Auction 831, Moderne Kunst 4. Dez. 2002, 04.12.2002, 10:30, Köln Lote 593

Heinrich Campendonk, Interieur eines Wirtshauses mit Gewehr

Heinrich Campendonk, Interieur eines Wirtshauses mit Gewehr, 1932/1933, Auktion 831 Moderne Kunst 4. Dez. 2002, Lot 593

Aquarell und Bleistiftzeichnung auf chamoisfarbenem Büttenpapier mit Wasserzeichen "CANSON & MONTGOLFIER FRANCE" 48,5 x 61,8 cm, unter Glas gerahmt. Oben rechts mit schwarzer Tuschfeder monogrammiert C 32 sowie unten rechts vielleicht von fremder Hand monogrammiert und datiert "C.33". - Mit geringfügigen Altersmängeln.

Mit einer Fotoexpertise und Bestätigung von Andrea Firmenich, Köln, vom 29.1.2002

Die vorliegende Arbeit stellt hinsichtlich des Motivs eine Ausnahme im Werk Heinrich Campendonks dar, in dem eher Landschaften, szenische Darstellungen und nicht unbedingt Interieurs zu finden sind. Eine Skizze aus dem Jahr 1933 weist mit der Ansicht einer Bar das einzige vergleichbare, doch völlig anders aufgefaßte Motiv auf (vgl. Andrea Firmenich, Heinrich Campendonk, Leben und expressionistisches Werk, Mit Werkkatalog des malerischen Oeuvres, Recklinghausen 1989, 986 Z). Der zeichnerische, cloisonnéhafte Stil, das nicht modellierende Ausfüllen gezeichneter Konturen mit unvermischten Farben - wodurch die Objekte eine eigentümliche Plastizität erreichen -, zählt aber zu den bevorzugten Arbeitsformen in den dreißiger Jahren. Andrea Firmenich erwähnt in ihrem Gutachten, daß ähnliche Arbeiten seit Campendonks Reise in die Bretagne 1932, 1933 auf die Lofoten und seiner Emigration nach Antwerpen in demselben Jahr entstanden, bevor er 1935 nach Amsterdam emigrierte.

Die Form der rechts abgestellten Holzschuhe und des schwarzen Hutes auf der Bank vor der Theke lassen auch eher französische oder holländische Herkunft vermuten. So wirkt die Szene ohne den Protagonisten, der Gewehr, Hut und Schuhe abgelegt hat, wie ein 'Filmstill', ein Aussetzer in einer fortlaufend erzählten Geschichte. Verschobene Blickachsen und Perspektiven sowie das Boden und Wände relativierende Blau des Umraums verleihen dem Aquarell surreale Züge.

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