Aus Abfall wird Kunst

Mit Silberwaren aus der Renaissance und der Moderne punktet die Kunstgewerbeauktion bei Lempertz. Doch auch die Kunstkammerfreunde kommen in Köln nicht zu kurz.

Es war schon ein aufsehenerregender Fund, auf den Handwerker beim Abbruch des Patrizierhauses „Am Rudererbrunnen“ am 26. Februar 1869 in Regensburg stießen: Unter den Stufen einer Treppe kam eine versiegelte Holztruhe mit kostbaren Silberobjekten der Renaissance zum Vorschein, die der Kaufmann Georg Hoffmann, ein Vorbesitzer des Hauses, um 1630 in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges dort versteckt hatte. Neben einigen Dokumenten, Löffeln und Gürtelketten fanden sich zwanzig vergoldete, sorgfältig in Papier eingeschlagene Trinkgefäße von musealer Qualität. Die spektakuläre Entdeckung der Akelei- und Traubenpokale, der Deckelhumpen und Scherzgefäße machte national und international schnell die Runde und beherrschte als „Regensburger Silberfund“ die Zeitungsmeldungen. Christoph Erich, der damalige Besitzer des Patrizierhauses am heutigen Watmarkt, verkaufte den gesamten wertvollen Schatz im darauffolgenden Jahr an den Leipziger Eugen Felix, aus dessen Sammlung verschiedene Stücke mehr als zehn Jahre später auf den Kunstmarkt gelangten. Ein früher Regensburger Doppelpokal, ein Augsburger Deckelhumpen und ein Jungfrauenbecher finden sich heute im Metropolitan Museum in New York.

Zum „Regensburger Silberfund“ gehörte auch eine „Tafelzierde in Form einer Goelette mit geschwellten Segeln und Schiffstauen, darin bewaffnete Bemannung, stellenweise emaillirt“, wie es der Katalog zur Auktion des Jahres 1886 bei „J. M. Heberle (H. Lempertz’ Söhne)“ ausweist. Fast 140 Jahre später kommt der vergoldete Schiffspokal, den der Nürnberger Meister Tobias Wolff um 1620 mit drei farbig gefassten Seeleuten ausstattete, erneut bei Lempertz mit einer Bewertung von 100.000 bis 120.000 Euro zur Auktion. Das ist nicht zu hoch gegriffen: Ein vergleichbarer Schiffspokal von Wolff brachte es im März 2014 bei Koller in Zürich auf 220.000 Franken netto. Die Silberofferte, die Lempertz für den 16. Mai in Köln zusammengestellt hat, sucht an Qualität und Umfang im deutschsprachigen Auktionsmarkt wieder einmal ihresgleichen. Herausragend sind zunächst die Objekte aus der Renaissance, etwa die vergoldete Tazza mit Palmettenzier von David Schumann aus Augsburg um 1590/94 (Taxe 10.000 bis 14.000 EUR), der voluminöse Fußbecher mit geätzten Mauresken, der dem Nürnberger Meister Nicolaus Ulrich um 1603/09 zugeschrieben wird (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR), oder der etwas jüngere Diamantbuckelhumpen seines Nürnberger Kollegen Nicolaus Weiss (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR).

Ausgesuchtes Silber

In die 1650er Jahre und damit ins frühe Barock datiert ein Augsburger Deckelhumpen, dessen umlaufende Wandung Tilemann Bornmann mit lustig verspielten Amoretten als Allegorien auf die Jahreszeiten gestaltet hat (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR). Gut zwanzig Jahre später hat ebenfalls in Augsburg Johann Schuch I eine achteckige Schmuckkassette geschmiedet, sie reich mit bunten Edelsteinen, Glasperlen und Emailplaketten zwischen fein niellierten Rankenornamenten und Lisenen aus Bergkristall besetzt und oben auf dem Deckel noch ein Relief mit Darstellung des sagenhaften Soldaten Marcus Curtius vor römischer Kulisse eingelassen (Taxe 24.000 bis 30.000 EUR). Typisch für das Schaffen von Johann Paul Schmidt aus Leipzig sind Schraubflaschen mit Imperatorenköpfen zwischen Akanthus- und Fruchtgebinden. Das aktuelle Exemplar von 1690/91 verlangt 14.000 bis 18.000 Euro. Eine mattvergoldete Platte mit Wärmeglocke von 1784 stammt aus einer Nachlieferung für das Dresdener Hofsilber und trägt das Meisterzeichen von Carl David Schrödel, das seine Söhne Carl Christian Schrödel und Friedrich Christian Schrödel nach seinem Tod 1773 weiterführten (Taxe 24.000 bis 28.000 EUR).

