Lempertz setzt in Brüssel hohe Maßstäbe mit afrikanischer Kunst in Museumsqualität
Zwei selten gezeigte Privatsammlungen prägen die Auktion „Art of Africa, the Pacific and the Americas“ am 31. Januar in Brüssel
Spezialauktionen belohnen Sammler oft eher für Ausdauer als für Leidenschaft: Wirkliche Entdeckungen erfordern meist lange, geduldige Suche. Mit der bevorstehenden Auktion „Art of Africa, the Pacific and the Americas“, die am 31. Januar in Brüssel stattfindet, durchbricht das Kunsthaus Lempertz dieses Muster in bemerkenswerter Weise.
Die Auktion vereint zwei außergewöhnliche Privatsammlungen, die nahezu vollständig erstmals auf den Markt kommen. Ihre gemeinsame Präsenz ergibt ein Angebot von ungewöhnlich homogener Qualität, geprägt von überzeugenden Provenienzen, frühen Sammlungsgeschichten sowie zurückhaltenden, zugleich marktbewussten Schätzungen.
„Diese Auktion wird nicht von einigen wenigen Spitzenlosen definiert“, erklärt Lempertz-Spezialist Jan-Joris Visser. „Sie lebt von ihrer Tiefe. Das Niveau bleibt vom ersten bis zum letzten Los außergewöhnlich hoch.“

Die Sammlung Daniele Grassi: Patina, Ausdruckskraft und frühe Provenienz
Mehr als die Hälfte der knapp 100 Lose der Auktion stammen aus der Sammlung Daniele Grassi, die der italienische Intellektuelle, Dichter und ehemalige EU-Kommissionsbeamte über Jahrzehnte hinweg aufgebaut hat. Die Sammlung zeugt von einem geschulten Blick für Alter, Gebrauchsspuren und skulpturale Autorität und bevorzugt Werke mit ausgeprägter Patina gegenüber makelloser Oberfläche.
Das Spitzenlos der Sammlung ist eine sitzende Hemba-Figur aus der Demokratischen Republik Kongo, geschätzt auf 80.000 Euro (Lot 133). Trotz erheblicher Verluste an Armen und Unterkörper bewahrt die Skulptur eine eindrucksvolle, in sich gekehrte Präsenz.
„Sammler bewerten heute verstärkt Werke neu, die früher als ‚zu roh‘ galten“, so Visser. „Diese Hemba-Figur trifft den aktuellen Geschmack: Authentizität statt Restaurierung.“
Ebenfalls aus dem Kongo stammen mehrere Nkisi-Kraftfiguren, die wegen ihrer rituellen Intensität und skulpturalen Wirkung seit Langem begehrt sind. Ein 51 cm hohes Beispiel wird auf 14.000 Euro geschätzt (Lot 120), während ein kleinerer Yombe-Nkisi (Lot 122)mit nahezu naturalistischem, jugendlichem Ausdruck mit 3.000 Euro angesetzt ist.
Auch jenseits Zentralafrikas hält die Sammlung Grassi ihr hohes Niveau. Zu den Höhepunkten zählen eine seltene Dogon-N’Duleri-Figur aus Mali (28.000 Euro, Lot 79) mit tiefdunkler Gesichtspatina sowie ein lebensgroßer Nomoli-Steinkopf aus Sierra Leone (20.000 Euro, Lot 65), der stilistisch ins 14. Jahrhundert datiert wird.

Die Sammlung Rolf Bayer: Stille deutsche Kennerschaft
Einen überzeugenden Gegenpol bildet die Sammlung Rolf Bayer mit 19 Werken, die von einem zurückhaltenden deutschen Sammler zusammengetragen wurden. Die Ankäufe erfolgten überwiegend über renommierte Händler wie Ludwig Brettschneider und Walter Kaiser.
Angeführt wird die Gruppe von einer Baule-Divinationsfigur aus Côte d’Ivoire, geschätzt auf 60.000 Euro (Lot 25), sowie einer würdevollen Bete-Mutterfigur (4.000 Euro, Lot 20), die für Ahnenpräsenz und spirituelle Kontinuität steht.
„Bayer steht für ein Sammlungsmodell, das zunehmend selten wird“, erklärt Visser. „Bedachte Erwerbungen, makellose Provenienzen und kein Interesse an Spekulation.“
Die Sammlung umfasst zudem einen Holzschnitt von Karl Schmidt-Rottluff, der den anhaltenden Dialog zwischen afrikanischer Skulptur und europäischer Moderne unterstreicht (Lot 11).

Marktsignale über die Sammlungen hinaus
Zu den herausragenden Einzelwerken der Auktion zählt eine Ejagham-Helmmaske aus Nigeria, geschätzt auf 26.000 Euro (Lot 5). Vergleichbare Marktergebnisse lassen erhebliches Steigerungspotenzial erkennen: Ein ähnliches Exemplar erzielte kürzlich bei einer Auktion einen Anstieg von 10.000 auf 130.000 Euro.
Eine monumentale Senufo-Figur, die mit der Poro-Gesellschaft verbunden ist (18.000 Euro, Lot 18), spiegelt die wachsende Nachfrage nach großformatigen Werken wider, die mit historischen Machtstrukturen und ritueller Autorität verknüpft sind.
Abgerundet wird die Auktion durch bedeutende Arbeiten aus dem Hemba-Luba-Kontext, darunter eine Hemba-Singiti-Figur (25.000 Euro, Lot 35), deren elongierte Gesichtszüge an Modigliani erinnern, sowie früh gesammelte Luba-Stäbe, darunter ein Exemplar, das um 1900 von einem deutschen Ingenieur erworben wurde (8.000 Euro, Lot 39).
Ein 1,26 Meter hohes zeremonielles Luba-Zepter (Lot 40), gesammelt vom italienischen Juristen Mansueto Moriondo, verleiht dem Angebot zusätzliche historische Tiefe und verbindet afrikanische Kunst mit Kolonialgeschichte und früher europäischer Dokumentation.
„Diese Auktion richtet sich Sammler sowie Institutionen, die frühe Provenienzen und skulpturale Integrität schätzen“, fasst Visser zusammen. „Es ist eine Auktion mit langfristiger Perspektive, nicht für eine Saison, sondern für die Zukunft.“
Vorbesichtigungen:
Köln 15. – 17. Januar 2026
Brüssel 22. – 30. Januar 2026, während der BRAFA Art Fair
Auktionsdaten
Auktion 1284 - Afrikanische und Ozeanische Kunst
Auktion
Samstag, 31. Januar 2026
14 Uhr
Vorbesichtigung
6, rue du Grand Cerf
Vernissage:
Mittwoch, 21. Januar, 11 Uhr
Brunch:
Sonntag, 25. Januar, 11–16 Uhr
Ausstellung:
Donnerstag, 22. Januar – Freitag, 30. Januar, 10–18 Uhr
Ausgewählte Vorschau in KÖLN:
Donnerstag, 15. Januar – Samstag, 17. Januar, 10–17 Uhr
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