petrus und der Hahn" gehen dem 1957 entstandenen Gemälde voraus (Löffler 1957-3). Noch bewegter als im vorliegenden Werk "Hahn und Katze" ist der Vogel in der Darstellung "Petrus und der Hahn" krähend mit plustrig ausgebreiteten Federn und weit aufgerissenem Schnabel dargestellt. Der Hahn wird zum unbequemen Symbol im Umgang mit Verleugnung und Verdrängung - "Es ist ein nachgeholtes Thema aus der Widerstandszeit: der Berufene verrät den Geist aus Angst vor der Gewalt." (Fritz Löffler, 1977, op. cit., S. 124).
Auch "Hahn und Katze II" strahlen eine ominöse Präsenz und Unruhe aus. Vor der kalt-blauen Winterlandschaft gewinnen die Tiere mit ihren ganz unterschiedlichen Charakteren eine groteske Ausdrucksstärke. Wehrhafte Scheu, aber auch das Erschrecken voreinander sind treffend wiedergegeben. Es ist dieser Beobachtungsgabe des Künstlers geschuldet, dass man dennoch mit einem menschlichen Augenzwinkern die Aufregungen des dargestellten Tierverhaltens betrachten kann und sie nicht nur als unheimlich empfindet. Während der streitbare Hahn von seinem Misthaufen aus die junge gefleckte Katze als Bedrohung wahrnimmt, starrt diese von ihrem Ast, ängstlich wie erstaunt und hochgebuckelt, mit aufgerissenen Augen, frontal aus dem Bild heraus auf den Betrachter: so schliesst sich ein Kreis.

Werkverzeichnis

1955-10 Löffler

Provenienz

Vom Vorbesitzer direkt beim Künstler erworben, Privatbesitz Düren; seitdem in Familienbesitz

Literaturhinweise

Fritz Löffler, Otto Dix, Leben und Werk, Dresden 1960, S. 109 mit Abb. 167 (sowie 2. Auflage Dresden und Wien 1967, S. 122 mit Abb. 208 und 3. Auflage, Dresden 1972, S. 124 mit Abb. 208); Fritz Löffler, Otto Dix 1891-1969, Oeuvre der Gemälde, Recklinghausen 1981, S. 62 ff.

Ausstellung

Berlin/ Dresden 1957 (Deutsche Akademie der Künste Berlin/ Staatliche Kunstsammlungen Dresden), Nr. 102; Wuppertal 1957 (Kunst- und Museumsverein), Nr. 54; Marburg 1958 (Marburger Künstlerkreis), Nr. 2

Lot 284 D

Schätzpreis:
35.000 € - 40.000 €

Ergebnis:
108.900 €