Sigmar Polke - Komposition

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Sigmar Polke

Komposition
1967

Aquarell auf dünnem glatten Maschinenpapier. 84,5 x 60,5 cm. Unten rechts signiert und datiert S. Polke 67

"In einer Reihe von Arbeiten zum Thema 'Moderne Kunst' wird Polkes Ungehorsam explizit. Seine parodistischen Erfindungen greifen die lyrische abstrakte Kunst à la Kandinsky an, die figürliche Verzerrung à la Picasso, die geometrische und minimalistische Kunst und selbst die amerikanische Malerei der Nachkriegszeit. [...] Als er [Polke] zu Beginn der sechziger Jahre nach seiner eigenen künstlerischen Identität suchte, stellte er fest, daß keines der verfügbaren Modelle der gegebenen Situation entsprach. [...]. Der Realismus war im Bewußtsein der Künstler jener Generation durch den sozialistischen Realismus faschistischer und kommunistischer Prägung verdorben. Die abstrakte und die informelle Kunst galten als ausländische Kunstrichtungen und als formalistisch, wurden mit Amerika oder der Pariser Schule identifiziert. Der Expressionismus bot sich als eine Lösung an, als eine Möglichkeit, den deutschen Expressionismus zu verteidigen, den Hitler als entartet geächtet hatte. Doch für Polke stellte keine dieser Alternativen eine brauchbare Lösung dar, da sie alle auf dem Gedanken einer historischen Kontinuität beruhten. Im Licht der moralischen und physischen Verwüstungen des Krieges erschien ihm, wie vielen anderen Deutschen in der Nachkriegszeit, die Vorstellung der Kontinuität als untragbar. Im Gegenteil: die schöpferische Tätigkeit, ihre Themen und ihre Techniken sowie die Funktion der Kunst überhaupt bedurften einer radikalen Neudefinition." (Margit Rowell, Sigmar Polke, Strategien der Subversion, in: Margit Rowell, Sigmar Polke, Arbeiten auf Papier 1963-1974, Ausst.Kat. Hamburger Kunsthalle, 1999, S. 15/16).

Provenance

Galerie René Block, Berlin. Deutsche Privatsammlung

Exhibitions

Berlin 1971 (Galerie René Block), Entwürfe, Partituren, Projekte: Zeichnungen, mit Abb.

Lot 368 Dα

Estimate:
35.000 € - 40.000 €

Result:
91.630 €