Auction 847, Moderne u. Zeitgenössische Kunst, 26.11.2003, 00:00, Köln Lot 576

Willi Baumeister, Tänzerin II

Willi Baumeister, Tänzerin II, 1934, Auktion 847 Moderne u. Zeitgenössische Kunst, Lot 576

Öl und Sand auf Karton 41,2 x 33,5 cm, auf leinenbespannter Hartfaserplatte (52 x 44,5 cm) montiert und gerahmt. Unten links in die Malschicht hineingeritzt und mit Bleistift nachgezogen monogrammiert WB sowie rückseitig auf der Platte mit schwarzer Kreide zusätzlich datiert und bezeichnet "Tänzerin 1934/II", darunter in Bleistift mit den Maßen versehen. - Rückseitig unten links mit dem blauen Stempel "atelier/willi baumeister" versehen sowie mit mehreren Ausstellungsaufklebern (u.a. Ferdinand Möller, Köln; Musée d'Art Moderne, Paris; Galleria Nazionale d'Arte Moderna, Rom).

Beye/F. Baumeister 615; Grohmann 395

Provenance

"M. Baumeister" (Nachlaß des Künstlers); Galerie Ferdinand Möller, Köln; Rheinische Privatsammlung

Expositions

Köln 1955 (Galerie Ferdinand Möller), Willi Baumeister. Aus den Jahren 1912-1955, Kat. Nr. 22 mit Abb.; Schaffhausen 1966/Genf 1966/Paris 1967 (Museum zu Allerheiligen/Musée d'Art et d'Histoire/Musée National d'Art Moderne), Willi Baumeister - Gemälde, Zeichnungen (Peintures, Dessins), Kat. Nr. 26 ("Danseuse II") mit Abb.; Rom 1971 (Galleria Nazionale D'Arte Moderna),Willi Baumeister, Kat. Nr. 24 mit Abb. ("Ballerina II")

Literature

Will Grohmann, Willi Baumeister Leben und Werk, Köln 1963, S. 58, mit Farbabb. S. 61; Paul Wember, Kunst in Krefeld, Öffentliche und private Kunstsammlungen, Köln 1973, S. 227 mit Farbtafel S. 193; Gottfried Boehm, Willi Baumeister, Stuttgart 1995, S. 23, 27; S. 169, Nr. 27 mit Farbabb.; Peter Beye, Felicitas Baumeister, Willi Baumeister, Werkkatalog der Gemälde, Band I mit Farbabb. S. 124, vgl. S. 20

Wie anderes aus der Gruppe der sog. "Valltorta Sand- und Sportbilder" hat Willi Baumeister nach Angaben des Werkverzeichnisses die Oberfläche dieses hervorragenden und maßgeblichen Werkbeispiels aus den dreißiger Jahren später, um 1950/1951, noch einmal überarbeitet und safrangelb koloriert (vgl. ebenda S. 20).

"Valltorta ist ein Ort an der ostspanischen Küste mit mittelsteinzeitlichen Malereien im Freien. Die Bilder, die Tiere und Menschen, sind nur handgroß, einfarbig (rot, braun oder schwarz) auf gelblichem oder graublauem Stein, die Farbwirkung ist ähnlich der der 'Tänzerin' von Baumeister. Die Figuren sind ohne Binnenzeichnung und Modellierung, wie Schattenrisse. [...] Die Frage, was Baumeister veranlaßt haben könnte, sich so intensiv in diese alten Bilderschriften einzuleben, eine Wiederaufnahme der 'Tänzerin' findet sich noch 1949, ist leichter zu beantworten, wenn man sie von der späteren Entwicklung aus sieht, von den 'Afrikanischen Bildern' und von den 'Reliefbildern' her. Erst nach dem Besuch von Altamira [September 1950], erst nachdem er den Dingen ins Auge gesehen hatte, lassen diese archetypischen Momente des Empfindens und Denkens in seinem Schaffen nach.

Es ist naheliegend anzunehmen, daß der rationellere Entwurf der 'Sport'- wie der 'Maschinenbilder' Baumeister nicht restlos befriedigte, weshalb er auch viele von ihnen zerstörte. Im Grunde war er ein Mensch, für den die Zusammenhänge zwischen Ich und Welt mindestens so stark von den unbewußten Kräften bestimmt wurden wie von den bewußten, der in komplexeren Zusammenhängen dachte, erfindend und verwandelnd, metamorphotisch und mythenbildend. Es muß ihm ziemlich früh aufgegangen und durch Gespräche mit Mühlestein [Hans Mühlestein, Schweizer Wissenschaftler] bewußter geworden sein, daß es jenseits aller Verschiedenheiten der Zeiten und Völker in der Tiefe Gemeinsamkeiten gibt, urtümliche, und daß der Lebensraum erweitert würde, wenn man in die seelischen Strukturen längst vergangener Kulturen eindringe. Ist aber die Verbindung mit ihnen erst einmal hergestellt, dann kann es zu einem höchst fruchtbaren Einklang des Alten und des Gegenwärtigen kommen, aus dem sich ganz neue Lebenskonstellationen ergeben." (W. Grohmann, op. cit. S. 59/60)

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