Die großen Handelsstädte an der Ostsee spielen beim Silber diesmal eine wichtige Rolle. In Danzig ließ sich der in Nürnberg geborene Silberschmied Benedikt Clausen nieder, wurde hier 1676 zum Meister ernannt und schuf kurze Zeit später einen großen Deckelhumpen mit einer qualitätvoll getriebenen, vielfigurigen, alttestamentlichen Darstellung vom Verkauf Josephs in die ägyptische Sklaverei auf dem zylindrischen Mantel (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Nach Riga geht es mit einer Deckelkanne, die Mattheus Marcus Breüstet im ausgehenden 17. Jahrhundert mit einem bekrönten Ligaturmonogramm in einem Blütenkranz und einer rund 70 Jahre älteren Medaille von Sebastian Dadler auf die Hochzeit der Prinzessin Maria Elisabeth von Sachsen mit Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorp verziert hat (Taxe 18.000 bis 20.000 EUR). Schließlich meldet sich noch Reval, das heutige Tallin, zu Wort. Hier wirkte zwischen 1643 und 1657 Stanislaus Schultze, der sich für seine Deckelkanne ein fein graviertes Knorpelwerk und stehende Kaufleute in zeitgenössischer Kleidung mit breitkrempigen Hüten in drei runden Reserven ausdachte. Auftraggeber war wohl das estnische Adelsgeschlecht von Asserien, dessen Wappen auf dem Deckel prangt (Taxe 17.000 bis 20.000 EUR). Ein jüngerer Berufsgenosse Schultzes war Johann Seliger, der um 1700 für eine weitere Deckelkanne mit dem Allianzwappen von Herman von Drenteln und Elisabeth Buchauw sowie dem biblischen Relief von Jakobs Kampf mit dem Engel zuständig ist (Taxe 20.000 bis 24.000 EUR).

Über ein historistisches Bergkristallaltarkreuz mit Silberkorpus und -fassungen, in dem der Wiener Josef Schlossko um 1870 Renaissanceelemente zitierte (Taxe 14.000 bis 18.000 EUR), und einer kleinen Reiseikone mit dem Erzengel Michael, für die Carl Fabergé um 1908/17 den emaillierten und mit Saphircabochons besetzten Silberrahmen schuf (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR), geht es zu den modernen Silberwaren, bei denen sich auch einige Frauen hervortun. Emmy Roth erlernte das Gold- und Silberschmiedehandwerk im „Atelier für kirchliche und profane Kunstgegenstände“ von Conrad Anton Beumers in Düsseldorf und eröffnete gegen 1906/07 ihre erste eigene Werkstatt in Berlin. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten musste die Jüdin Roth aus Deutschland emigrieren und ging über einen Zwischenaufenthalt in Frankreich nach Palästina, wo sie 1942 starb. Eine hessische Privatsammlung trennt sich nun von fünf ihrer Entwürfe aus den 1920er und frühen 1930er Jahren, die von der schlichten Formensprache des Bauhauses inspiriert sind, darunter einer bauchigen balusterförmigen Vase und einem rechteckigen Tablett für jeweils 3.000 bis 4.000 Euro. Etwas mehr verlangt mit 8.000 bis 10.000 Euro Paula Straus’ vierteiliges Kaffee- und Teeservice von 1926, das nicht nur einmal bei der Heilbronner Firma Peter Bruckmann & Söhne ausgeführt wurde.

