Kleinskulpturen von Fritz Koenig (1924-2017)

17.10.2018

Das Zusammenziehen in eine symbolische Aussage, der Dialog zwischen Landschaft und Skulptur, die Abstraktion mit Bezug zur Realität und das Spiel zwischen den Elementen: Unser Experte für Moderne und Zeitgenössische Kunst, Mario von Lüttichau, über die Gedanken und Beweggründe des deutschen Künstlers Fritz Koenig.


Diese kleine, feine Privatsammlung von 17 Kleinskulpturen und Bozetti zeigt einen Querschnitt durch das Werk des Künstlers. Der Kleine Sämann ist ein Beispiel für die ersten Schritte, die Kleine Biga steht für einen ersten starken wie authentischen Auftritt. Mit der Kugelkaryatide für New York erreicht Koenig internationales Ansehen, vielfältige Votiv-Tafeln, Epitaphe und immer wieder die Auseinandersetzung mit Pferden und dem Thema Zwei verschaffen dem Bildhauer weitreichende Anerkennung und einen festen Platz in der Geschichte europäischer Plastik.

Kleine Zwei VI, veränderte Fassung, 1973. Bronze mit schwarzbrauner Patina. Höhe 35 cm, Ø Sockelscheibe 22,5 cm. Geritzt monogrammiert 'FK'. Einer von 6 Güssen.

Eine Retrospektive des Bildhauers Fritz Koenig in Florenz in der Stadt der genialen wie erstrangigen Renaissance-Bildhauer von außergewöhnlichem Rang wie Michelangelo, Donatello, Benvenuto Cellini, Giovanni Bologna gen. Giambolognia. Kaum zu glauben: Der 'Ur-Enkelschüler' von Adolf von Hildebrandt (1847-1921) in den Räumen der Uffizien, in den Boboli-Gärten, an jenem Ort, in dem einst Hildebrandt seit 1874 lebt, die italienische Renaissance studiert und über Das Problem der Form in der bildenden Kunst sinniert, dessen Gedanken in Buchform 1893 in Straßburg erscheint. Die Presse feiert Fritz Koenig, den bis 2017 bei Landshut lebenden Künstler und dessen umfangreichste Skulpturen-Ausstellung in der vom Arno geteilten Stadt der Medici.

Kleine Biga, 2003, Bronze mit goldbrauner Patina, 19 x 6,5 x 6,5 cm

Keine Helden sondern Pferde

Fritz Koenig gehört zu den angesehensten Bildhauern der Nachkriegszeit, dessen spirituelle Prägung und individueller Stil eher der Natur verbunden ist und Tendenzen der Abstraktion im Informellen mit spielerischem Umgang verfolgt. 1924 in Würzburg geboren, beginnt er nach dem Kriegsdienst 1946 in München bei Anton Hiller zu studieren, dessen Lehrer Hermann Hahn wiederum in der Tradition strenger Formen antiker Frühklassik eines Adolf von Hildebrandts steht. Nachdenklich mit den Erlebnissen in der Wehrmacht kursieren seine Themen um das Votiv, das Kreuz und immer wieder Formen des Epitaphs. Keine Helden der nahen Vergangenheit, sondern Pferde im Gleichschritt, Pferde in der Menge, wie Koenig den Tieren in der Camargue begegnet und den Wunsch seines frühen Interesses an Pferden mit einem eigenen Gestüt umsetzt. Die Quadriga, Reitergruppen und andere Darstellungen mit Pferden sind die ersten plastischen Gruppen-Formulierungen, die der Villa Massimo-Ausgezeichnete ab Mitte der 1950er Jahren zu einem seiner Signets verarbeitet. Das Gebiet um den Ganselberg vor den Toren der Stadt Landshut entfaltet Fritz Koenig seit 1961 zu einem weitläufigen Atelier, wo Pferde und seine Skulpturen sich zukünftig miteinander entwickeln und seine Kunst mit der Natur in Einklang kommt.

Die Kunst am Bau

Neben der "freien" Skulptur befasst sich Fritz Koenig immer wieder mit der Gestaltung von 'Kunst am Bau', arbeitet an Kirchenportalen, Tabernakeln und Altarkreuzen etwa für den Dom von Würzburg, kreiert erste Augenmotive und Kugelformen, formt er mächtig aufragende Karyatiden zu ebenso großen Kreuz-Motiven. Koenig systematisiert so seine geometrisch-abstrakten Paraphrasen in Skulpturensprache, mit der er seine "Grundfigurationen ins Abstrakte treibt, um sie ebenso wieder im Gegenständlichen anzusiedeln", so Peter-Klaus Schuster.[1]

Zwei XXII, 1977. Bronze mit schwarzbrauner Patina. Höhe 38 cm, Ø 17,6 cm. Geritzt monogrammiert 'FK'.

Coverbild: Kugel mit Keilfiguren, 1996/2006. Silber. Ø 19,1 cm. Eingeschlagen monogrammiert 'FK'.

[1] Peter-Klaus Schuster, Die Grammatik der Formen. Zur Sprache der Skulpturen von Fritz Koenig, in: Kat.-Ausst.: Fritz Koenig. Skulptur und Zeichnung, München 1988, S.45

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