Auction 842, , 28.05.2003, 10:30, Cologne Lot 752

Max Liebermann, Jäger in den Dünen

Max Liebermann, Jäger in den Dünen, 1913, Auktion 842 Moderne Kunst, Lot 752

Öl auf Leinwand 50,5 x 68,5 cm, gerahmt. Unten links in Braun signiert M Liebermann. - Rückseitig auf dem Keilrahmen oben rechts mit altem Papieraufkleber und handschriftlichem Eintrag in Tinte "No. 12996/Liebermann/Jäger in den Dünen/1913".¶

Eberle 1913/33

Provenance

Paul Cassirer, Berlin; Henry P. Newman, Hamburg; Maria Newman, Hamburg (1917-1942); Marie-Louisa Elmenhorst, geb. Newman (bis 1952); Gisela Elmenhorst, Paris (bis 1983); Hauswedell & Nolte, Hamburg 1983; Privatbesitz Süddeutschland

Literature

Erich Hancke, Max Liebermann. Sein Leben und seine Werke, Berlin 1914, S. 547 (vgl. Werkkatalog, vermutlich das zuletzt für das Jahr 1913 aufgeführte Werk mit dem Titel "Dünenlandschaft")

Hatte Hancke zur Produktion des Jahres 1913 schon bemerkt, daß das "vorzüglichste Ergebnis des Sommers Zeichnungen waren, die durch Kühnheit und Einfachheit hervorragen" (zitiert nach Ausst. Kat. Max Liebermann in seiner Zeit, Berlin/München 1979/1980, S. 626), man vergleiche vor allem die entstandene Skizze zum vorliegenden Motiv des Jägers in den Dünen von Noordwijk/Holland, so zeichnet sich die Malerei dieser Zeit nicht weniger durch eine unglaubliche Freiheit und Sicherheit der Handhabung in der eingesetzten Mittel aus. In ihrer Qualität und Reife gehört sie zu den Höhepunkten des deutschen Impressionismus und zum Besten, was Liebermann überlieferte.

Ton und Atmosphäre der Dünenküste sind ideal getroffen, wobei der Natureindruck sinnlich vermittelt wird durch breite, fast gespachtelt wirkende Pinselzüge, die in ihrer Heftigkeit und in ihrem Rhythmus die vom Wind verwehten Wolken, die Dünen und die Bewegungen des hohen Dünengrases übersetzen und darstellen. Der teilweise in seiner rauhen Leinwandstruktur durchschimmernde Malgrund wirkt "sandig", die pastosen Farbstege bilden in ihrer Plastizität und lichtbrechenden Wirkung die Illusion von räumlicher Weite und fernen Horizonten. So gewinnt das an sich so schlichte Motiv eine phantastische Dynamik und innere Spannung. Scheint die Palette auf Grün-, Braun- und Blauwerte beschränkt, sind die Töne doch reich entwickelt, die Farbschlieren setzen sich zusammen, auch mit kontrastierenden hellen Werten von Gelb und Orange, um alles perfekt einzubinden und aus einer gewissen Distanz gesehen zur Landschaft zusammenzuschließen. Hancke beschrieb 1914 in seiner ersten Monographie Liebermanns Malweise:

"Er mischte seinen Ton schnell und fast ohne hinzusehen, setzte ihn mit einem energischen Hieb auf die Leinwand und rannte sechs Schritt zurück, um die Wirkung zu beurteilen. Da er den Pinsel sehr voll Farbe nahm und auf der Palette nicht fest durcheinandermischte, konnte er eigentlich niemals genau wissen, was er darin habe, und seine Malerei war immer ein Benutzen von Zufälligkeiten. Er übermalte dieselbe Stelle sehr oft, und mit der Zeit häufte sich die Farbe in erschreckender Weise an. Dann nahm er sein scharfes Schustermesser und schnitt die dicke Ölfarbe herunter, manchmal einen Zentimeter stark. (...) Möglich wurde diese Kunst allerdings nur durch sein eminentes Verständnis der Form. Nur wer so vorzüglich zeichnen konnte, durfte sich in solche Fluten von Ölfarbe stürzen, ohne sich zu verlieren." (Hancke, op.cit., S. 307)

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