Auction 909, Old Masters, 17.11.2007, 00:00, Cologne Lot 1218

Abraham Janssens, ALLEGORIE DER VIER ELEMENTE.

Abraham Janssens, ALLEGORIE DER VIER ELEMENTE., Auktion 909 Alte Kunst, Lot 1218
Abraham Janssens, ALLEGORIE DER VIER ELEMENTE., Auktion 909 Alte Kunst, Lot 1218

Öl auf Holz (parkettiert). 50,4 x 64,4 cm.

Provenance

Süddeutsche Privatsammlung.

Literature

Joost Vander Auwera: Abraham Janssens, Unveröff. Diss. Univ. Gent 2003, S. 804-805.

Die „Allegorie der vier Elemente“ stellt die verkleinerte, höchst qualitätvolle Replik eines größeren Gemäldes dar, das Abraham Janssens 1608 geschaffen hat und 166 x 200 cm misst (vgl. Abb.). Diese ursprüngliche Fassung befand sich einst in einer Brüsseler Privatsammlung, seit ihrer Versteigerung1936 ist ihr Verbleib jedoch unbekannt (vgl. Joost Vander Auwera, op. cit., S. 804-805). Die vorliegende Replik lässt sich auf die Jahre 1616/1617 datieren. Ihre Eigenhändigkeit kann aufgrund der hohen Qualität und aufgrund stilistischer Merkmale als gesichert gelten; als eigenhändige Replik wird sie in das von Joost Vander Auwera verfasste Gesamtwerkverzeichnis aufgenommen werden.

Die vier Elemente - Erde, Wasser, Luft und Feuer - sind in einer friesartigen Komposition angeordnet. Abraham Janssens folgt in ihrer Darstellung weitgehend der ikonographischen Tradition und legt ihr insbesondere die von Künstlern ausgiebig konsultierte, 1584 erstmals erschienene „Iconologia“ Cesare Ripas zugrunde:

- Die Erde ist als reich gewandete, sitzende alte Frau mit einer Stadtkrone und einem Füllhorn dargestellt. Sie wird durch eine alte Frau mit einem zerfurchten, faltigen Gesicht personifiziert, weil sie die „Große Mutter aller Lebewesen“ ist („si fà matrona, per essere ella da i Poeti chiamata gran madre di tutti gl´animali…“).

- Neben ihr sehen wir eine junge weibliche Figur, auf einem Felsen sitzend, mit einer Schilfkrone und einem Zepter als Personifikation des Wassers. Mit ihrem Zepter lässt sie aus dem Felsen Wasser strömen, das den Fischen zu ihren Füßen Leben spendet. Krone und Zepter stehen ihr zu, weil das Wasser Grundlage allen Lebens ist („perchè non si trova elemento alla vita humana (…) più necessario dell´acqua…“).

- Es folgt die Personifikation der Luft, ein weibliches Wesen mit Schwingen, das auf einer Wolke sitzend von einem Regenbogen hinterfangen und von einem Pfau begleitet wird („tenga in mano un bel pavone“), dem Attribut der Juno, Göttin der Lüfte („Giunone Dea dell´aria“).

- Am rechten Bildrand sehen wir das Feuer, durch einen Jüngling bzw. durch den Kriegsgott Mars personifiziert, der uns den Rücken zuwendet. Er hockt auf einer feuerspeienden Kanone und trägt einen Helm, der mit einem Feuersalamander verziert ist. (Vgl.: Cesare Ripa: Iconologia, Rom 1603, S. 121-126.)

Abraham Janssens „Allegorie der vier Elemente“ ist eine bewusste Zurschaustellung der eigenen künstlerischen Fähigkeiten, insbesondere der Fähigkeit zur Erfindung schöner weiblicher Akte. Mit der Personifikation des Wassers hat Janssens einen Akt geschaffen, dem eine schönlinige, sanft geschwungene Kontur und zugleich eine plastische Monumentalität zu Eigen ist. Die Personifikation der Luft mit ihrem antikischen Kopf, der leichten Neigung ihres Oberkörpers und der Weichheit ihrer Haut (sichtbar etwa an den Falten auf ihrem Bauch) steht dieser an Schönheit nicht nach. Janssens steigert den Effekt der Schönheit dieser Akte im Zentrum des Bildes, indem er der jungen Personifikation des Wassers die alte Frau entgegensetzt oder der hellen, weichen Haut der Luft das dunkle Inkarnat und das verschattete abgewandte Gesicht des Feuers. Diese malerischen Qualitäten wurden von damaligen Betrachtern gesehen und gewürdigt, wie man aus zeitgenössischen Äußerungen weiß.

Die Akte verdanken ihre Schönheit und Monumentalität dem Studium der Kunst der Antike und der Hochrenaissance, die Janssens während seines Italienaufenthaltes kennen lernte und deren Kenntnis er nun vorführt. Raffaels Grazien aus der Farnesina, Michelangelos Ignudi von der Sixtinischen Decke, die Venus Medici oder der Torso von Belvedere: auf ihnen gründet Janssens die Gestaltung seiner Akte und demonstriert auf diese Weise, dass er sich des klassischen italienischen Kunstidioms zu bedienen weiß. Diese künstlerischen Referenzen zeigen im Übrigen, dass Janssens während seines Romaufenthaltes offensichtlich weniger vom Caravaggismus beeinflusst wurde, wie die kunsthistorische Forschung lange Zeit meinte, sondern eher von den klassizistischen Tendenzen der italienischen Kunst. Zur Darbietung der eigenen künstlerischen Leistungsfähigkeit gehört auch das fein gemalte, die Textur der unterschiedlichen Früchte darstellende Füllhorn in der Art des Frans Snyders, mit dem Janssens auch sein Können als Stilllebenmaler vorführt.

Als Abraham Janssens 1608 die monumentale Komposition der Allegorie der vier Elemente schuf, war er der führende Maler Antwerpens. Ein Jahr zuvor hatte er den prestigeträchtigen Auftrag seiner Heimatstadt erhalten, die „Allegorie der Schelde“ für das Antwerpener Rathaus zu malen. Die Allegorie der vier Elemente dürfte seinerzeit wie das Rathausbild großes Aufsehen erregt haben. So ist auch zu erklären, dass Abraham Janssens fast ein Jahrzehnt später diese eigenhändige, sorgfältig gemalte Replik schuf, bei der es sich um ein Kabinettbild für eine der zahlreichen Antwerpener Sammlungen gehandelt haben dürfte.

Our website uses cookies. More information can be found in our data protection. OK