Max Liebermann - Der Nutzgarten nach Nordosten - Blumenstauden

Max Liebermann

Der Nutzgarten nach Nordosten - Blumenstauden
1916

Öl auf Holz 40 x 50 cm signiert

Im Jahre 1909 unterzeichnete Liebermann den Kaufvertrag für ein langgestrecktes, circa
7200 m² großes Doppelgrundstück am Wannsee. Hier entstand durch den Architekten Paul Baumgarten (1873-1953) Liebermanns Sommersitz, der bereits im folgenden Jahr bezugsfertig war. Mit der Anlage des Gartens war der Leiter des städtischen Berliner Gartenbauamtes Albert Brodersen (1847-1935) beauftragt worden. Er sah für das Grundstück einen Stauden- und Nutzgarten sowie einen weiträumigen Landschaftsgarten vor. Auf Anregung von Liebermanns Freund Alfred Lichtwark, der damals nicht nur Direktor der Hamburger Kunsthalle, sondern auch ein maßgeblicher Reformer der Gartenkunst war, sollte der Landschaftsgarten unter anderem durch einen Rosengarten, einen Teepavillon sowie die berühmte Blumenterasse ergänzt werden.
Der dargestellte Nutzgarten befindet sich im schmalen westlichen Teil des Grundstücks. Wie auf dem Gemälde zu sehen ist, ist er von hoch aufschießenden, lebendig leuchtenden Blütenstauden flankiert, welche die dahinter liegenden Gemüsebeete verdecken. Das Bild zeigt das für den Künstler typische Spiel mit Licht- und Schattenzonen. Die Malweise ist dem jeweiligen Gegenstand angepasst: Die Eingangsfront des Landhauses und der Kiesweg sind eher flächig behandelt, während die Pflanzen und Blüten in verschwenderischer Fülle beinah abstrakt, in kurzen Strichen und mit Glanzlichtern gemalt oder getupft wiedergegeben sind.
Während des ersten Weltkrieges und der miserablen Lebensmittelversorgung war der Nutzgarten der Familie Liebermann ein wahrer Segen. Von 1910 bis zu seinem Tod im Jahre 1935 hat sich Liebermann intensiv mit dem Sujet des Wannseegartens auseinandergesetzt. Die Gartenbilder zählen zu den bedeutendsten Zeugnissen der Landschaftsmalerei des deutschen Impressionismus. Sie waren bereits zu Lebzeiten Liebermanns hoch begehrt. Erste Provenienz des Bildes ist Paul Cassirer, der 1898 zusammen mit seinem Vetter Bruno in Berlin einen von Henry van de Velde eingerichteten Kunstsalon eröffnet hatte. Auf ihrer ersten Ausstellung präsentierten sie Werke von Cézanne, Meunier und Liebermann. Bruno und Paul Cassirer waren zudem Geschäftsführer der "Berliner Secession", dessen Vorsitzender Max Liebermann bis 1911 gewesen ist.

List of works

1916/17 Eberle

Provenance

Paul Cassirer, Berlin (lt. Eberle möglicherweise identisch mit dem Gemälde PC [d.i. Paul Cassirer] Nr. 14709 "Frühling in Wannsee"); Sammlung Henry P. Newman, Hamburg (seit 1916); Carl Henry Newman, Hamburg; Privatbesitz München; Rheinische Privatsammlung

Literature

Anna Teut, Max Liebermann. Gartenparadies am Wannsee, München 1997, Nr. 11 mit Farbabb. (irrtümlich mit falschen Angaben zu Bildträger und Maß)

Lot 230 D

Estimate:
200.000 € - 250.000 €

Result:
571.200 €