Photographie

LEMPERTZ freut sich, Werke aus einer der international bedeutendsten Sammlungen für Photographie versteigern zu dürfen: Der in Miami ansässige Geschäftsmann und Philanthrop Martin Z. Margulies trennt sich von Teilen seiner Photographie-Sammlung. Mit insgesamt 154 Losen (über 300 Photographien) machen diese den größten Schwerpunkt der Photographie-Auktion aus. Margulies wird seit Jahren vom ARTnews Magazine auf der Top 200-Liste der weltweiten Kunstsammler geführt, 2004 nannte ihn das Magazin als einen der 25 aktivsten Photographie- Sammler der Welt. The Margulies Collection umfasst mehr als 4.000 Werke der klassischen und zeitgenössischen Photographie des 20. und 21. Jahrhunderts und ist – wie große Teile der Sammlung zeitgenössischer bildender Kunst – im sog. Warehouse in Wynwood untergebracht, dem angesagten Kunstdistrikt Miamis. Als Studien- und Schausammlung werden hier auf einer Fläche von über 5000 m² die Kunstwerke in unterschiedlichen Ausstellungskontexten gezeigt. Als Mäzen und Sammler ist Margulies bereits seit Mitte der 1980er Jahre aktiv. Seine Sammlung umfasst Meisterwerke des Abstrakten Expessionismus, der Pop Art, Konzeptkunst und Arte Povera von höchster musealer Qualität. Margulies entdeckte die Photographie als autonomes Medium für sich erst relativ spät in den 1990er Jahren. Initiales Ereignis war der Kauf eines großformatigen C-Prints von Thomas Ruff aus dessen Portrait-Serie. Das formatfüllende Brustbild einer jungen Frau mit den Augen einer Sphinx, das lange in seiner Privatwohnung hing, faszinierte den Sammler so sehr, dass sein Interesse dadurch nicht nur auf die Photographie der Düsseldorfer Photoschule mit ihren Hauptakteuren Bernd und Hilla Becher (Lot 704), Andreas Gursky, Thomas Ruff und Thomas Struth (Lots 705-708) gelenkt wurde, sondern auch auf deren Vorläufer und Ideengeber, die Photographie der Neuen Sachlichkeit der Weimarer Republik. Umfangreiche Akquisitionen von Werken von Albert Renger-Patzsch, August Sander, Hugo Schmölz oder Werner Mantz resultierten aus dieser photohistorischen Spurensuche. „Es macht mir Spaß zu erforschen, wie die frühen Bewegungen des Genres die zeitgenössische Photographie beeinflusst haben. Zum Beispiel fasziniert mich die deutsche Schule der Neuen Sachlichkeit und wie die Bechers einer ganzen jüngeren Generation beibrachten, Photographie objektiv zu betrachten“, wie Margulies gegenüber Lempertz erzählt. „Außerdem war ich sehr bewegt von den amerikanischen FSA-Photographen und genoss die ergreifenden und einfühlsamen Geschichten hinter den Photographien.“ Sein ästhetisch geschultes Auge und sein Interesse an sozialen Fragestellungen führten Margulies von Deutschland wieder zurück in die USA. Die Farm Security Administration (FSA) war 1937 unter Präsident Franklin D. Roosevelt im Rahmen seiner „New Deal“-Politik als Hilfsprogramm gegründet worden, um die während der Dreißiger Jahre aufgrund von Dürren, Industrialisierung und Weltwirtschaftskrise verarmte Landbevölkerung der USA zu unterstützen. Im visuellen Gedächtnis geblieben ist diese Zeit der Massenarbeitslosigkeit und sozialen Verelendung vor allem durch die Dokumentarphotographien der FSA, aus der zahlreiche „Bildikonen“ hervorgingen, geschaffen von Photographen und Photographinnen wie Dorothea Lange, Arthur Rothstein, Marion Post Wolcott, Walker Evans und Russell Lee. „The Bitter Years“ war der Titel der letzten Ausstellung, die Edward Steichen 1962 als Direktor der Abteilung für Photographie des Museum of Modern Art (MoMA) in New York, kuratiert hat, unter demselben Titel hat die Margulies Collection 2023 eine Wanderausstellung mit Photographien aus dem Sammlungsbestand organisiert. Ein ganzes Kapitel dieser Auktion ist der FSA-Photographie gewidmet (Lots 547-565). THE MARGULIES COLLECTION, MIAMI © Malcolm Varon Martin Z. Margulies

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