Auction 847, , 26.11.2003, 00:00, Cologne Lot 720

Auguste Herbin, Une Place à Bastia

Auguste Herbin, Une Place à Bastia, 1907, Auktion 847 Moderne u. Zeitgenössische Kunst, Lot 720

Öl auf Leinwand 73 x 60,2 cm, gerahmt. Unten links in dunklem Grün signiert Herbin. - Rückseitig auf dem Keilrahmen oben rechts mit Bleistift bezeichnet "Un coin de la Place du Marché à Bastia" sowie unten mit einem alten Papieraufkleber von "Matthiesen Ltd. London" mit dem maschinenschriftlichen Eintrag "HERBIN/Un coin de la Place du Marché/Bastia, La Corse".

Claisse 119

Provenance

Sammlung P. Cassirer-Helbing, Berlin; Matthiesen Ltd., London; Privatsammlung Nordrhein-Westfalen

Literature

Geneviève Claisse, Herbin, Catalogue Raisonné de L'Oeuvre Peint, Paris 1993, S. 34

Den Frühling des Jahres 1907 verbringt Herbin auf Einladung seines Freundes und Sammlers Wilhelm Uhde auf Korsika, hier entstehen wenige, sehr schöne und qualitätsmäßig hervorragende Bilder, die zu den Höhepunkten des Werkes zählen. In starken und strahlend hellen Farben einer ausgesprochen fauvistischen Palette sind die berühmt gewordenen Hafen- und Straßenansichten von Bastia und die Landschaften der Umgebung wiedergegeben.

"Le fauvisme joue un rôle décisif dans l'oeuvre d'Auguste Herbin. Il suscite des ouvrages d'une portée capitale. Ces ouvrages prendront place dans les rétrospectives de la peinture moderne à côté des toiles fauves de Derain, de Maurice de Vlaminck et de Henri Matisse. [...] Sa "Suite corse" (1907) comprend des paysages où la volonté de construction plastique coincide avec une quête fervente de couleurs qui explosent et irradient l'atmosphère aérienne. [...] L'altière beauté des paysages d'Herbin ne réside cependant ni dans leur contexture, ni même dans le parti de témoin objectif adopté par le peintre, ce géomètre sensible. Elle est liée à une conjugaison de formes et de couleurs d'une harmonie savante et raffinée. Cette beauté mathématique transmet des sensations de vie." (Waldemar George, Zitat aus G. Claisse, op. cit. S. 214/215)

Fängt das Auge zunächst die dominanten Farbkontraste Rot-Grün und Blau-Orange auf, so gibt es bei näherer Betrachtung eine Vielzahl von anderen Zwischentönen, die satt und pastos mit dem Pinsel breit aufgetragen, das Gegenständliche direkt und einfach beschreiben. Zug um Zug wird die Fläche rhythmisch gefüllt, ohne vermittelnde Vermalung. Diese Art der konsequenten plastischen Pinselmodellierung des Motivs durch den Strich wird kombiniert mit einer geometrisierten Vereinfachung der Einzelform. Man erkennt abstrakte Bildelemente wie Rechteck, Dreieck, gestaffelte Kreisformen, die die Komposition verdichten und die mit der ondulierenden, freien Schönlinigkeit eines Matisse oder Dufy nicht zu vergleichen sind. Aber gerade zu Dufy gibt es motivische Parallelen, wenn man sich die normannischen Küsten- und Strandbilder von 1906/1907 vergegenwärtigt, in denen eine lockere Faktur farblich und atmosphärisch durch Fahnen und wehende Wimpel eine Steigerung erfährt. Dieses so beliebte Bildelement greift Herbin hier auf, es akzentuiert wie ein Fanal den bildnerischen wie zeittypischen Kontext.

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