Mainzer Möbelproduktion

Über das Silber hinaus ist die Kunstgewerbeauktion bei Lempertz gut aufgestellt. Teuerste Position bei den Möbeln ist ein qualitätvoll gearbeiteter Mainzer Cantourgen des späten Rokoko mit einer feinen Nuss- und Nussmasermarketerie aus Rauten und Diamantfeldern und vergoldeten Messingbeschlägen, der 60.000 bis 80.000 Euro einspielen soll. Darum gruppieren sich beispielsweise ein charakteristischer, tief profilierter Frankfurter Nasenschrank aus der Mitte des 18. Jahrhundert (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR), eine reich mit schmiedeeisernen Bändern beschlagene spätgotische Truhe aus dem westfälischen oder rheinländischen Raum um 1500 (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR), ein eleganter Beistelltisch aus rotbraunem Kirschholz, in dessen Platte Abraham Roentgen um 1745 beinahe minimalistisch versilbertes Messing eingelegt hat (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR), eine kleine vergoldete Konsole mit einer schwarzen Marmorplatte, die um 1715/25 im Stil Josef Effners in den Münchner Hofwerkstätten gefertigt wurde (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR), oder ein Mahagoni-Schreibschrank mit Faltkuppel, den laut Inschrift ein gewisser Leopold Krah 1825/26 in Leipzig als sein Meistermöbel fertigte (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).

Auch die französische Möbelkunst des 18. Jahrhundert kommt mit Léonard Boudins geschmackvollem Bureau plat der 1760er Jahre aus Rosenholz und Palisander (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR), sechs Stühlen von Pierre Nogaret mit Tapisseriebezügen nach Fabelmotiven La Fontaines aus der Manufacture royale d’Aubusson (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR) oder einer ausladenden, Nicolas Heurtaut zugeschriebenen Bergère nicht zu kurz (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Mit dem Namen David Roentgen verbindet sich ein runder hölzerner Tafelaufsatz, der um 1780 für die Écurie des 1879 zerstörten Schlosses Saint-Cloud geschaffen wurde (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Dem Klassizismus ist zudem die Marmorbüste der portugiesischen, streng blickenden Königin Dona Carlota Joaquina de Bourbon e Bragança von Carlo Amatucci aus dem Jahr 1806 zuzuordnen (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR).

Für die Kunstkammer

Für Liebhaber von Kunstkammern hält der Katalog einige interessante Stücke bereit. Da wären etwa ein aus Obstholz geschnitztes, auf das Jahr 1527 datiertes Porträtmedaillon einer gewissen Hausfrau Ursula Ligsalcz (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR) oder eine Bronzemedaille auf den Straßburger Reformator Martin Bucer, die beide dem Medailleur und Bildschnitzer Friedrich Hagenauer zugeschrieben werden (Taxe 1.000 bis 1.500 EUR). Sie könnte man etwa in einem Tischkabinett aufbewahren, das in Tirol oder Augsburg am Ende des 16. Jahrhunderts mit manieristischen Architekturlandschaften auf den Schüben und einem Musikalienstillleben auf der Fallklappe dekoriert wurde (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR), und darum ein Kerzenleuchterpaar mit Emailschäften aus Limoges um 1570/80 in späteren Bronzefassungen gruppieren (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR).

Ausgefallen sind zudem eine Commessoplatte mit einer Architekturlandschaft aus bunten Steinen aus dem Atelier von Cosimo Castrucci um 1600 (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR), ein osmanischer Löffel des 17. Jahrhunderts mit einer Laffe aus rotweißem Achat, ein Necessaire des 18. Jahrhunderts aus Trapani mit Korallenapplikationen (Taxe je 1.500 bis 2.000 EUR) und ein zeitlich dazwischen einzugruppierender, vermutlich venezianischer Becher aus opakem grünbraunem Chalcedonglas mit Aventurineinschlüssen (Taxe 7.000 bis 8.000 EUR). Um 1740/50 schnitzte wohl Johann Christoph Ludwig Lücke das Elfenbeinrelief eines Bettlerpaars (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR), während der Urheber eines römischen Mikromosaikbilds mit der Ansicht vom Forum Romanum samt bildungsbürgerlicher Familie aus der Mitte des 19. Jahrhunderts wieder nicht bekannt ist (Taxe 18.000 bis 20.000 EUR). Dekorativ macht sich in einer Kunstkammer auch noch das detailreiche Modell einer Fregatte, die während der Napoleonischen Kriege in englischen Gefangenenlagern aus Abfallknochen von Schafen und Rindern gefertigt wurden, was den Inhaftierten ein kleines Einkommen ermöglichte (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR).

