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Auction 889, Alte Kunst, 20.05.2006, 00:00, Köln Veilingitem 1247

, KINDERMORD VON BETHLEHEM.

 KINDERMORD VON BETHLEHEM., 1701, Auktion 889 Alte Kunst, Lot 1247
 KINDERMORD VON BETHLEHEM., 1701, Auktion 889 Alte Kunst, Lot 1247
 KINDERMORD VON BETHLEHEM., 1701, Auktion 889 Alte Kunst, Lot 1247
 KINDERMORD VON BETHLEHEM., 1701, Auktion 889 Alte Kunst, Lot 1247

Elfenbein, geschnitzt. Auf der Rückseite am rechten Rand ein kurzes Stück des bräunlichen Zahnhohlraumes. Querrechteckige Darstellung mit formatfüllenden Figuren, wobei die räumlich gestaffelten und sich überschneidenden Figurengruppen wohl nach Einzelvorlagen gestaltet sind und sich zu einer bewegten Gesamtkomposition fügen. Der Hintergrund wird von einer im sehr flachen Relief gestalteten Landschaft mit Bergen und Wolken gebildet, die am linken Bildrand von einer Baumgruppe abgeschlossen ist. Die kleinen Baumblätter sind charakteristisch wie flächige Plättchen übereinandergeschoben; die gesamte Oberfläche auch der leicht vorkragenden Standfläche wird zudem durch feinste Kreuz- und Parallelschraffen lebendig strukturiert. Zur Linken und in der Mitte sind zwei Soldaten mit erhobenem Messer und Schwert zu sehen, die den flehenden Müttern ihre nackten Kinder entreißen, zur Rechten trauert eine weitere Mutter um ihre bereits getöteten Zöglinge; diese Gruppen sind zum Teil hinterschnitzt und beinahe vollplastisch vom Grund des Reliefs abgehoben. Die weiteren Gruppen im Mittelgrund - eine vor einem Soldaten fliehende Mutter sowie ein Soldat mit einem Kind, der von einer händeringenden Frau verfolgt wird - sind dagegen in flacherem Relief gestaltet. Der "Kindermord von Bethlehem" ist anhand seiner Ausarbeitung (Gestaltung der Landschaft und ihrer Oberflächen) und seiner Details (Physiognomien der Frauen, Darstellung der Bäume) als Werk von Dominikus Stainhart (1655-1712) und seiner Werkstatt anzusprechen und aufgrund seiner Reliefschichtung durch die gestaffelten Figurengruppen in die Jahre um oder bald nach 1700 zu datieren. Nach Jahren in Italien gemeinsam mit seinem Bruder Franz I. Stainhart kehrte Dominikus Stainhart 1682 nach Süddeutschland zurück, um sich 1690 in München niederzulassen; die in den folgenden Jahren entstandenen Werke Stainharts und seiner Werkstatt sind dem "Kindermord von Bethlehem" an die Seite zu stellen.

Rechte obere Ecke geringfügig bestoßen, sonst tadellos. Geringfügige und nur kleinflächige Bräunungen in einzelnen Vertiefungen und auf dem Arm des Soldaten links. H 10,2 cm; B 19,5 cm; T 2,3 cm.

DOMINIKUS STAINHART UND WERKSTATT, MÜNCHEN um 1700/1705.

Herkomst

Auktion Christie´s (London) 13.4.1983, Lot 43. - Deutsche Privatsammlung.

Literature

Zu den Werken Dominikus Stainharts und seiner Werkstatt siehe Christian Theuerkauff, Baroque Ivory Sculptures - New Attributions to Adam Lenckhardt and Dominikus Stainhart, in: Antichità viva 10, Heft 2, 1971. - Christian Theuerkauff, "Kunststückhe von Helfenbein" - Zum Werk der Gebrüder Stainhart I, II, in: Alte und Moderne Kunst 17, Heft 124/125, 1972. - Hans-Ulrich Kessler, Die Elfenbeinreliefs aus der Werkstatt der Gebrüder Stainhart, in: Stadtmuseum Münster - Elfenbein, Alabaster und Porzellan aus der Sammlung des fürstbischöflichen Ministers Ferdinand von Plettenberg und der Freiherren von Ketteler, hg. von der KulturStiftung der Länder (Patrimonia 193), Münster 2001, S. 48-73.

Trefwoorden

Skulptur/Plastik

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