Auction 842, , 28.05.2003, 10:30, Cologne Lot 764

August Macke, Gelbes Segel

August Macke, Gelbes Segel, 1913, Auction 842 Lot 764

Aquarell über Bleistift auf festem Zeichenpapier 25 x 16 cm, unter Glas gerahmt.

Heiderich 389; Vriesen 399

Provenance

Dr. Walter Gerhardt, Bonn; Sammlung Lübbecke, Bad Homburg (1946); Privatbesitz; rheinischer Privatbesitz

Exhibitions

Bielefeld 1957 (Städtisches Kunsthaus), Macke, Aquarell-Ausstellung, Kat. Nr. 399 mit Abb. S. 49; Münster/Bonn/München 1986/87 (Westfälisches Landesmuseum/Städtisches Kunstmuseum Bonn/Städtische Galerie im Lenbachhaus), August Macke, Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Kat. Nr. 175 mit Farbabb. S. 315; Emden/Ulm/Bonn 1992/93 (Kunsthalle in Emden/Ulmer Museum/Kunstmuseum Bonn), August Macke. Gesang von der Schönheit der Dinge. Aquarelle und Zeichnungen, Kat. Nr. 102 mit Farbabb. S. 162; Bonn/Bern 2001/2002 (Kunstmuseum Bonn/Kunstmuseum Bern), Die Ordnung der Farbe. Paul Klee, August Macke und ihre Malerfreunde, Kat. Nr. 121 mit Abb. S. 116; Berlin/Tübingen 2003 (Brücke-Museum Berlin/Kunsthalle Tübingen), August Macke und die Rheinischen Expressionisten, Werke aus dem Kunstmuseum Bonn und anderen Sammlungen, Nr. 31 mit Farbabb. S. 94; Dauerleihgabe aus Privatbesitz im Kunstmuseum Bonn

Literature

Horizont, Doppelheft 7/8, 1959 mit Farbabb. auf dem Titel; Uta Laxner, Stilanalytische Untersuchungen zu den Aquarellen der Tunisreise 1914: Macke, Klee, Moilliet, Bonn 1967, S. 85; Janice Mary McCullagh, August Macke and the Vision of Paradise: An Iconographic Analysis, Austin (Texas) 1980, S. 43; Ausst. Kat. August Macke, Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Münster/Bonn/München 1986/1987, S. 36 Abb. 43, S. 122, Abb. 18, S. 123; August Macke und die Rheinischen Expressionisten im Kunstmuseum Bonn, Die Sammlung, Bonn 1991, S. 192; vgl. Ursula Heiderich, August Macke Zeichnungen, Werkverzeichnis, Stuttgart 1993, Kat.Nr. 2102 mit Abb. S. 86, Text S. 61

Aus der bei Heiderich 1993 veröffentlichten Kreidezeichnung "Studie zu 'Gelbes Segel'" (vgl. op.cit. Kat. Nr. 2102) entwickelte Macke die beiden Aquarelle "Spaziergänger mit Stadt" (ehemals Slg. Lothar Erdmann, Geschenk des Künstlers 1914; Slg. Buller, Duisburg, vgl. Heiderich 388; Vriesen 300) sowie das vorliegende Aquarell "Gelbes Segel", ursprünglich in der Sammlung Walter Gerhardts, Bonn. "Die Verflechtungen des zeichnerischen mit dem malerischen Oeuvre gestalten sich während der Hilterfinger Zeit besonders eng und vielfältig." (Heiderich, op. cit. S. 61). Motivliche Verwandtschaft in der Kombination von Spaziergängern und Ausblick auf das Wasser mit Booten besteht darüber hinaus mit der Zeichnung "Ausblick auf den Fluß" aus der Kunsthalle in Emden, die ihre Entsprechung u.a. in dem Aquarell "Zwei Figuren am Fluß" findet, das einmal Franz Marc gehörte (vgl. Heiderich 390;Vriesen 382a).

In dem vorliegenden kleinen, fließend aquarellierten Meisterwerk gehen Motiv und Farbe in eins, reine Farben gruppieren sich im Rhythmus des Spektrums bzw. des Farbenkreises um das zentrale Motiv des hellen, aufgezogenen Segels, das als quasi abstrakt-geometrische Form das Licht im gelblich getönten Weiß strahlend bündelt.

"Im September 1913 reiste Macke nach Berlin, um den 'Herbstsalon' zusammen mit Marc und Walden zu hängen. Der Plan eines sechsmonatigen Aufenthalts am Thuner See war bereits während der Vorbereitung der Ausstellung gereift. Unmittelbar nach der Eröffnung siedelte Macke mit seiiner Famlie nach Hilterfingen über.

Wie Elisabeth Erdmann-Macke berichtet, nahm er 'nur wenige Sachen von früher' mit und kaufte sogar das Malmaterial neu. In Hilterfingen zog Macke das Resümee seines bisherigen Schaffens und gelangte so zu einem neuen Aufbruch. Die äußeren Lebensumstände waren glücklich. [...] Der Herbst dieses Jahres war selbst für die klimatisch so begünstigte Region besonders mild und sonnig. [...] Und glückliche Zeiten im Leben bedeuteten für Macke immer auch produktive Schaffensphasen. Aus der Haltung von Protest oder Anklage gewann er keinen schöpferischen Antrieb. Seine Aussage ist nicht, daß die Welt so nicht sein sollte, sondern er sah es als Lebenszweck und Aufgabe des Künstlers an, 'die Welt anzustaunen mit all ihren Schönheiten'. Diese große, ungebrochene Lebensliebe strahlt aus den Kunstwerken zurück, sie blieb während der kurzen Lebenszeit des Künstlers unbeschädigt, und sie bleibt lebendig, solange diese Kunstwerke existieren." (U. Heiderich, Synthese und Aufschwung: der Aufenthalt in Hilterfingen, in: August Macke, Aquarelle, Werkverzeichnis, Stuttgart 1997, S. 35).

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