Fragile Zeugen einer Tischkultur

Für die Keramik- und Porzellanabteilung hat Lempertz wieder einen eigenen Katalog mit rund 170 Losnummern aufgelegt. Erste Höhepunkte sind diesmal Majolikawaren aus italienischen Werkstätten, beispielsweise eine Schüssel mit Groteskendekor aus dem Atelier der Patanazzi in Urbino um 1600, die ein zentrales Medaillon mit einem zwei Lorbeerkränze haltenden Amor ziert (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Wiederum manieristisch ist ein etwas älterer Teller mit Neptun und Venus, die sich eben vor der Küste auf dem Meer treffen, aus dem Herzogtum Urbino oder Venedig (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Schon barock sind dann die Coppa mit einer Familie im Garten und die Coppa mit dem Motiv des Dornausziehers um 1700, hinter denen die Grue-Werkstatt, namentlich Carlo Antonio Grue oder Francesco Grue, vermutet werden (Taxe je 7.000 bis 9.000 EUR).

Auch die nordeuropäische Fayenceproduktion ist bei Lempertz gut vertreten. Zahlreiche Positionen stammen aus der Sammlung des 2021 verstorbenen Helmut Neuner, der in Rückersdorf bei Nürnberg sein Geld mit einer Geflügelzucht verdiente, darunter ein kleiner Birnkrug mit einer Flusslandschaft in Sepiacamaieu mit zwei Wanderern, gerahmt von einem blauen Band, Akanthusranken und Blumen, der dem Nürnberger Hausmaler Abraham Helmhack um 1700 zugewiesen wird (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR), oder ein gleichaltriger Walzenkrug mit einer Königin samt Zepter und Hermelinmantel eines unbekannten süddeutschen Hausmalers (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). An eine ausgelassene Tafel früherer Jahrhunderte erinnert ein seltener Künersberger Fassreiter um 1750 (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR), der ebenfalls Helmut Neuner begeisterte, ebenso wie eine Tischpyramide mit fleurs fines auf Delfinfüßen mit ulkigen Karyatidenköpfen aus der Straßburger Manufaktur von Joseph Adam Hannong um 1770/73 (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Ansprechende Schaugerichte aus dem 18. Jahrhundert mit Schätzpreisen zwischen 1.000 und 8.000 Euro sind ein weiterer Augenschmaus für eine opulent gedeckte Tafel.

Vom Böttgersteinzeug bis zum Propagandateller

Die Porzellan-Abteilung startet zunächst mit der Vorstufe des Werkstoffes, dem sogenannten „Böttgersteinzeug“, das schon zwei Jahre vor der eigentlichen europäischen Porzellanherstellung ab 1706/07 in der Meißner Manufaktur produziert wurde. Aus diesem rotbraunen Material besteht eine Teekanne mit Deckel um 1710/15, von der bisher nur zwei weitere Exemplare publiziert wurden. Das Modell geht wohl auf Johann Jakob Irminger zurück, die Ausführung für den königlichen Gebrauch ist fein veredelt, hochglänzend poliert und mit einer Silbermontierung versehen (Taxe 15.000 bis 25.000 EUR). Passend dazu gibt es eine frühe seltene Tischglocke, die ebenfalls in einer skandinavischen Privatsammlung beheimatet war (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). In die 1730er Jahre datieren dann schon ein reinweißes Vasenpaar in Flötenform mit chinoisem Reliefdekor (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR) und eine Sakeflasche samt Deckel mit farbiger Kakiemondmalerei (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Auf einer gleichaltrigen Vase in „gu“-Form sind die indianischen Blumen voll und prächtig erblüht (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR).

