Gabriele Münter - Iris und Hyazinthe

Gabriele Münter - Iris und Hyazinthe - image-1
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Gabriele Münter

Iris und Hyazinthe
Um 1910-1913

Öl auf dünner Holzplatte 41 x 27 cm - - Die Holzplatte uneben verworfen

Neben der Landschaftsdarstellung ist das Werk Münters seit den Jahren 1908/1909 charakteristisch geprägt durch ihre spezifischen Stilleben und Interieurs, die unverkennbar in Komposition und Arrangement ihre eigene Handschrift tragen. Die vorliegende Komposition weist in ihrer freien Pinselstruktur und in der bewegten Binnengestaltung unter Vernachlässigung räumlicher Komponenten auf vergleichbare Arbeiten insbesondere der Jahre um 1911-1912, die sich durch starke Reduktion des Gegenständlichen und formale Experimente auszeichnen, stärkere Tendenzen zur Abstraktion werden augenfällig. Die Farben sind hier, zum Teil durch die üblichen dunklen Konturen akzentuiert, auffällig hell und komplementär, mit kräftigem Gelb und Orange, neben blauen und violetten Tönen in der Iris und mit Weiß vermalten rötlichen Farbwerten in der Hyazinthen-artigen Blüte. Leuchtendes Gelb und glutvolle rötliche Farben dienten in Münters früheren dunklen Arrangements oftmals der Entrückung und Mystifizierung des Gegenständlichen, der Figuren und Heiligenbilder, hier jedoch scheinen die Farben wie in einer bewußten künstlerischen Übung spontaner um ihrer selbst willen gesetzt.
"Die Farbe, das augenfälligste optische Merkmal eines Gegenstandes, ging [...] ihrer Nuancierung und Feinheit verlustig [...] und wurde in groben einfachen Flächen, unmoduliert und präzise abgegrenzt, präsentiert. Die Farbe - Rot, Blau, Grün, Gelb - wurde nicht physikalisch, mit einer Vielzahl von Variationen, sondern, wie sich Kandinsky ausdrückte, 'geistig gesehen'. Der Idee der Farbe, die - nach Kandinsky - im Wort ausgedrückt ist, wurde im Bild materielle Form verliehen. Ebenso diente die Linie dazu, die Formen der Natur zu vereinfachen und zu abstrahieren, sie in 'geistige Wesen' umzuwandeln; sie fungierte nunmehr als '... rein abstrakte Abgrenzung eines Raums, einer Fläche'. Zu eben diesem Konzentrat der optischen Wirklichkeit versuchte Gabriele Münter durch ihre Zeichnungen zu gelangen; im Verlauf der Arbeit wurden sie immer stärker von einem konzeptuellen Modell bestimmt, von einem Bild, das sich vor ihrem geistigen Auge formte - und nicht von jenem, das sie mit ihrem wirklichen Auge wahrgenommen hatte. Ihre Gemälde nahmen folglich den Charakter von materialisierten geistigen Bildern an. Sie sind Projektionen ihrer Erinnerungen in Ölfarbe, in denen ihre innere Welt nach außen verlagert wird: 'das Geben eines Extraktes'." (Reinhold Heller, Innenräume: Erlebnis, Erinnerung und Synthese in der Kunst Gabriele Münters, in: Ausst. Kat. Gabriele Münter, Lenbachhaus, München 1992, S. 54).

Certificate

Mit einer Expertise von Dr. Alfred Gunzenhauser, München, vom 8. Oktober 2004

Provenance

ehemals Sammlung Germain Henry/Robert Thomas, Paris, aus einem Bilderkonvolut des Sammlungsnachlasses; Privatbesitz Frankreich

Lot 1208 Dα

Estimate:
75.000 € - 80.000 €

Result:
83.300 €