Auction 905, - 900. Auktionen - Moderne Kunst, 02.06.2007, 00:00, Köln Lotto 529

Albert Bloch, Gebirgstunnel

Albert Bloch, Gebirgstunnel, 1916, Auktion 905 - 900. Auktionen - Moderne Kunst, Lot 529

Öl auf Leinwand 89,3 x 59,5 cm, gerahmt. Unten rechts rot monogrammiert und schwarz datiert AB [ligiert] 1916. - Rückseitig auf dem Keilrahmen links oben mit einem alten Papieretikett mit Besitzerangabe und u.a. mit dem handschriftlichen Eintrag in schwarzer Tinte: "MacCouch [sic] Gordon, Porto di Ronco, Tessin/ 'Die Heuzeit' - Oel".

Provenienza

Gordon M. McCouch, vom Künstler 1920 direkt erworben; Privatsammlung Lausanne (1983); Sammlung Gertrude Blendinger (1998); Privatsammlung Schweiz

Esposizioni

Berlin 1917 (Galerie Der Sturm), Albert Bloch, Harald Kaufmann, Nr. 15; Frankfurt 1917 (Galerie Ludwig Schames), Albert Bloch, Stanislaus Stückgold, Nr. 18; München 1918 (Kunsthaus Das Reich), Albert Bloch, München: Eine Auswahl der Bilder aus den letzten fünf Jahren 1913-1918, Nr. 8 ("Gebirgstunnel"); New York 1921 (Daniel Gallery), Exhibition of Paintings by Albert Bloch, Nr. 11; Lugano 1987 (Museo Cantonale d'Arte Moderna), Il Ticino nella pittura europea, Kat. S. 120 mit Abb.; Ascona 1992-1996 (Museo Communale d'Arte Moderna), Leihgabe aus Privatbesitz (rückseitiger Aufkleber auf dem Keilrahmen); Stans 2005 (Frey-Näpflin-Stiftung), "So weit das Auge reicht", Landschaftsbilder aus vier Jahrhunderten, Kat. S. 19 mit Abb.

Literature

Annegret Hobert/Henry Adams (Hg.), Albert Bloch, Ein amerikanischer Blauer Reiter, München 1997, S. 176

Albert Bloch hatte aus München am 6. Februar 1917 Herwarth Walden in Bezug auf eine geplante Ausstellung seiner Werke in der Galerie "Der Sturm" geschrieben:

"Hiermit empfangen Sie auch die Bilderlisten (Katalog- und Nettopreisliste) für meine Maiausstellung. Der Sicherheit halber lasse ich sie Ihnen jetzt schon zugehen, da ich nicht wissen kann wie sich meine Verhältnisse in den nächsten Wochen gestalten werden. Es ist sehr wahrscheinlich, daß ich mit meinen Angehörigen in absehbarer Zeit Deutschland verlassen muß. Ich fahre dann voraussichtlich nach der Schweiz, von wo aus ich Sie über das nötige benachrichtigen werde. [...] Ich glaube daß diese 28 Bilder die zur Ausstellung gelangen sollen, mitunter die stärksten + reifsten Sachen [unterstrichen] enthalten die ich bisher gemacht habe. Ich hatte etwa 45 Bilder die noch nie ausgestellt waren, traf aber eine so peinliche Wahl, daß nur die 28 in Betracht kommen." (Brief-Zitat, Wiederabdruck in: Annegret Hoberg/Henry Adams, München 1997, op. cit. S. 173).

Das vorliegende Gemälde "Gebirgstunnel" (auch "Gebirgstunnel- Gotthardbahn" oder im italienischen "Tornanti del Piottino" betitelt) war eines dieser Gemälde, die Bloch für die "Sturm"-Ausstellung ausgewählt hatte, eine Auswahl, die wohl vermutlich im Wesentlichen im gleichen Jahr nach Frankfurt (Schames) und 1918 nach München (Thannhauser) weitergeleitet wurde. Das Stück gelangte in den Besitz des befreundeten Landsmannes und Malers Gordon M. McCouch, den Bloch in den Jahren 1919/1920 wiederholt in Ascona für längere Zeit besucht hatte, ehe er endgültig mit der Familie nach Amerika zurückkehrte.

Herwarth Walden hatte im März 1916 Gemälde und Zeichnungen Albert Blochs mit Arbeiten von Paul Klee kombiniert. Es ist überaus beachtlich, wie dieser als "amerikanischer Blauer Reiter" bekannt gewordene Künstler mit seinem in Deutschland entstandenen expressionistischen Werk die zeitgenössischen modernen Tendenzen rezipierte. Durch die unmittelbaren Kontakte kannte Bloch das Werk von Kandinsky, Marc, Münter, August Macke und auch Heinrich Campendonk. Bernhard Köhler erwarb 1913 zwei Bilder Blochs für seine Sammlung. In Ascona trifft er später wieder auf das emigrierte Paar Jawlensky und Werefkin.

Ähnlich wie bei Lyonel Feininger waren Blochs frühe zeichnerischen Anfänge stark von der Kunst der Karikatur bestimmt. München wird ihn, wie Hoberg feststellt, zunächst nicht nur als die deutsche Kunststadt schlechthin, sondern 1909 als Erscheinungsort von "Simplicissimus" und "Jugend" angezogen haben. 1911 entstehen die ersten Gemälde. Die erste von ihm mit Werken beschickte Ausstellung ist in der Berliner Sezession im Frühjahr desselben Jahres zu sehen und noch im Herbst kommen die Verbindungen zu Kandinsky und Franz Marc zu Stande, die ihn zur Partizipation am Almanach "Der Blaue Reiter" wie zu den Ausstellungen der Gruppe einladen.

"Mit den Malern verbindet ihn von Anfang an eine grundsätzliche Wesensgleichheit in der künstlerischen Auffassung, die sich in der gemeinsamen Vorliebe für deutliche Konturen und flächige Formen offenbart. [...] Albert Blochs Beschäftigung mit dem Thema 'Gebirgslandschaft' schlägt sich in mehreren Wiedergaben vergleichbarer Sujets nieder. Dazu zählt neben den Werken 'Mountain' (1916) [ heute Whitney Museum of American Art, New York] wie auch 'Winter' (1918) [Spencer Museum of Art, University of Kansas, Lawrence] vornehmlich die nur in Form einer Fotografie überlieferte Fassung 'Verlassenes Dorf' [Ausst.-Kat. München 1997, op. cit., S. 70 mit Abb.] aus dem Jahr 1917. Dieses sich ebenfalls in die Höhe staffelnde Panorama mit seinen architektonischen Versatzstücken sowie linearen Baumformationen weist eine grosse Verwandtschaft zu dem nur ein Jahr früher geschaffenen Beispiel auf. Beide Kompositionen finden sich in der 'Verschmelzung von Organischem und Anorganischem, pflanzlichen Chiffren und gebauter Architektur' vereint und stehen somit Paul Klees zeitgenössischer Malerei nahe." (Ausst. Kat. "So weit das Auge reicht", Stansstad 2005, S. 18, vgl. auch Annegret Hoberg, München 1997, op. cit., S. 70/71). Nicht nur zu Klee, auch zum Werk Campendonks dieser Epoche gibt es stilistische Vergleichsmöglichkeiten.

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