Auktion 997, Moderne Kunst, 22.05.2012, 00:00, Köln Lot 207

Ernst Ludwig Kirchner, Frau und nackte Frau im Atelier

Ernst Ludwig Kirchner, Frau und nackte Frau im Atelier, 1914, Auktion 997 Moderne Kunst, Lot 207
Ernst Ludwig Kirchner, Frau und nackte Frau im Atelier, 1914, Auktion 997 Moderne Kunst, Lot 207
Ernst Ludwig Kirchner, Frau und nackte Frau im Atelier, 1914, Auktion 997 Moderne Kunst, Lot 207
Ernst Ludwig Kirchner, Frau und nackte Frau im Atelier, 1914, Auktion 997 Moderne Kunst, Lot 207

Aquarell und Bleistiftzeichnung auf starkem chamoisfarbenen Velin 55,2 x 38,6 cm, unter Glas gerahmt. Unten rechts mit Bleistift signiert und datiert E LKirchner (L und K ligiert) 1914 und rückseitig betitelt und datiert Frau und nackte Frau im Atelier, datiert "1914" und numeriert "22" sowie mit rotem Stift mit einem Stern versehen. - Am rechten oberen Rand mit kurzem Einriß, am linken Rand mit schmalem Ausriß. Die Farben etwas verblaßt.

Mit einer Bestätigung des Ernst Ludwig Kirchner Archivs, Wichtrach/Bern, vom 21. Februar 2012. Das Werk ist im Archiv der Zeichnungen, Pastelle und Aquarelle dokumentiert.

Provenienz

Kunstsalon Ludwig Schames, Frankfurt (mit Kaufquittung und Korrespondenz vom 10. März 1924); Sammlung Walter und Doris von Scheven, Rheinland, seitdem in Familienbesitz

Das Jahr 1914 steht im Schaffen Ernst Ludwig Kirchners für einen außerordentlichen Schub in der künstlerischen Entwicklung. In Berlin, dessen modernes Großstadtleben den Künstler stark beeinflusst, entstehen jetzt die berühmten Straßenszenen, die als die Hauptwerke des Künstlers gelten können. Der vibrierend-nervöse Stil, der die Vitalität der Großstadt und die überbordenden Sinneseindrücke des Künstlers visualisiert, findet seinen Höhepunkt. Erkennbar ist die Veränderung in der künstlerischen Ausdrucksweise Kirchners bereits seit Ende 1912. Wenige schnelle Striche erfassen in unterschiedlichen Strichstärken das Motiv, eckige Akzente, spitz zulaufende, überlängte Formen und der Eindruck von Strenge kennzeichnen seine Zeichnungen dieser Zeit.

Auch in der vorliegenden Arbeit werden diese Merkmale sichtbar. Der zentral platzierte Rückenakt gliedert den ausgesprochen detailreich geschilderten Bildraum. Die überlängte Rückenlinie und der grazil geformte Rumpf, nur durch wenige zarte Aquarellstriche akzentuiert, bilden den ruhenden Mittelpunkt der Darstellung. Der Kopf des Modells, in nervösen, sich überlagernden Bleistiftstrichen erfasst und in einem hellen Rot aquarelliert, zeugt von Erregung. Die in den charakteristisch spitzen, kantigen Formen gezeichnete, ganz in den linken Bildrand gerückt sitzende Frau und das in wenigen Strichen und verschiedenfarbigen Akzenten erfasste Mobiliar der Atelierwohnung vermitteln einen Eindruck von Enge und Fülle. Die Bildfläche erhält eine ornamental anmutende Durchgliederung.

Die Atelierwohnung in der Körnerstraße in Berlin-Steglitz, in die Kirchner im Herbst 1913 gezogen war, bildete für ihn einen Rückzugsort vor dem hektischen Großstadtleben. Unzählige seiner Arbeiten entstanden hier, vielfach stehende oder ruhende Akte sowie Badeszenen. Die Modelle dieser Zeit waren oftmals Kirchners Lebensgefährtin Erna Schilling und ihre Schwester Gerda.

Unsere Webseite verwendet Cookies. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. OK