Auction 859, , 05.06.2004, 00:00, Cologne Lot 836

August Macke, Tulpenstrauß in blau-weißer Vase

August Macke, Tulpenstrauß in blau-weißer Vase, 1912, Auktion 859 Moderne Kunst, Lot 836

Pastell auf Velin 29 x 22,9 cm, unter Glas gerahmt. - Rückseitig auf dem Rahmenkarton handschriftlich von Elisabeth Erdmann Macke bestätigt und mit dem Exlibris von Dr. Rech nebst einer Notiz zur Provenienz versehen. - Mit zwei unauffälligen kleinen Farbausbrüchen.

Heiderich 1508

Provenance

Sammlung Dr. Rech, Bonn, einem Freund von August Macke; seitdem in Familienbesitz

Eine ähnlich aufgebaute, etwas größere Komposition mit einem kugelig gesteckten bunten Strauß in einer gemusterten Vase, mit Papieren arrangiert auf einer kleinen Tischfläche, entsteht ebenfalls 1912 (vgl. Heiderich 1175). Bei dem hier angebotenen Stilleben ist der Strauß gegenüber der anderen detailreicher und konventioneller ausgeführten Szene größer gegeben und die Darstellung so auf das Wesentliche, die bunte Blumenfülle, das schöne Vasendekor und die beiliegenden Papiere, konzentriert. Diese Blätter mögen Zeichnungen von eigener Hand thematisieren und verweisen so auf die häusliche Atmosphäre der Familie Macke. Da nicht anzunehmen ist, daß es sich um ein fiktives, der Jahreszeit nicht entsprechendes Blumenarrangement handelt, sondern um Tulpen und Narzissen aus dem heimischen Garten, dürfte das Pastell im Frühjahr entstanden sein. Interessanterweise ist auch das im Frühjahr 1912 in Holland und anschließend in Bonn benutzte Skizzenbuch gefüllt mit Zeichnungen nach verschiedenen Vasen mit den unterschiedlichsten Dekoren (vgl. Ursula Heiderich, August Macke, Die Skizzenbücher, Bd. II, Skizzenbuch Nr. 42, S. 860 ff.). Und auch das Aquarellwerk zeigt zahllose Studien unterschiedlicher Dekore und verschieden gemusterter Gefäße (vgl. Ursula Heiderich, August Macke - Aquarelle, Stuttgart 1997, Nrn. 228 ff.). Mackes Hollandreise legt nahe, für die weißgrundige, mit blauem Rank- und Blumendekor versehene Vase im vorliegenden Pastell eine Delfter Fayence anzunehmen.

Auffallend ist die gleiche Gewichtung, die dem floralen Dekor der Vase und den sich darin befindlichen, innerhalb der Bildrealität 'tatsächlichen' Blumen zukommt. Ursula Heiderich thematisiert Mackes Problem, in dieser Zeit einen Ausgleich zwischen Bildform und dem abzubildenden Gegenstand zu finden:

"[1912] werden das vertraute, heimische Umfeld, der Blick aus dem Fenster und der Garten im Bild thematisiert. Ein Ausschnitt aus dem Garten, Geranien und Levkojen darstellend, weist einen Hang zur strukturellen Betonung gleichartiger Formen auf. Es handelt sich um das Problem der Abstraktion, das den Gemälden dieses Jahres 1912 gelegentlich einen leicht dekorativen Zug verleiht. Im Bemühen um Ausgleich zwischen Gegenstands- und Bildform spielt das Ornament eine große Rolle. Es entstehen teppichhafte Blumenbilder [...]." (in: Ausst. Kat. Durchfreuen der Natur - Blumen, Gärten, Landschaften, August Macke und die Expressionisten in Westfalen, Paderborn 1994, S. 11).

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