Paul Klee - Debut am Cabarett

Paul Klee

Debut am Cabarett
1937

Farbige Tintenstifte auf Baumwolle, auf Karton aufgezogen signiert

Die Titelgebung bei Klee ist ein "nachträgliches Wortgleichnis und dichterische Schlußmetapher" (Werner Haftmann). Als dem Reich der Sprache angehörig ist sie eine andersgeartete und bewußte Wort-Schöpfung des Künstlers und wird dem Bild als eigenes "Sprach-Gebilde" handschriftlich hinzugefügt. Wie so oft treibt Klee auch hier bei "Debut am Cabarett" ein reizendes, lockeres Spiel mit seinem Bildgegenstand und setzt den Dialog mit dem Betrachter und seinen Assoziationen in Gang. Präsentiert sich hier nicht ein blutjunges Geschöpf mit schmaler Taille und großem Ohrgehänge im rötlichen Schein, wobei die kugeligen, eher etwas ängstlichen wie naiv-staunenden Augen so rund sind wie die Schmuckstücke und der angedeutete grelle Lichtkegel, und sind die Hände an den Hüften nicht noch etwas schief und ungelenk: vielleicht ein erstes "Casting" (um es auf den heutigen Begriff zu bringen)?
"Wenn Jean Paul davon spricht, daß man von Komma zu Komma wieder denken muß, so läßt sich in abgewandelter Form von Klee sagen, daß man zwischen Bild und Titel wieder denken muß. Man erblickt seine deformierten 'Figuren', 'Gestalten' und 'Situationen', ihre aus dem Bildnerischen sich ergebende 'Haltung', ihren aus den formalen Details zustandekommenden 'Ausdruck'. Dann liest man die ihnen zugeschriebenen Äußerungen oder die Randbemerkungen, die ihnen vom Künstler mit auf den Weg gegeben wurden, und plötzlich wird einem die Spanne des Widerspruches bewußt, in der sich der Humor entfaltet." (Christina Kröll, 1968, op. cit., S. 73)

List of works

7112 WVZ

Provenance

Kornfeld & Cie, Bern, 1976; seitdem Privatbesitz Schweiz

Literature

Christina Kröll, Die Bildtitel Paul Klees. Eine Studie zur Beziehung von Bild und Sprache in der Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts, (Diss.) Bonn 1968, S. 31

Lot 761 R

Estimate:
60.000 € - 70.000 €