Auction 882, Moderne Kunst, 03.12.2005, 00:00, Köln Veilingitem 973

Franz Wilhelm Seiwert, Demonstration

Franz Wilhelm Seiwert, Demonstration, 1925, Auktion 882 Moderne Kunst, Lot 973

Öl auf Leinwand ca. 68 x 89 cm, gerahmt. Oben am Rand rechts der Mitte schwarz monogrammiert und datiert FWS/25: Rückseitig auf der Leinwand oben links von Gerd Arntz schwarz beschriftet "F.W. Seiwert/Köln 1925/ "Demonstration" sowie unten rechts bezeichnet "Eigentum von/G. Arntz/Den Haag". - Auf dem Keilrahmen oben mit zwei Ausstellungsaufklebern.

Bohnen 69

Herkomst

Gerd Arntz, Den Haag; Galerie Gmurzynska-Bargera; Rheinische Privatsammlung

Exposities

Den Haag [?] (Haags Gemeente Museum) (mit rückseitigem Aufkleber); Köln 1971 (Galerie Gmurszynska-Bargera), Deutsche Avantgarde 1915-1935, Nr. 177 mit Abb.; Köln 1978 (Kölnischer Kunstverein), Franz W. Seiwert, Leben und Werk (mit rückseitigem Aufkleber)

Literature

Der Sturm, XIX. Jg. Heft 2/3, Berlin 1928/1929, S. 216 mit Abb.; "a bis z", Heft 26, Köln 1932 mit Abb. (Ausschnitt); Gerd Arntz/August Tschinkel (Hg.), f.w. seiwert-gemälde-grafik-schriften, Prag 1934, S. 41 (Ausschnitt); C.O. Jatho, Franz W. Seiwert, Recklinghausen 1964, S. 39 mit Abb. ("Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Polizei"); Uli Bohnen, Franz W. Seiwert, Leben und Werk, Ausst. Kat. Köln/Münster/Berlin/Ludwigshafen 1978, S. 14 (Abb. der Seite von "a bis z")

Das vorliegende Werk gehörte Gerd Arntz, dem Freund und künstlerischen Weggefährten Seiwerts, der nach dem Tode des Künstlers 1933 es offenbar in die Emigration retten konnte. Im August 1934 hatte Arntz mit seiner Familie Deutschland verlassen und lebte seitdem in Den Haag.

Ein schon 1922 entstandener Linolschnitt "Bürger und Arbeitslose", später Titelblatt von "Die Aktion" (XV. Jg. Heft 11, Berlin 1925, vgl. Bohnen 289, auch Abb. 16, S. 31), gibt die Komposition des vorliegenden Gemäldes vor: in der Graphik links mit einem bürgerlichen Paar im Profil vor einem frontalen Block hintereinandergestaffelter Arbeitnehmer, hier noch deutlich unterschieden als Arbeiter und Angestellte mit Melone, Anzug, gescheiteltem Haar, im Gemälde formal abstrahiert zu anonymen wie erhabenen Chiffren menschlicher Figur.

Seiwerts "Bestreben, soziales Ethos mit konstruktiv abstrakten Mitteln vorzutragen, wurde ermutigt von einer damals schon paneuropäisch gewordenen, der Expression die Konstruktion entgegensetzenden Bewegung. Durch russische - Lissitzky, Malewitsch, Jawlenksy - doch stärker noch durch holländische Maler - Theo van Doesburg und Piet Mondrian - fühlte er sich als Künstler bestätigt und als politischer Mensch insofern nicht allein gelassen, als ihm die Sprache dieser Kunst als solche einzig legitim dünkte, auch inhaltlich-politisch sich in ihr auszudrücken. (...) Mehr und mehr denn nahmen die Bildkonstruktionen den Charakter präziser Formulierungen an, denen zufolge die künstlerische Aussage die thematische zeitgültig sinnfällig machte. Hand in Hand hiermit ging die Bevorzugung der Grundfarben Rot, Blau, Gelb und der Nichtfarben Schwarz und Weiß, dazu der Zusammensetzungen Grün, Braun und Grau, wobei die Vermählung von Gelb und Blau, d.h. ein gesättigtes Grün, gleichsam Besänftigung, Begütigung, Neutralisierung des selbst in kleinen Flächen bereits gefährlichen Rot bewirkte. Und da Luftperspektive, Schein von Rundungen, illusionistische Modellierung, 'Karnation' usw. immer mehr nur andeutend und sporadischer werden zugunsten der Eintragung klarer, völlig integrer Farbsegmente ins Kompositionsgerüst, so gewinnt seine Malerei zusehends an musivisch differenzierter, wandbildhafter Wirkung - zugunsten auch des sozialen Stoffs." (Karl Jatho, Franz Wilhelm Seiwert, Recklunghausen 1964, S. 13/14)

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