Georg Tappert - Zwei Akte im Wald

Georg Tappert - Zwei Akte im Wald - image-1
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Georg Tappert

Zwei Akte im Wald
Um 1927

Öl auf Leinwand 189,5 x 118,5 cm,

"Zwei Akte im Wald" scheint das Schicksal so mancher Tappert-Bilder gehabt zu haben, die viele Jahre in seinem (während des Krieges durch Bomben beschädigten) Keller unsachgemäß gelagert waren und somit unbekannt blieben, weil der Künstler sich zuletzt nur noch mit den Werken der Weggefährten - Heinrich Campendonk, Paul Klee, Otto Mueller, Franz Marc, Wilhelm Morgner, César Klein und Moritz Melzer - umgab. Erst vier Jahre nach seinem Tode, als die Berliner Akademie der Künste ihm eine Gedächtnisausstellung widmete, kamen sie wieder ans Tageslicht und lösten eine allgemeine Überraschung aus, weil sie die bis dahin völlig unterschätzte Bedeutung Tapperts für die Kunst des Expressionismus plötzlich in einem neuen Licht erscheinen ließen.
"Zwei Akte im Wald" ist erst 9 Jahre nach dem Erscheinen von Gerhard Wieteks Werkverzeichnis aufgetaucht: Ein monumentales Bild, das in der Literatur nicht erwähnt, in keiner Ausstellung je gezeigt worden war. Wie die für Tapperts Aktdarstellungen sehr ungewöhnlich individuellen, porträthaften Köpfe sowie die tadellose Erhaltung nahelegen, könnte es sich bei diesem Bild um eine Auftragsarbeit gehandelt haben, die als eher persönliches Dokument in Privatbesitz gehütet wurde. Dafür spricht auch die für Tappert völlig neue Art der Aktdarstellung, die nach den um Häßlichkeit und Schönheit im herkömmlichen Sinne wenig fragenden aggressiven Aktdarstellungen seiner expressionistischen Phase - die "über die entblößte Wirklichkeit weit hinausgehenden, bestürzend nackten Betty-Akte" - wie Gerhard Wietek sie nannte, nun zu einem ganz bewußt die Sprache der zeitgleich entstehenden Kunst der Neuen Sachlichkeit vermeidenden expressiven Realismus führten, indem er den Modellen Haltung und individuelle Würde ließ (Ders., Georg Tappert 1880 - 1957. Ein Wegbereiter der Deutschen Moderne, München 1980, S. 37).
"Im Zuge einer bis dahin bruchlosen Entwicklung mag sich die in Linien, Formen und Farben erkennbare Spontaneität und Aggressivität des Ergreifens, die Tapperts Kunst eigen ist, bereits vorher gemildert haben, doch blieb davon die Aufnahmefähigkeit und Schärfe seines unbestechlichen Blicks unberührt, mit der er jetzt nicht nur mehr Nuancen wahrnimmt als vorher, sondern auch tiefer in die Zwischenbereiche menschlicher Existenz eindringt." (ebenda, S. 66).

List of works

Wietek

Certificate

Mit einer Photoexpertise von Gerhard Wietek, Hamburg, vom 19.1.1989

Lot 367 D

Estimate:
40.000 € - 60.000 €