Festliche Jubiläumsauktion bei Lempertz

Mit der Auktion „50 Lots – My Choice“ feiert Lempertz ein Jubiläum, wie es in der Kunstwelt nur selten gelingt: Seit 50 Jahren leitet Henrik Hanstein das Haus und die Auktionen bei Lempertz. Eine erfolgreiche Auktionssaison verleiht dem Anlass gebührenden Glanz, nicht nur mit einem herausragenden Diamantring.

Der Saal war sehr gut besucht, als Henrik Hanstein seine Jubiläumsauktion „50 Lots – My Choice“ am Abend des 4. Dezember eröffnete. Zahlreiche Weggefährten, Kunstfreunde und vor allem Sammler, die auf eines oder mehrere der 50 von Henrik Hanstein kuratierten Lose hofften, begleiteten den besonderen Abend. Modernes und Zeitgenössisches mit den Alten Meistern in Beziehung zu setzen, lautete der originelle Ansatz, mit dem diese Auktion sich von allen zuvor in der über zweihundert Jahre überspannenden Geschichte des Hauses absetzte.

Zum Star vor diesem großen Publikum wurde neben dem Jubilar eine außergewöhnliche Arbeit von Ewald Mataré, die zudem eine bemerkenswerte Geschichte mitbringt.  Die Bronzeplastik ist nicht nur die größte der berühmten Tierbronzen des Künstlers, die je versteigert wurde, es handelt sich auch um ein Unikat. Noch spannender wird dieses Werk durch seine bewegte Geschichte: 1938 schuf Ewald Mataré die Stehende Kuh im Auftrag des erfolgreichen Rechtsanwalts Dr. Udo Rusker, der bis 1933 auch im Berliner Kulturleben eine bedeutende Rolle spielte. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten zogen sich Rusker und seine jüdische Ehefrau Dora aus Berlin zurück, zunächst auf einen Gutshof am Bodensee. Als Figur für einen Brunnen dieses Hofes gab Rusker bei Mataré die Stehende Kuh in Auftrag. Im Januar 1939 wurde diese Bronze geliefert, doch schon im März emigrierte das Ehepaar Rusker nach Chile. Im Gepäck hatten sie auch die 80 Kilogramm schwere Bronzefigur. Erst für diese Auktion kehrte sie aus Chile zurück. Das Interesse an diesem herausragenden Unikat war überwältigend. Nach packendem Bietgefecht wurde mit 352.000 Euro das höchste Ergebnis erreicht, das jemals in einer Auktion für ein Werk von Ewald Mataré erzielt wurde. Das außergewöhnliche Objekt geht nun in eine deutsche Privatsammlung.

Die stark besetzte Moderne faszinierte auch in der Malerei. Karl Schmidt-Rottluff schuf 1936 mit den „Erzgebirgshäusern“ einen besonders kraftvollen, dramatischen Blick mit intensiven Kontrasten auf seine oft zum Motiv genommene Heimat. Die Intensität des Ausdrucks ist sicher auch im Zusammenhang mit seiner Lebenssituation während der Entstehungszeit dieses Gemäldes zu sehen. Für das ausdrucksstarke Werk bewilligte der erfolgreiche Bieter das Ergebnis von 302.000 Euro.

Große Aufmerksamkeit fanden auch Pablo Picassos „Nus“. Die Thematik abstrahierter Aktdarstellungen ist in seinem Spätwerk besonders intensiv vertreten. Diese besonders gut erhaltene Arbeit auf Papier erregte international entsprechendes Interesse und wurde mit dem Ergebnis von 352.000 Euro deutlich über der Taxe verkauft.

Das gilt auch für Heinrich Campendonks Aquarell „Pferde“ von 1914. Diese Arbeit ist motivisch typisch für den Künstler, der zur Entstehungszeit in einer Künstlergemeinschaft im bayerischen Sindelsdorf seine Sujets in der ländlichen Umgebung findet. Zudem lässt dieses spezielle Blatt mit einem aufcollagierten Papierbogen und erkennbaren Vorzeichnungen auch einen Blick in den Werkprozess zu. Mit einem Ergebnis von 151.000 Euro wurde es deutlich über der Taxe von 80.000 Euro an den erfolgreichen Bieter vermittelt.

Oskar Schlemmers große Wandplastik „Homo“ wurden bei gleicher Taxe auf ein Ergebnis von 163.000 Euro gehoben. Trotz ihrer imposanten Größe veranschaulicht diese Arbeit Schlemmers Streben nach dem Schwebenden und Filigranen eindrücklich, indem er Draht als Werkstoff einsetzte. „Homo“ entstand im Auftrag des Arztes Dr. Erich Rabe. Das jetzt bei Lempertz verkaufte Exemplar dieses Entwurfs kam allerdings direkt aus dem Hause Oskar Schlemmers in Sehringen-Badenweiler in die Auktion nach Köln. 

Aus den Zeitgenossen unter den „50 Lots“ ragt mit Andy Warhol ein Ausnahmekünstler heraus, der einen weiteren auf den Schild hebt: Ludwig van Beethoven ist in einer kompletten vierteiligen Serie auf Basis eines Gemäldes von Josef Karl Stieler portraitiert. Zu dieser Arbeit veranlasste Andy Warhol das 160. Todesjahr des Komponisten, dessen Ruhm bis heute, zwei Jahre vor seinem 200. Todestag, ungebrochen ist. Das Ergebnis von 277.000 Euro für dieses Werk gibt davon Zeugnis.

