Otto Piene - Ohne Titel

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Otto Piene

Ohne Titel
1962

Öl und Rauch auf Leinwand. 50 x 60 cm.

In der Broschüre zu seiner Ausstellung in der Galerie Schmela äußerte Otto Pine 1963 über seine Kunst und die Tendenzen und Ideen von "ZERO":
„Wir [gemeint sind die Zero-Künstler] entdeckten aufs Neue das Licht, in dem und in Beziehung zu dem eine wirkliche Besinnung nur möglich ist. Es verlangte nach Artikulation, um künstlerisch 'meßbar', d.h. überhaupt spürbar zu werden. Damit setzte es sich unmittelbar in Beziehung zum Dunkel.
Diese Kräfte: die Reinheit der Farbe, die Wirkungsweise von Naturvorgängen, die Freiheit des neuen Raumempfindens und die Faszination des Lichts bestimmten die Richtung unserer Bemühungen, deren Ergebnisse summarisch als 'Zéro' verstanden wurden [...].
Die Möglichkeit, Malen wie das Werden in der Natur als dirigierten selbsttätigen Vorgang geschehen zu lassen, ergab sich für mich z.B. aus der Verwendung von Rauch und ihren Konsequenzen. Eine technische Folge war das Fixieren und schließlich das Abbrennen von Fixativ. Daraus entwickelte sich die Technik des Gelierens der Farbe auf der Leinwand mit Hilfe von Feuer. Zugleich entstand damit die Notwendigkeit 'konzentrierter Spontaneität', da die Entscheidung über Gelingen oder Mißlingen des Bildes in Sekunden fällt. Die Korrespondenz zwischen Vorstellung und technischer Realisierung oder innerem Antrieb und äußerer Befähigung führte zu der Entdeckung von 'Fauna und Flora'. Zugleich mit dem Volumen, dem Kern, erschien die Verwandtschaft mit Naturvorgängen und ihrem sichtbaren Ergebnis: Blüten, Zellenschnitten, Frucht und Fleisch.
Der Zug zur Konzentration intensiviert sich: jetzt wie je ist der Raum Raum für den Menschen: Lebensraum. Die sichtbare Form der Konzentration, die sich aus der Isolierung der Einzelkraft aus einem Kraftfeld (des 'Punktes' aus einer Vielzahl von Punkten) ergab: die Form des Kreises gelangt über eine Folge von möglichen Bedeutungen - Sonne, Blume, Frucht - zu der des menschlichen Auges als Ausdruck konzentriertesten Lebens und dessen sichtbares Indiz seit Menschengedenken.
Erst an diesem Punkt angelangt, wurde mir klar, daß die Bildung eines Kerns, eines neuen Volumens, der vorangegangenen Raumeroberung ihren eigentlichen Sinn gibt. Ich werde, so glaube ich jetzt, der neuen Suggestion der sichtbaren Form des Menschen weiter nachgehen müssen, im Malen, im Lichtballett, im Theater. Damit manifestiert sich für mich nicht nur der Kern, sondern auch das Ziel des Neuen Idealismus.“ (Otto Piene, Jetzt, am 31.08.1963, in: Piene, Ölbilder und Gouachen, Ausst.Kat., Galerie Schmela, Düsseldorf, 1963, o.S.)

Provenienz

Galerie Ad Libitum, Antwerpen (mit rückseitigem Aufkleber); Galerie Ursula Wendtorf + Franz Swetec, Düsseldorf; Privatbesitz, Deutschland

Lot 694a D

Schätzpreis:
25.000 € - 30.000 €

Ergebnis:
36.300 €