Auction 910, Moderne Kunst, 28.11.2007, 00:00, Köln Lotto 321

Alexander Rodtschenko, Ohne Titel

Alexander Michailowitsch Rodtschenko, Ohne Titel, 1917, Auktion 910 Moderne Kunst, Lot 321

Gouache und Tuschfeder auf chamoisfarbenem Papier 44 x 38 cm (Rahmenausschnitt), kastenartig unter Glas gerahmt. Unten rechts mit Tuschfeder kyrillisch signiert und datiert A. Rodtschenko 1917. - Rückseitig mit dem gedruckten Aufkleber der Kunsthalle Baden-Baden versehen, darin maschinen- und handschriftlich mit dem Ausstellungstitel und der Katalognummer beschriftet. - Mit geringfügigen, oberflächlichen Kratz- und Abriebspuren im Papier.

Provenienza

Galerie Gmurzynska, Köln; Privatsammlung Rheinland

Esposizioni

Baden-Baden 1983 (Kunsthalle), Alexander Rodtschenko und Warwara Stepanowa, Kat. Nr. 23 (mit rückseitigem Rahmenaufkleber); Köln 1987 - 2006 (Museum Ludwig), private Leihgabe

Bereits im vorrevolutionären Rußland hatten in der Bildenden Kunst nonkonformistische antiakademische Richtungen auch mit der Kenntnisnahme des französischen Kunstschaffens, wie etwa den Werken von Picasso und Matisse, um sich gegriffen - Malewitsch hatte 1913 sein schwarzes Quadrat geschaffen -, und doch wurden Suprematismus und Konstruktivismus als entscheidende künstlerische Strömungen der Oktoberrevolution 1917 begriffen.

"Anfangs haben die meisten avantgardistischen Künstler, die Konstruktivisten und Suprematisten hohe staatliche Funktionen bekleidet. Sie waren damals 'offizielle' Künstler und sahen selber in der gesellschaftlichen Revolution auch die Möglichkeit der Verwirklichung der eigenen Vorstellungen. [...] ." (Peter Spielmann, Marginalien zu den politisch-künstlerischen Wechselwirkungen in der russischen Kunst der zwanziger Jahre, in: Ausst. Kat. Russische Avantgarde 1910-1930, Köln 1978 (Galerie Bargera), S. 8)

Alexander Rodtschenko hatte von 1910-1914 an der Kunstschule von Kazan studiert, wo er seine spätere Frau Warwara Stepanowa traf, und wegen der er 1914 nach Moskau zog, wo er seine Studien fortsetzte. Durch den Zugang zu verschiedenen Kunstsammlungen und Publikationen zur zeitgenössischen Kunstproduktion war er bestens über die europäische Avantgarde informiert.

In seinen Werken liegt Alexander Rodtschenkos Augenmerk auf der Wechselwirkung von Fläche und Raum, was sich auch in den beiden angebotenen Papierarbeiten von 1917 niederschlägt. Exakt mit Zirkel und Lineal gezeichnete Umrisse werden im farbigen Flächenverlauf aufgelöst, die einzelnen Figuren erhalten dadurch Tiefenräumlichkeit. Mit ihrer gegenseitigen Durchdringung entsteht der Eindruck einer Raumkonstruktion.

In dem selben Jahr, 1917, gestaltete Rodtschenko gemeinsam mit Tatlin, Jakulow u.a. das Café Pittoresque in Moskau - so entwarf er z.B. Leuchten -, und er wandte sich auch zunehmend seinem plastischen Werk zu.

"Die bereits 1917 begonnenen Experimente mit der gemeinsamen räumlichen Anordnung von Elementen aus Flächen und Linien führte Rodtschenko 1918 fort. Er setzte sich das Ziel, einen konstruktiven Gesamtzusammenhang der Elemente zu erreichen, die auf der Leinwand gleichsam einen einheitlichen räumlichen Organismus bilden sollten. Dabei hat die Form, wie Rodtschenko schrieb, 'nicht nur eine malerische, sondern auch eine konstruktive Verbindung'. Im gleichen Jahr schuf Rodtschenko seine erste Serie von Raumkonstruktionen: vertikale räumlich-konstruktive Kompositionen aus ineinander greifenden Flächen verschiedener Formen. Diese Arbeiten können auseinander genommen und wieder zusammengesetzt werden, in zerlegtem Zustand kann man sie sehr kompakt aufbewahren, weil alle Einzelteile flach sind." (Selim D. Khan-Magomedov, Alexander Rodtschenkos Raumkonstruktionen, in: Ausst. Kat. Duisburg/Köln 2002 (Lehmbruck-Museum/Galerie Gmurzynska), Rodchenko, S. 19 f.)

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