Auction 867, , 04.12.2004, 00:00, Cologne Lot 1045

Auguste Herbin, Les Quais du Port de Bastia

Auguste Herbin, Les Quais du Port de Bastia, 1907, Auktion 867 Moderne Kunst, Lot 1045

Öl auf Leinwand 73 x 60 cm, gerahmt. Unten rechts in Schwarz signiert Herbin.

Claisse 114 mit ganzseitiger Farbabb. S. 35

Provenance

Privatsammlung Frankreich

Exhibitions

Paris 1989 (Gaerie Resche), Herbin 1903/1909, Kat. mit Farbabb. S. 13; Céret/Le Cateau-Cambrésis 1994 (Musée d'Art Moderne/ Musée Matisse), Auguste Herbin, Ausst.- Kat. S. 36 mit ganzseitiger Farbabb.

Literature

Richard W. Gassen/Lida von Mengden, Auguste Herbin. Der Pionier der geometrischen Abstraktion in Frankreich, Aust. Kat. Ludwigshafen 1997 (Wilhelm-Hack-Museum), S. 53 mit ganzseitiger Farbabb.

Als einem der schönsten fauvistischen Werke Herbins aus der Reihe der auf Korsika entstandenen Hafenansichten von Bastia, reiht sich das vorliegende Gemälde doch ganz ein in die persönliche Genese des Lebenswerkes, das in die strenge, geometrische Abstraktion einmündete. Gerade in dieser frühen Werkphase entwickelt Herbin über die Entdeckung der "Farbe" hinaus auch eine spezifische Konstruktion und Strukturierung des Motives durch die Materialität der Farbe und die Art ihres Farbauftrages, so daß schon hier die Charakterisierung seiner Kunst als "unerhört lebendig, farbengesättigt und dennoch formstreng" (Horst Richter) zutrifft.

"Herbin gilt als Geometriker. Mit Recht, denn im rein malerischen Bereich des Konstruktivismus hat er seine entscheidenden Leistungen vollbracht. Der Umgang mit Kreisen und Rechtecken, mit Dreiecken und geometrischen Segmenten hat ihn jedoch weder in die Richtung der Russen mit ihren unterkühlten, wenngleich visionären mathematisch-technologischen Konzepten gelangen lassen noch zum puristischen Harmonieprinzip des holländischen Stils. Herbin begriff die abstrakte Malerei mithin nicht als eine 'Umsteigestation zur Architektur' (wie Lissitzky), und er wollte sein koloristisches Programm auch keineswegs auf die Verwendung der drei Grundfarben reduziert wissen (wie Mondrian). Herbin hielt es vielmehr mit der schlichten Überschaubarkeit der Formen und einer stupenden Sinnenhaftigkeit der Farben, weshalb man ihn schließlich einen 'naiven Konstruktivisten' genannt hat. [...] Herbins Bilder leben von einem eigentümlichen Wohlklang, der vor allem aus der Farbe entsteht, die eine mediterrane Komponente hat. Die Form, so empfindet man, fügt sich in diesen ästhetischen Zusammenhang und steigert dessen Wirkung durch ein nachgerade vollkommenes Ausgewogensein. Das gilt für die späten, mehr dem Statischen zuneigenden Werke ebenso wie für die freien, dynamischen Geometrien der Zeit um 1940. Und das zeigt sich schon in den ersten Schaffensabschnitten, deren Zeugnisse wie alle anderen Bilder Herbins Metaphern für das exemplarische Diesseitsverständnis dieses Künstlers sind." (Horst Richter, Vorwort zu: Ausst. Kat. "abstraction-création", Herbin, Galerie Bargera, Köln 1974)

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