Auction 896, Moderne und Zeitgenöss.Kunst, 29.11.2006, 00:00, Köln Lote 291

Paula Modersohn-Becker, Sitzendes Mädchen mit schwarzem Hut und Blume in der rechten Hand

Paula Modersohn-Becker, Sitzendes Mädchen mit schwarzem Hut und Blume in der rechten Hand, 1903, Auktion 896 Moderne und Zeitgenöss.Kunst, Lot 291

Tempera auf Leinwand 69,8 x 44,8 cm. - Auf dem oberen Keilrahmen mit einem Papieretikett versehen, darauf mit brauner Tinte beschriftet "Mädchen mit schwarzem Hut P.M.". - Stellenweise mit minimalem, sehr unauffälligem Craquelé und winzigen, fachmännisch ausgeführten Retuschen.

Busch 393. Pauli 59 "Bauernmädchen, Halbfigur". In seiner 3. Auflage des Werkverzeichnisses von 1934 führte Gustav Pauli das Bild aufgrund von unterschiedlichen Angaben des damaligen Besitzers Hertzer irrtümlich doppelt auf, neben Nr. 59 noch als Nr. 62 b mit anderem Titel "Mädchen im Strohhut mit Marienblümchen in der Hand".

Procedencia

Otto Modersohn; Galerie Commeter, Hamburg (mit rückseitigem Aufkleber auf dem Rahmen); Hermann Hertzer, Hannover (1934); Sammlung Sprengel, Hannover

Exposiciones

Worpswede o.J. (Kunst- und Kunstgewerbehaus Franz Vogeler), Nr. 7 (mit rückseitigem Aufkleber); Bremen 1913 (Kunsthalle Bremen), Station der zuvor in Hagen/München/Jena/Elberfeld z.T. unterschiedlich bestückten Wanderausstellung (Museum Folkwang/Neuer Kunstsalon/Kunstverein Jena/Haus des Freiherrn von der Heydt), Paula Modersohn Becker, Journal Nr. 30; Hannover 1934 (Kestner-Gesellschaft), Paula Modersohn-Becker. Gemälde, Zeichnungen, Radierugen, Kat. Nr. 31; Hannover 1951 (Kestner-Gesellschaft), Paula Modersohn-Becker - Gabriele Münter, Kat. Nr. 22; Hannover 1954 (Kestner-Gesellschaft), Zeitgenössische Kunst aus Hannoverschem Privatbesitz, Kat. Nr. 113 (mit rückseitigem Aufkleber); Hannover 1996/1997 (Sprengel Museum), Garten der Frauen, Wegbereiterinnen der Moderne in Deutschland 1900-1914, außer Katalog.

Literature

Carl Emil Uphoff, Paula Modersohn-Becker, in: Junge Kunst, Leipzig 1919, Bd. 2, mit Abb.

Da Paula Modersohn-Becker den Großteil ihrer Gemälde unsigniert und undatiert hinterließ, erfolgte die Datierung meist postum aufgrund stilkritischer Vergleiche. Auch die meisten Titel stammen nachträglich von ihrem Ehemann Otto Modersohn oder Gustav Pauli, dem Verfasser des ersten, 1919 erschienenen Werkverzeichnisses. Die Titel halten die wesentlichen Merkmale der Kompositionen zur Unterscheidung der Bilder fest.

Das vorliegende Werk ist um 1903 datiert, eine Zeit, in der die Künstlerin vornehmlich in Worpswede lebte. Innerhalb des Oeuvres von Paula Modersohn-Becker nehmen die Figurenbilder und darunter vor allem die Mädchenbildnisse die prominenteste Gruppe ein. 1902 heißt es in ihrem Tagebuch: "Ich glaube, man müßte beim Bildermalen gar nicht so an die Natur denken, wenigstens nicht bei der Konzeption des Bildes. Die Farbenskizze ganz so machen, wie man einst etwas in der Natur empfunden hat. Aber meine persönliche Empfindung ist die Hauptsache. Wenn ich die erst festgelegt habe, klar in Form und Farbe, dann muß ich von der Natur das hineinbringen, wodurch mein Bild natürlich wirkt, daß ein Laie gar nicht anders glaubt, als ich habe mein Bild vor der Natur gemalt." (Paula Modersohn-Becker, Tagebuch, 1.10.1902, zit. nach: Günter Busch / Wolfgang Werner (Hrsg.), Paula Modersohn-Becker 1876 - 1907, Werkverzeichnis der Gemälde, Band I, München 1998, S.65).

Ganz deutlich wird hier eine gewisse Einflussnahme von Cézanne, dessen Werke Modersohn-Becker während ihres ersten Parisaufenthaltes im Jahre 1900 in der Kunsthandlung Vollard kennen gelernt hatte. Die große Einfachheit seiner Bilder faszinierte sie. Sie fühlte sich seinem Formempfinden innerlich verwandt, was sie in ihrem eigenen, für die damalige Zeit unkonventionellen künstlerischen Schaffen bestärkte. Von Februar bis März 1903 erfolgte ihre zweite Parisreise, wo sie die Aktklasse an der Akademie Colarossi besuchte. Modersohn-Becker beschäftigte sich in dieser Phase nicht nur mit der Zeichnung, sondern stellte ebenso intensive Überlegungen zur Technik des Farbauftrags an. Wie auch bei dem vorliegenden Bildnis wollte sie mittels einer durch zahlreiche Lasuren hervorgebrachten Textur Bewegung in die Farbe bringen. Auf Gesicht und Kleidung ist der Farbauftrag pastos. Die Farbe ist satt gestrichelt in vielen Schichten aufgetragen. Der Hintergrund ist bewusst weniger pastos behandelt.

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