Adolf Hoelzel - Komposition (Große Anbetung im Wald) - image-1

Lot 239 Dα

Adolf Hoelzel - Komposition (Große Anbetung im Wald)

Auction 822 - overview Köln
04.06.2002, 10:30 - Moderne Kunst 4. Juni 2002
Estimate: 15.000 € - 20.000 €
Result: 20.060 € (incl. premium)

Pastell auf "PAPIER VELOURS pour le Pastel - MADE IN FRANCE" 50,3 x 64,8 cm, unter Glas gerahmt. - Die rechte obere Ecke mit kleinem Papierverlust und alt ergänzt. Bei den Farben ist das Violett etwas ausgeblichen.

Adolf Hölzel, der als Lehrer ebenso bedeutend wie als Künstler war, setzte bei der Komposition seiner Arbeiten oft eine "natürlichen Sehbewegung" voraus, derzufolge das Auge geneigt ist, den Blick von der Mittelzone aus über das Flächeninnere nach allen Seiten zu den äußeren Rändern hin schweifen zu lassen. Dies gilt in besonderem Maße für die vielen Pastelle nach der Mitte der zwanziger Jahre, als er sich mit dieser Technik intensiver zu beschäftigen begann. "Typisch für viele Pastellkompositionen ist das Hervorheben der Mitte, des Zentrums: eine Gruppierung sich rundender oder zum Rund ergänzender Formen, bewegter, kleinteiliger Formen, die meist von einem Kreis umschrieben sind, während die Randzonen ruhiger gehalten sind und zu den Horizontalen und Vertikalen der Bildränder überleiten [...] Da der Verzicht auf den Gegenstand nicht grundsätzlicher Natur war, ergaben sich figürliche und landschaftliche Anklänge unmittelbar aus der bildnerischen Arbeit selbst. Es macht die Eigenart der Bildwelt Hoelzels aus, daß selbst die abstraktesten Blätter noch einen Bezug haben zu der Welt der Erscheinung, auf den Menschen und so die Möglichkeit einer Rückverwandlung der Formen in Figuren und Landschaften gegeben ist." (Wolfgang Venzmer im Ausstellungskatalog "Adolf Hoelzel. Aufbruch zur Moderne", Villa Stuck München 1980, S. 42). Venzmer führt weiter aus, daß bei der "Hauptsache", den Pastellen "[...] die dem Material innewohnenden spezifischen Bedingungen mit den Intentionen des Künstlers gleichsam zur Deckung gebracht werden; das Besondere des Pastells mit seinen Möglichkeiten der Intensivierung und zugleich Entmaterialisierung der farbigen Erscheinung, einer Vergeistigung, wie sie mit keiner anderen Technik zu erreichen war [...] Das einzelne Pastell tendiert mehr zur kleinteilig gegliederten, komplizierten Form, wobei der Flächencharakter des Bildes mehr oder weniger gewahrt bleibt; es ist eine reich facettierte Form, das jeweilige Ensemble dreieckiger, runder, ovaler Formen, in ihrer unterschiedlichen Ordnung, ihrem Zusammenschluß zu einem übergreifend kompositionellen Gefüge." (ebendort S. 38)
Daß das eigentliche Erleben bei Hölzel aber auch im Bereich der Farben liegt, zeigt sich ganz besonders in den Pastellen, die ein freieres, spontanes, phantasievolleres Gestalten (als etwa bei dem Gebrauch von Ölfarben) ermöglichen und die ihren ganzen Reichtum an Leuchtkraft und Zartheit in besonderer Weise vermitteln. Auch das vorliegende Blatt belegt die Beobachtung, daß die Entwicklung der Pastelle bei Hölzel mit einiger Zwangsläfigkeit zu einer Gestaltung führt, die im intensiven Farbenspiel und in der Flächenstruktur an die Komposition von Glasfenstern erinnert.