Auction 831, Moderne Kunst 4. Dez. 2002, 04.12.2002, 10:30, Köln Lot 1020

Franz Radziwill, Schweigende Gesellschaft

Franz Radziwill, Schweigende Gesellschaft, 1923, Auktion 831 Moderne Kunst 4. Dez. 2002, Lot 1020

Aquarell und Bleistift auf festem perforierten Zeichenkarton 37,2 x 49,2 cm, unter Glas gerahmt. Unten rechts mit Bleistift monogrammiert und datiert F.R. 23. - Rückseitig an den oberen Ecken frei aufliegend in Passepartout montiert.

Das vorliegende Aquarell entstand in der zweiten Werkphase Franz Radziwills, in seiner magisch-realistischen Zeit zwischen 1923 bis 1929. Aus den nachfolgenden Jahren sind weitere, ähnliche Motive mit Tischgesellschaften bekannt (vgl. Andrea Firmenich/Rainer W. Schulze, Franz Radziwill 1895-1983, Das größte Wunder ist die Wirklichkeit, Köln 1995, S. 283, 285). Wilfried Seeba führt in seinem Aufsatz "Räume einer anderen Wirklichkeit, Zu den Aquarellen Franz Radziwills" diese Bildform auf seine Beschäftigung mit holländischer Malerei resp. den turbulenten Innenräumen mit Wirtshausszenen beispielsweise von Terborch oder Jan Steen zurück. "Radziwill [läßt] in einigen seiner Aquarelle Alltägliches eskalieren und ins Phantastische umkippen. Aber die Katastrophe bleibt märchenhaft und humorvoll, sie wird noch nicht zur Bedrohung." (ebenda, S. 264)

Auch die "Schweigende Gesellschaft" mutet in ihrer Rätselhaftigkeit unheimlich an - der grau-grün gegebene Umraum trägt entschieden dazu bei -, scheinen doch die einzelnen Personen durch keine Kommunikation miteinander verbunden, ein Geheimnis zu teilen. Alle blicken auf die einzige Rückenfigur. Handelt es sich um eine Séance oder sind die Wandschatten von Venusfigur, Kirchturm oder Drachen reine Hirngespinste der darunter Sitzenden?

Our website uses cookies. More information can be found in our data protection. OK