Emil Nolde - Buddha und Blume

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Emil Nolde

Buddha und Blume
1915

Öl auf Leinwand 54,4 x 42,4 cm signiert

Das Gemälde ist in den von Emil Nolde selbst geführten Handlisten zweifach verzeichnet: in dem Verzeichnis, das er vom Dezember 1910 bis 1915 führte unter Nr. 571, in dem späteren von 1930 ff. mit dem Eintrag "1915 Buddha und Blume".
Hatte Nolde sich im Winter 1911/1912 schon intensiv im Völkerkundemuseum Berlin zeichnend mit außereuropäischen Ethnographica auseinandergesetzt, die in Stilleben Eingang fanden, so entstehen nach der Expedition nach Asien und in die Südsee (Oktober 1913 - Mai 1914) in den Jahren 1915 - 1918 neben Landschaften und Figurenbildern auch eine Reihe bedeutender Stilleben, die die Eindrücke und Erlebnisse künstlerisch verarbeiten. Wie auch im vorliegenden Fall werden Objekte, Figuren und Masken, die Nolde sammelnd von der Reise mitgebracht hatte, integriert und zum Bildgegenstand der Gemälde. Sie haben sich zum Teil bis heute in Seebüll erhalten (zur vergoldeten Holzfigur des "Buddha" vgl. Martin Urban, Emil Nolde, Werkverzeichnis der Gemälde, Bd. 2, München 1990, Abb. S. 47).
Kombiniert Nolde gerne mehrere Teile, oftmals bereichert um eigene Gestaltungen in Holz und Keramik oder textile Entwurfsarbeiten, so ist das vorliegende Stilleben durch Reduktion der Bildgegenstände und durch inhaltliche Verdichtung ausgezeichnet, in dem die streng frontal ausgerichtete Komposition sich auf Blume und Figur beschränkt. Exotische Orchideenblüte und Buddha sind freiräumlich isoliert in Beziehung gesetzt, sie tauchen aus dem Farbgrund unvermittelt auf. Die unbestimmte räumliche Tiefe, der Effekt des Schwebens sowie die eigentümlichen Farbwirkungen steigern den Ausdruck von sakraler Entrückung und Mystik.
"Man hätte erwarten können, daß die starken Eindrücke des Fremden das groteske Element in der Kunst Noldes steigern würden. Das Gegenteil ist eingetreten. Wenn die neuen Erlebnisse von Welt und Menschen auf seine streng geschlossene, aus dem Gesetz des eigenen Wesens fließende Form überhaupt einen Einfluß geübt haben, so ist es der der Beruhigung und Vertiefung seiner eigenen künstlerischen Menschlichkeit in sich selbst.
In den Werken der letzten fünf, sechs Jahre ist eine Ausgeglichenheit, ein tiefes und volles Pathos - aber es ist ein Pathos der inneren Fülle, nicht irgend eines äußeren, nach außen drängenden Überschwanges. [...] Alle die alten Themen - man darf das musikalische Gleichnis wählen -, die jetzt noch angeschlagen werden, sind nun in machtvolleren Tiefenlagen, in vollerer Klangfarbe, in reicherer Besetzung aller Instrumente durchgeführt." (Max Sauerlandt, Emil Nolde, München 1921, S. 67)
Nolde wandelt die Darstellung der Buddhafigur ins Wesenhafte, so daß der Ton eines Rilke-Gedichts eine bildkünstlerische Entsprechung zu finden scheint:
Schon von ferne fühlt der fremde scheue
Pilger, wie es golden von ihm träuft;
so als hätten Reiche voller Reue
ihre Heimlichkeiten aufgehäuft.

Aber näher kommend wird er irre
vor der Hoheit dieser Augenbraun:
denn das sind nicht ihre Trinkgeschirre
und die Ohrgehänge ihrer Fraun.

Wüßte einer denn zu sagen, welche
Dinge eingeschmolzen wurden, um
dieses Bild auf diesem Blumenkelche

aufzurichten: stummer, ruhiggelber
als ein goldenes und rundherum
auch den Raum berührend wie sich selber.

(R.M. Rilke, Buddha, Neue Gedichte 1907/1908)

List of works

657 Urban

Provenance

Albert Baer, Berlin-Halensee (vor 1928); Stuttgarter Kunstkabinett Roman Norbert Ketterer, Stuttgart 1960; Sammlung Hans L. Merkle, Stuttgart

Exhibitions

Berlin 1928 (Nationalgalerie), Aus Berliner Privatbesitz, Nr. 145 ("Buddha und Blumen"); Stuttgart 1960 (Stuttgarter Kunstkabinett Roman Norbert Ketterer), Auktion 35, Los 435 mit Farbabb. Tafel 68 ("Siamesischer Buddha mit Orchideen")

Lot 830 Dα

Estimate:
130.000 €