Asiatische Kunst - Von Porzellan und Kriegskunst

Mit knapp 900 Objekten spannt die zweitägige Asien-Auktion am 24./25. Juni einen weiten Bogen zwischen Kontinenten und Jahrhunderten. Besondere Schwerpunkte liegen dabei auf monochromen Porzellanen aus China und japanischen Schwertern.

Der erste Tag ist u.a. der indischen, tibetanischen und chinesischen Kunst gewidmet. Den Anfang macht ein feiner pakistanischer Buddha Shakyamuni aus grauem Schist (Gandhara, 2./3. Jh.). Die filigran ausgearbeitete Skulptur stammt aus einer belgischen Privatsammlung (Lot 1, € 20/30.000).

Ein Highlight des Angebots an tibetischer Kunst ist ein seltenes Set von sechs Thangkas mit Darstellungen des Ersten Panchen Lamas und seiner früheren Inkarnationen. (18./19. Jh., Lot 76, € 30/50.000). Ikonografisch folgen die sechs zum Aufruf kommenden Thangkas der berühmten Serie von 13 Blockdrucken, die Mitte des 18. Jahrhunderts im Narthang-Kloster bei Shigatse entstanden ist. So gehören auch die hier offerierten sechs Thangkas vermutlich zu einer größeren Serie von 13 Thangkas.

China

Eine prachtvolle klassische, vergoldete Bronzefigur, 17./18. Jh., des Buddha Shakyamuni stammt aus einer südamerikanischen Privatsammlung (Lot 101, € 30/40.000). Ein feines, im 18./19. Jh. gearbeitetes Paar Stühle aus dem begehrten huanghuali-Holz ist der Höhepunkt des chinesischen Mobiliars (Lot 115, € 20/30.000). Aus einer hessischen Privatsammlung stammt eine Auswahl an Kleinmöbeln bzw. Tischobjekten (Lots 116 C 118, Taxen von € 6.000 bis 20.000), die in den 90er-Jahren bei renommierten Kunsthändlern wie Grace Wu Bruce in Hongkong oder Sydney L. Moss in London erworben wurden.

Einen Auktionsschwerpunkt bildet auch das an Farben und Formen variantenreiche Angebot monochromer Porzellane, darunter eine Vase vom Typ yuhuchun ping mit kupferroter jihong-Glasur aus dem 18. Jh., die aus einer deutschen Privatsammlung stammt und 1966 bei China-Bohlken in Westerland erworben wurde (Lot 140, € 15/20.000). Für Sammler der sog. Blanc de Chine-Porzellane sollte die Figur einer stehenden Guanyin (19. Jh., Lot 144, € 10/15.000) aus altem Wiener Privatbesitz interessant sein.

Am 15. Juli versteigert Lempertz in Köln die Sammlung Bernard Deleye, dessen hoch-bedeutende Sammlung neben europäischem Kunstgewerbe auch Blanc de Chine-Porzellane umfasst (Lempertz widmet dieser exzeptionellen Sonderauktion einen prachtvollen Sonderkatalog).

Während Lempertz in der Vergangenheit wiederholt mit hohen Zuschlägen im Bereich der klassischen chinesischen Malerei aufwarten konnte, steht in dieser Auktion mehrheitlich die zeitgenössische Kunst im Fokus. Grund dafür ist die Versteigerung eines Teils der Sammlung Ilse Lommel. Sie eröffnete 1989 ihre Galerie unter dem Namen Galerie Lommel, Asiatische Kunst der Gegenwart in Leverkusen. Selbst Sammlerin mit dem Fokus auf zeitgenössische chinesische Tuschmalerei bereiste sie als eine der ersten europäischen Touristinnen China und suchte die Künstler persönlich in ihren Ateliers und Wohnungen auf und erwarb außergewöhnliche Arbeiten von damals unbekannten, heute allerdings etablierten Künstlern wie zum Beispiel Xue Song, Chen Jialing, Gu Gan, Jin Weihong oder Qiu Deshu (Lots 164 – 168 und 300 – 310, bis € 10.000).

Japan

Eine mehr als 40 Lots umfassende Offerte an Holzschnitten leitet den zweiten Auktionstag ein, der ganz der Kunst Japans gewidmet. Ein Höhepunkt der Offerte ist ein Oban von Hokusai aus einer Kölner Privatsammlung mit einer seltenen Darstellung eines Picknicks an der sog. Kissen-Kiefer in Aoyama aus der Serie der 36 Ansichten des Fuji (um 1830/1831, Lot 405, € 10/12.000).

Nach der erfolgreichen Versteigerung zahlreicher Rüstungen in der vergangenen Auktion im Dezember 2020 konnte Lempertz auch für diese Saison wieder zahlreiche Rüstungen akquirieren und den Bereich der Samurai-Kunst weiter ausbauen. Insgesamt umfasst die Offerte über 30 Positionen an Rüstungen und Helmen (Lots 553 – 586, bis € 30.000) sowie ein in Europa wohl einzigartiges Angebot an über 70 Schwertern und Lanzen. Diese stammen allesamt aus Privatsammlungen und werden durch ein ebenso beeindruckendes Angebot an Schwertstichblättern abgerundet (Lots 587 – 749, € bis 20.000).

Den Abschluss der Auktion bilden traditionell die Netsuke. Dabei wird die Offerte neben wenigen Einzeleinlieferungen von einer Privatsammlung sowie dem Nachlass des Frankfurter Kunsthändlers Günther Kauth dominiert. Aus dieser Einlieferung stammt etwa ein Shishi aus Elfenbein, dessen Provenienz mit deutscher Auktionsgeschichte nicht enger verknüpft sein könnte. Er stammt nachweislich aus der Sammlung des Leipziger Verlegers Albert Brockhaus (1855 – 1921) und fand seinen Weg nachweislich ab 1908 über London und Hannover nach Köln – Räume, in denen er schon einmal im Jahr 2006 versteigert wurde. (18. Jh., Lot 828,
 € 3/3.500). Die insgesamt 100 Objekte starke Offerte darf getrost als marktfrisch bezeichnet werden (Lots 791 – 892, Taxen von € 300 – 4.000).

Edgar Abs, Presse – und Öffentlichkeitsarbeit

Köln, Juni 2021