Otto Mueller - Zigeunermadonna (Zigeunerin mit Kind vorm Wagenrad)

Otto Mueller - Zigeunermadonna (Zigeunerin mit Kind vorm Wagenrad) - image-1
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Otto Mueller

Zigeunermadonna (Zigeunerin mit Kind vorm Wagenrad)
1926/27

Original-Farblithographie 69,9 x 50,2 cm Eines der 60 ungezählten Exemplare - Rechte Kante unten mit einem kleinen fachmännisch geschlossenen Einriss.

Die „Zigeunermadonna“, in Details abgewandelt auch in dem gleichnamigen Ölgemälde von um 1926 dargestellt (von Lüttichau 373, Hessisches Landesmuseum Darmstadt, vgl. u.a. L.-G. Buchheim, Otto Mueller, Leben und Werk, Feldafing 1963, S. 249 mit Farbabb. - das Gemälde im Unterschied zur Graphik u.a. mit selbstbildhaften Zügen), ist eines der prominentesten Blätter der sog. "Zigeunermappe", die als Höhepunkt von Muellers graphischem Schaffen gelten kann. Die Mappe wurde nach langen Vorarbeiten Muellers in der zweiten Jahreshälfte 1927 erstmals von der Galerie Neumann-Nierendorf in Berlin ausgestellt. Seine Reisen zu den Zigeunern begannen 1924. Die Faszination, die diese Volksgruppe auf ihn ausübte, führte ihn in den folgenden Sommern nach Dalmatien, Ungarn, Bulgarien und Rumänien. Neben der „Zigeunermappe“ verarbeitete Otto Mueller die Zigeunermotive in etwa 80 Gemälden und Papierarbeiten. Die "Zigeunermadonna" ist eines der berühmtesten Motive aus diesem Zyklus.

"Vor einem grün-schwarzen Hintergrund, dem Betrachter frontal zugewandt, sitzt eine Frau in einem lockeren, offenen Gewand, die Brüste entblößt. [...] Mueller bezog sich bei seiner Komposition auf die traditionelle Madonnendarstellung der Gotik und der Renaissance, verwendete jedoch Symbole der Zigeuner. Das Rad, die Funktion des Heiligenscheines übernehmend, symbolisiert in der Tradition der Zigeuner die Kultur ihres Volkes." (Tanja Pirsig, Otto Mueller: Mythos und Wahrheit, in: Otto Mueller. Eine Retrospektive, München 2003, S. 128). Die Bedeutung der Zigeunerdarstellungen bleibt ungeklärt, da sich Otto Mueller nicht dazu geäussert hat: "Der Lebensstil der Zigeuner mag ihn einfach zu einer Zeit persönlicher Probleme angesprochen haben. Ihre Kultur drehte sich im Wesentlichen um menschliche Werte, um Glück, Liebe und Freiheit. Drei Werte, die Mueller verzweifelt suchte. Darüber hinaus sind die Zigeuner überzeugt, dass die menschliche Existenz nicht im 'Haben', sondern im 'Sein' liegt. Gleich den Zigeunern erwarb Mueller nicht mehr, als er zum Leben brauchte." (Tanja Pirsig, op. cit., München 2003, S. 125).

Werkverzeichnis

Karsch 168

Provenienz

Rheinische Privatsammlung, Familienbesitz

Lot 210 Dα

Schätzpreis:
35.000 € - 40.000 €

Ergebnis:
48.800 €