Auction 882, , 03.12.2005, 00:00, Cologne Lot 789

Ernst Ludwig Kirchner, Zwei Akte im Walde

Ernst Ludwig Kirchner, Zwei Akte im Walde, 1927, Auktion 882 Moderne Kunst, Lot 789

Mischtechnik auf festem, mit einem geschliffenen Kreideüberzug versehenen Zeichenpapier 49 x 36 cm, unter Glas gerahmt. Rückseitig unten links mit dem Stempel "NACHLASS ERNST LUDWIG KIRCHNER" (Lugt 1570 b) und der mit Tinte eingetragenen Nachlaß-Nr. "A Da / Bf 27" versehen.

Bei keinem neueren Künstler - auch nicht des Brücke-Kreises - ist die Grenze zwischen Zeichnung und Bild so fließend wie bei Ernst Ludwig Kirchner, ist die in den sogenannten Dresdner "Viertelstunden-Akten" gelernte Konzentration auf das Motiv derart durchgängig und konsequent beibehalten und kultiviert. Zeichnen war das Lebenselement, mit dem Kirchner sich und seine Kunst darstellte und das ihn charakterisierte. Es beschäftigte ihn so sehr, daß er sich sogar unter Pseudonym in die aktuelle Kunstdebatte seiner Zeit einschaltete und als "Louis de Marsalle" in mehreren veröffentlichten Aufsätzen sowie mit unglaublichen Eingriffen in die Texte des ihm wohlgesonnenen Kunsthistorikers Will Grohmann eine Analyse seiner eigenen Zeichenkunst darlegte, die er theoretisch zu untermauern versuchte, indem er den Begriff der "Hieroglyphe" für die im rauschhaft-schnellen "exstatischen" Zeichnen geschaffenen Blätter verwendete. Alle diese rastlosen Bemühungen, in fast 200 Skizzenbüchern und über 10.000 Zeichnungen dokumentiert, dienten der Entwicklung der Form, mit der er den Anspruch an die Schaffung einer neuen deutschen Kunst begründete. Wären die durch politische Wirren gekennzeichneten Jahre zwischen dem Ende der Brücke-Gemeinschaft und den kunstfeindlichen Aktivitäten der Nationalsozialisten geordneter und ruhiger gewesen, hätte Kirchner zweifellos sein großes Ziel erreicht.

Der Zusammenhang zwischen Zeichnung und bildnerischer Form bei Ernst Ludwig Kirchner läßt sich auch mit der vorliegenden Arbeit "Zwei Akte im Wald" exemplarisch belegen. Seine "alle Zeitgenossen überragende Leistung ruht in seinen Kompositionsformen und Bildkonstruktionen". (Karlheinz Gabler, in: Ausst. Kat. E.L. Kirchner, Zur Wiederkehr des 100. Geburtstages, Aschaffenburg/Karlsruhe/Essen 1980/1981, S. 21). Eine einfache Beobachtung wird meisterlich in das Format gebracht und mit einer sensibel Licht und Schatten dirigierenden Regie realisiert. Der Einsatz der technischen Bildmittel ist dann zweitrangig bei der Entstehung solcher vollendet bildmäßigen Schöpfungen.

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