Der bekannte Meißner Modelleur Johann Joachim Kändler ist dann für den „Betrunkenen Fischer“ von 1738 zuständig, der bei Lempertz in einer frühen Ausformung mit noch allen Fischen in den Händen, im Hemd und im Hosenschlitz vorliegt (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Zusammen mit Peter Reinicke formte Kändler dann knapp zehn Jahr später einen auf einem Grassockel liegenden Flussgott mit Bienenkorb, Weizengarbe und Wasserurne als Allegorie der Weichsel (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR). Meißen punktet zudem mit zwei Tabatieren: Ein nicht bekannter Maler der Manufaktur zauberte um 1750 Ansichten der Dresdner Altstadt, der Hubertusburg, der Schlösser Pillnitz und Pirna, der Albrechtsburg und der Festung Königstein teilweise nach Vorlagen von Johann Alexander Thiele und Bernardo Bellotto auf das Äußere des ersten Exemplars (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR); die zweite Tabatiere um 1763 zeigt weibliche Allegorien auf die Künste, die gerechte und wohltätige Herrschaft, den Ruhm oder die Vernunft. Das kommt nicht von ungefähr: Öffnet man den Deckel, blickt einem die sächsischen Kurfürstin Maria Antonia Walpurgis als milde und schöne Herrscherin entgegen (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR).

Eine weitere Tabatiere, diesmal in ovaler Form, steuert die Münchner Porzellanmanufaktur Nymphenburg bei. Den Entwurf besorgte um 1770 Dominikus Auliczek, der sich für das Reliefporträt des bayerischen Kurfürsten Maximilian III. Joseph von Bayern entschied (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR). Die Manufaktur Ludwigsburg beteiligt sich mit der seltenen Figurengruppe „Tod des Adonis“ nach einem Modell von Johann Wilhelm Götz aus dem Jahr 1762 (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR), die Manufaktur Chantilly mit einem frühklassizistischen Paar ovaler, durchbrochen gearbeiteter Körbe aus den 1770er Jahren (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR) und Sèvres mit dem Büstenpaar des Prinzen Louis-Antoine d’Artois und der Prinzessin Marie-Thérèse de France in Biskuitporzellan von 1823 nach einem Modell von Alexandre Brachard (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR).

Für das frühe 20. Jahrhundert stehen die elegischen Aktfiguren eines Hirten und der Göttin Venus, die Paul Scheurich um 1920 für die Meißner Manufaktur entwarf (Taxe je 1.500 bis 2.000 EUR), und ein Teller mit dem sowjetischen Propagandaspruch „Es lebe die Weltrepublik der Räte“. Deutsch beschriftete Porzellane aus der Manufaktur Kuznetsov tauchen selten auf dem Kunstmarkt auf, wurden aber vermutlich zahlreich produziert. Damit wollte man sich neue Absatzwege erschließen, die nach dem Ersten Weltkrieg mit der Gründung der Weimarer Republik entstanden waren, und huldigte zudem der Muttersprache von Karl Marx und Friedrich Engels. Das Motiv zweier sich freundschaftlich umarmender Männer, das den Spiegel des mit 3.000 bis 4.000 Euro bewerteten Tellers ziert, dachte sich 1926 Alexandra Wasiljewna Schtschekatichina-Potozkaja aus.

Die Auktion beginnt am 16. Mai um 10 Uhr mit dem Silber; um 14 Uhr folgen die Möbel und Kunstkammerobjekte, um 17 Uhr die Keramik und das Porzellan. Eine Besichtigung ist am 10. und 11. Mai von 11 bis 16 Uhr, am 12. bis 14. Mai von 10 bis 17:30 Uhr möglich. Der Internetkatalog listet alle Objekte unter www.lempertz.com.
 


10.05.2025
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching