Auktion 990, Moderne Kunst, 02.12.2011, 00:00, Köln Lot 211

Hermann Stenner, Grüne Frau mit gelbem Hut II

Hermann Stenner, Grüne Frau mit gelbem Hut II, 1913, Auktion 990 Moderne Kunst, Lot 211
Hermann Stenner, Grüne Frau mit gelbem Hut II, 1913, Auktion 990 Moderne Kunst, Lot 211
Hermann Stenner, Grüne Frau mit gelbem Hut II, 1913, Auktion 990 Moderne Kunst, Lot 211
Hermann Stenner, Grüne Frau mit gelbem Hut II, 1913, Auktion 990 Moderne Kunst, Lot 211

Öl auf Leinwand 52,3 x 40,8 cm, gerahmt. - Rückseitig auf der oberen Keilrahmenleiste mit dem gedruckten Ausstellungsetikett des "Städtischen Kunsthaus Bielefeld", darin mit rotem Stift Ausstellungsjahr "1956" und Kat. Nr. "169" eingetragen.

Hülsewig-Johnen/Reipschläger 120, S. 155 mit ganzseitiger Farbabb.; Gmelin G 116; in der 1918 von Hans Hildebrandt in Stenners Atelier erstellten Werkliste als Nr. 121 aufgeführt

Provenienz

Nachlass des Künstlers, Walter Stenner, Vancouver, vom Vorbesitzer dort erworben; Privatsammlung Norddeutschland

Ausstellungen

Bielefeld 1956 (Städt. Kunsthaus), Hermann Stenner, Kat. Nr. 169; Bielefeld/Aschaffenburg 2003 (Kunsthalle/Jesuitenkirche), Hermann Stenner, Gemälde - Retrospektive 1909-1914; Ravensburg 2007 (Schloß Achberg), Hermann Stenner. 1891-1914. Von Bielefeld nach Meersburg - Ein Maler an der Schwelle zur Moderne, Kat. Nr. 134, S. 99 mit ganzseitiger Farbabb.; Bielefeld 2010/2011 (Kunsthalle), Der Westfälische Expressionismus, o. Kat. Nr., S. 206 mit Farbabb.; Engen 2011 (Städtisches Museum und Galerie), Die Deutsche Avantgarde um Adolf Hölzel, o. Kat. Nr., S. 65 mit Farbabb.

"Hermann Stenner wäre einer der besten Maler Deutschlands geworden, wenn nicht der sinnlose, verbrecherische Krieg seine Opfer geholt hätte," schreibt sein ehemaliger Studienkollege Willi Baumeister noch 1950 (zit. Ausst. Kat. Bielefeld 1956, op. cit., S. 21 f.; Ausst. Kat. Engen 2011, op. cit. S. 60).

Stenner hatte in München studiert und war 1911 an die Stuttgarter Akademie gewechselt, wo er u.a. in die Klasse von Adolf Hölzel geht. Eine einmonatige Exkursion nach Paris, zusammen u.a. mit dem Kunsthistoriker Hans Hildebrandt, führt den Maler in den Louvre. Dort und bei dem ebenfalls 1912 stattfindenden Besuch der Kölner Sonderbundausstellung, in der er Werke der französischen Avantgarde kennenlernt, erhält Stenner zahlreiche Anregungen. Neben Cézanne, Gauguin, Picasso und van Gogh sind in der Kölner Ausstellung als neueste Tendenzen auch Gemälde des Blauen Reiter und der Brücke ausgestellt.

Lassen sich in seinen 1912 entstandenen Gemälden Reminiszenzen an El Greco und auch an den Plastiker Wilhelm Lehmbruck erkennen in der gelängten schlank-gotisierenden Formgebung, scheint um 1913 ein Wechsel stattzufinden in Richtung einer stark farbig vereinfachenden Darstellungsweise. So entstehen die beiden Brustformate "Grüne Frau mit gelbem Hut" I und II oder "Dame mit Maske", welches sich heute in der Sammlung der Kunsthalle Bielefeld befindet (s. Vergleichsabbildung). Auffällig wird hier die formatfüllende Ausnutzung, die diagonale Verspannung des Motivs in der Bildfläche, Raum lediglich andeutend. Cloisonnéhaft sind die Farbflächen ungemischt gegeneinander gesetzt, wobei Primär- und Sekundärfarben komplementär spannungsreich gegeneinander stehen. Farbe dient als Ausdrucksträger, losgelöst von jeder naturalistischen Gegenstandsbezeichnung.

Die "Grüne Frau mit gelbem Hut II" ist formal aus geometrischen Grundformen Kreis, Recht- und Dreieck aufgebaut. Als Aperçu korrespondiert der runde gelbe Hutnadelkopf vor blauem Grund zum blauen Knopf am gelben Revers und verleiht der Komposition heitere Leichtigkeit. Kaum plastisch modelliert, verschattet aber die Hutkrempe die Augenpartie der Dargestellten und verleiht ihr einen Hauch von lasziver Exzentrik. Verglichen mit Kokotten- und Salondarstellungen von Grosz und Dix, reichen Stenner bemerkenswerterweise sehr viel weniger Mittel. Karin v. Maur sieht in den Bildnissen "Grüne Frau mit gelbem Hut I und II" gleichsam Stenners "bildnerisches Manifest für den realitätsfernen Einsatz reiner Farbkontraste, der an Jawlensky oder Marc denken läßt." (Ausst. Kat. Ravensburg 2007, op. cit. S. 98)

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