Mit „Study to homage to the square: Victorian“ kam ein Werk von Josef Albers aus der frühen Phase seiner ikonischen Werkserie „Homage to the square“ zum Aufruf, es befand sich ehemals in der Sammlung des Schriftstellers Eugen Gomringer. Die Komposition in atmosphärisch warmen Farbtönen erzielte 378.000 Euro.

Die Alten Meister, bei denen Lempertz schon fast traditionsgemäß der deutsche Marktführer ist, waren an diesem Abend „Gesprächspartner“ der Modernen und Zeitgenössischen Kunst. Besonders hoch hinaus ging es unter den Werken der Alten Meister für den Turmbau zu Babel von Josef van Bredael. Die Spitze des Turmes verschwindet fast in der Höhe des Bildraums, das Augenmerk des Malers liegt vielmehr auf den Figuren und ihren Handlungen rund um diese Baustelle, die in ihrer Uferlosigkeit an manches aktuelle Bau- oder Sanierungsprojekt gemahnt. Für 403.000 Euro ging dieses Gemälde zu einem Mehrfachen der Erwartung an einen interkontinentalen Bieter.

Ebenfalls weit über die Taxe hinaus hoben die Bieter „Herkules bei Omphale“ von Lucas Cranach d.Ä. und Werkstatt. Dieses klassische Motiv entstand in den 1530er-Jahren in mindestens 35 Versionen, die sich alle voneinander unterscheiden, und wurde damit fast ein Markenzeichen für Cranachs und seine Werkstatt. Die Provenienz dieses Exemplars lässt sich bis mindestens ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen, Sammler schätzen das, wie das Ergebnis von 201.000 Euro belegt.

Auch die kleinen Formate werden goutiert, wenn sie die entsprechende Qualität aufweisen. Für die steht der Name Giovanni Battista Tiepolo, sein „Kopf eines bärtigen Philosophen“ belegt das eindrucksvoll. Diese 36 mal 28,5 Zentimeter große Leinwand zählt zu den „Teste“, den Köpfen, die in der Venezianischen Malerei des 18. Jahrhunderts zu einem eigenen Sujet wurden. Mit 201.000 Euro lag das Ergebnis für dieses Beispiel deutlich über der Taxe von 160.000 Euro.

Weitere Gemälde der Alten Meister und des 19. Jahrhunderts haben bereits in der Auktion am 22. November hohe Ergebnisse erzielt, darunter ein außergewöhnliches, wohl südamerikanisches Gemälde, das eine komplexe Allegorie der katholischen Kirche zeigt. Dieser „Triumph des Glaubens und der katholischen Kirche“ wurde von Bietern aus der ganzen Welt auf ein Ergebnis von rund 580.000 Euro gehoben, mehr als das Zehnfache des Schätzwertes.

Neben der Moderne und den Zeitgenossen im Zusammenspiel mit Alten Meistern darf im breit aufgestellten Haus Lempertz das Kunsthandwerk natürlich nicht fehlen. Mit der bedeutenden Tapisserie aus einer Tobiasfolge hat es einen würdigen Vertreter. Diese prächtige, 420 mal 580 Zentimeter messende Wirkerei aus dem 16. Jahrhundert zeigte mit dem Ergebnis von 126.000 Euro, das feinste Handwerkskunst ihre Faszination über Jahrhunderte bewahrt.

Als Glanzlicht der Jubiläumsauktion wurde am 4. Dezember zudem ein Ring mit Diamantsolitär aufgerufen. Dieser Stein von 16,27 ct zog mehrere Bieter in seinen Bann und wurde erst mit dem Ergebnis von rund 290.000 Euro verkauft.

Kontakt

Jan Bykowski
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
info@lempertz.com
Tel. 0221 925729 -57

Auktionsdaten

50 Lots – My Choice – Jubiläumsauktion Henrik Hanstein

Alte Kunst Kunstgewerbe Photographie Zeitgenössische Kunst Moderne Kunst Schmuck und Uhren
Donnerstag 04. 12. 2025, 18:00
Lot 1 - 50
Auktion 1278
50 Lots – My Choice – Jubiläumsauktion Henrik Hanstein
Auktion
KÖLN

Donnerstag 4. Dezember 2025
18 Uhr | Lot 1 – 50
Vorbesichtigung
KÖLN

Samstag 29. November 10 – 16 Uhr
Sonntag 30. November 11 – 16 Uhr
Montag 1. Dezember – Mittwoch 3. Dez. 10 – 17.30 Uhr

Vernissage mit Cocktail
Freitag 28. November 18 Uhr
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MÜNCHEN

In Auswahl
St.-Anna-Platz 3, 80538 München
Montag 10. November 10 – 17 Uhr
Dienstag 11. November 10 – 17 Uhr
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BERLIN

In Auswahl
Poststr. 22, 10178 Berlin-Mitte
Vernissage Donnerstag 13. November 18 Uhr
Freitag 14. November und Samstag 15. Nov. 10 – 17 Uhr
Katalog
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