Auction 905, Auction 900e Modern Art, 02.06.2007, 00:00, Cologne Lot 715

August Macke, Schlucht

August Macke, Schlucht, 1914, Auktion 905 - 900. Auktionen - Moderne Kunst, Lot 715

Aquarell über leichter Bleistiftvorzeichnung auf einfachem Aquarellpapier 20,7 x 26,6 cm, auf Karton aufgezogen und unter Glas gerahmt. Mit dem Stempel "Nachlass AUGUST MACKE" (Lugt 1775 b) und der handschriftlich mit Tinte hinzugefügten Nummer des Nachlasses "No. 20" sowie der Bezeichnung "Aquarell aus Tunis 1914 Schlucht". - In den oberen Ecken leicht stockfleckig; im äußersten Rand (ca. 4 mm) mit Leimspuren von einer ehemaligen Montierung.

Heiderich 506; Vriesen A 473

Exhibitions

Frankfurt/ Wiesbaden 1920 (Kunstverein Frankfurt/ Neues Museum Wiesbaden, Nassauischer Kunstverein, Wiesbadener Gesellschaft für bildende Kunst), Gedächtnis-Ausstellung August Macke, Kat. Nr. 10; Dortmund 1949 (Museum am Ostwall), August Macke, Gedächtnisausstellung, Kat. Nr. 92; Meschede 1951 (Landratsamt), August Macke, Gedächtnis-Ausstellung, Kat. Nr. 81; Den Haag 1953/1954 (Gemeentemuseum), August Macke, Kat. Nr. 111; Amsterdam 1954 (Stedelijk Museum), August Macke, Kat. Nr. 65; Zürich 1954 (Kunsthaus Zürich), August Macke 1887 - 1914, Kat. Nr. 104; Braunschweig 1954 (Kunstverein), August Macke, Kat. Nr. 164; Bonn 1955 (Städt. Kunstsammlungen Bonn), August Macke, Kat. Nr. 20; Kassel 1955 (Museum Fridericianum), "documenta (1)", Kat. Nr. 351; Münster 1957 (Westfälischer Kunstverein, Westfälische Wilhelms-Universität, Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte), August Macke - Gedenkausstellung zum 70. Geburtstag, Kat. Nr. 126; Bielefeld 1957 (Städt. Kunsthaus), Macke, Aquarell-Ausstellung, Kat. Nr. 473 mit Abb. S. 58; Reutlingen 1958 (Spendhaus), August Macke, Kat. Nr. 112; Florenz 1964 (Palazzo Strozzi), L'Espressionismo: pittura, scultura, architettura, Kat. Nr. 374; Bremen 1964/1965 (Kunsthalle), August Macke, Handzeichnungen und Aquarelle, Kat. Nr. 323; Münster/ Bonn/ Krefeld 1976/1977 (Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte/ Städt. Kunstmuseum/ Kaiser Wilhelm-Museum), August Macke 1887 - 1914, Aquarelle und Zeichnungen, Kat. Nr. 265; Münster/ Bonn 1982/1983 (Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte/ Städt. Kunstmuseum), Die Tunisreise, Klee, Macke, Moilliet, Kat. Nr. 71 mit Farbabb. auf S. 222; Münster 1997/1998 (Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte), August Macke, Aquarelle mit Farbabb. S. 171; Madrid 1998 (Fundación Colección Thyssen-Bornemisza), August Macke, S. 250 mit Farbabb.

Literature

Magdalena M. Moeller, August Macke, Die Tunisreise, München 1989, mit Farbabb. 71

Als August Macke mit den Schweizer Malerfreunden Paul Klee und Louis Moilliet Anfang April 1914 über Marseille und das Mittelmeer nach Tunis reiste, konnte keiner von ihnen ahnen, wie folgenreich für die Entwicklung eines jeden von ihnen - und letztlich damit für die Kunstgeschichte - diese Reise werden sollte. Während Louis Moilliet wußte, was ihn in Nordarfrika erwartete, waren die beiden anderen derart überwältigt von der Klarheit und Strahlkraft des südländischen Lichts, daß Paul Klee vor der Zeit schon zurückfuhr: "Ich lasse jetzt die Arbeit. Es dringt so tief und mild in mich hinein, ich fühle das und werde so sicher, ohne Fleiß. Die Farbe hat mich. Ich brauche nicht nach ihr zu haschen. Sie hat mich für immer, ich weiß das. Das ist der glücklichen Stunde Sinn - ich und die Farbe sind eins. Ich bin Maler." (Tagebuch 1914, zit. nach: Will Grohmann. Paul Klee. Stuttgart1965, S. 54).

Wo Paul Klee den Durchbruch zu sich selbst schaffte, da vollendete sich für August Macke sein Aquarell-Werk. Es war eine glückliche Entscheidung, den Aquarell-Kasten als hauptsächlichstes Arbeitsmaterial auf diese Reise mitzunehmen: Denn er ermöglichte neben einer leichteren Handhabung ein schnelles Arbeiten, das bei den hohen Temperaturen notwendig war und unter Einbeziehung des weißen Papiertones zu lichten und strahlenden Farbwirkungen verhalf, die in der Öltechnik so schnell nicht zu erreichen sind. Der größte Teil der 37 auf dieser Reise entstandenen Aquarelle zählt heute zu den Höhepunkten deutscher Aquarellkunst des 20. Jahrhunderts, denen nur noch wenige Landschaftsdarstellungen in dieser Technik von Juni und Juli folgen konnten, weil August Macke bereits knapp 2 Monate nach Kriegsbeginn fiel.

Das Aquarell "Schlucht" entstand vermutlich am Nachmittag des 13. April 1914, als die Künstler mit ihrem Begleiter Dr. Jaeggi eine Autofahrt nach Sidi-Bou-Said unternahmen und dabei durch die felsigen Gegenden dieser Region fuhren. Uta Gerlach-Laxner zufolge zeigt es "von der Natur nahegelegte bildnerische Mittel, die aber einer der inneren Notwendigkeit des Bildes folgenden freieren Umdeutung dienen. Beim Anblick dieser Landschaft möchte man eine künstlerische Umsetzung ins rein Zeichnerisch-Graphische erwarten, beherrscht doch die Vielfalt der Linien den Gegenstandseindruck. Macke dagegen schafft eine malerische Umdeutung als Äußerung eines primär auf den Aufbau, auf das innere Leben dieser Felsformation verlegten Interesses. Folglich schichtet er farbige Komplexe in der Art einer geologischen Vorstellung, wobei die Verwendung der Linie von grundsätzlicher - freilich im Sinne der wirklichen Erscheinung nicht primärer - Bedeutung in formschaffender wie in allgemein bildnerischer Funktion formuliert erscheint. Sie dient nicht nur als flächenbegrenzende Kontur, sondern auch zuweilen als selbständiges Gebilde in der Festigung chromatischer Läufe der präziseren Bildvorstellung.

Die Verwendung des Breitformats zeigt, daß es Macke in erster Linie nicht um die Darstellung einer Schlucht - die das Hochformat nahelegen würde - im eigentlichen Sinne geht, sondern um die Idee des inneren Aufbaus dieser Felslandschaft.

In Anlehnung, zugleich aber nuancenhafter Bereicherung der natürlichen Farbigkeit, kehren in freier rhythmischer Abfolge mannigfache Abstufungen von rötlichem Violett, violetthaltigem Rosa, bräunlichem Orange, Braun und Grün wieder." (Uta Laxner, Stilanalytische Untersuchungen zu den Aquarellen der Tunisreise 1914: Macke, Klee, Moilliet, Dissertationsdruck Bonn 1967 (1969), S. 79).

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