Auction 891, , 02.06.2006, 00:00, Cologne Lot 928

Pierre-Auguste Renoir, Bouquet estival

Pierre-Auguste Renoir, Bouquet estival, 1858 - 1860, Auktion 891 Moderne Kunst, Lot 928

Öl auf Leinwand, alt doubliert, 81,1 x 65,2 cm, gerahmt. Unten links schwarzbraun signiert A. Renoir. - Die Kanten der Leinwand in französischer Art mit alter Papierumklebung geschützt. Vereinzelte minimale Oberflächenkratzer im linken unteren Bildbereich fachmännisch restauriert.

Mit einer Fotoexpertise von Guy-Patrice und Michel Dauberville, Galerie Bernheim-Jeune, Paris, vom 8. April 2005 (No. 206-0408 R), das Gemälde wird in den in Vorbereitung befindlichen Werkkatalog von Bernheim-Jeune zu Auguste Renoir aufgenommen; mit einem maltechnischen Gutachten des Labor Jägers, Bornheim, vom 7. März 2006

Provenance

Über Emil Waldmann, dem damaligen Direktor der Kunsthallte Bremen, 1915 erworben; ehemals Sammlung Schütte, Bremen; seitdem in Privatbesitz

Exhibitions

Bremen 1914 (Kunsthalle Bremen), Internationale Ausstellung 1. Februar - 31. März, Kat. Nr. 286 mit Abb. im Bildanhang ("Blumenstrauß")

Die Kunsthalle Bremen mit ihrem Direktor Gustav Pauli war eine der ersten musealen Institutionen, die sich aktiv für die französische Moderne einsetzte. Bremen reiht sich damit früh ein in die bedeutende wie relativ übersichtliche Anzahl der Förderer und Vertreter einer zeitgenössischen, modernen Kunst im wilhelminischen Deutschland. Konstituiert als Kunstverein und gestützt auf das lokale private Engagement der Bürgerinnen und Bürger, war die Kunsthalle Bremen in ihren Initiativen vorbildlich. Ähnlich wie im kaiserlichen Berlin, wo Hugo von Tschudi an der Nationalgalerie allerdings immer um offizielle und diplomatische Schadensbegrenzungen bemüht sein mußte, entstand im Kampf um eine neue Gesinnung und um fortschrittlich moderne Konzepte ein beziehungsreiches Geflecht zwischen der öffentlichen Institution und den privaten Sammlungen. Emil Waldmann, 1914 Gustav Pauli im Amt folgend, war bestrebt, dieses Werk fortzusetzen. Auch bei dem vorliegenden Gemälde, einem äußerst seltenen Frühwerk von Auguste Renoir, vermittelte er zu einer wohlbekannten Bremer Familie, die sich mehrfach um die Kunsthalle verdient gemacht hatte und die für ihre Sammlungen mit französischer, insbesondere auch impressionistischer Kunst bekannt geworden war (vgl. zu Bremen insbesondere den Aufsatz von Dorothee Hansen, "...Die solide Modernität", Bremer Sammler nach der Jahrhundertwende: Heymel, Biermann, Wolde, in: A. Pophanken/F. Billeter, Die Moderne und Ihre Sammler, Französische Kunst in deutschem Privatbesitz vom Kaiserreich zur Weimarer Republik, Berlin 2001, S. 199).

Das Museum hatte vom 1. Februar bis 31. März 1914 eine "Internationale Ausstellung" veranstaltet, teils mit Leihgaben aus Privatbesitz, teils als Verkaufsausstellung mit ausgewiesenen Preisen konzipiert. Renoirs im Kataloganhang reproduzierter "Blumenstrauß" sollte "M. 15 000" kosten; es war eines von insgesamt 8 Gemälden des Künstlers, darunter Stilleben, Landschaften und "Am Piano", das mit "M. 60 000" am teuersten angeboten war (eine Variante des berühmten Motivs von 1892 im Musée d'Orsay). Der Katalog weist viele wichtige Künstler und Gemälde auf, u.a. von Bonnard, Braque, Cézanne, Corot, Daubigny, Delacroix, Derain, Gauguin, Van Gogh, Herbin, Monet, Picasso, Pissarro, Sisley, Toulouse-Lautrec, Vlaminck, Vuillard, um die wichtigsten Franzosen zu nennen. Von Monets venezianischen Motiven war frisch aus Paris aus der jüngsten Präsentation bei der Galerie Bernheim-Jeune ein "Dogenpalast in Venedig" ("M. 40 000") da. Aber auch deutsche Kunst war reichlich verteten, u.a. Hodler, Corinth und Liebermann. Max Beckmann zeigte nicht nur seine monumentale Figurenkomposition "Ausgießung des heiligen Geistes" sondern auch "Untergang der Titanic", ein Frühwerk des Meisters, das mit "M. 15 000" ebenso hoch bzw. niedrig angesetzt war wie unser vorliegendes, vor dunklem Grund farbsprühendes Bouquet von Auguste Renoir.

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