Auction 847, Moderne u. Zeitgenössische Kunst, 26.11.2003, 00:00, Köln Veilingitem 758

Edmund Kesting, Komposition in Schwarz

Edmund Kesting, Komposition in Schwarz, 1922, Auktion 847 Moderne u. Zeitgenössische Kunst, Lot 758

Öl und Öltempera auf grobem Rupfen 72,5 x 70,4 cm, unten rechts in Weiß signiert und datiert Kesting 22. Rückseitig auf dem Keilrahmen unten zusätzlich schwarz signiert E. Kesting mit der Zufügung Berlin, sowie oben rechts mit kräftigem Bleistift beschriftet Sturmausstellung 1923 und mit altem Nummernaufkleber ("2320"). - Die Leinwand rückseitig unvollendet mit abstrakter Anlage geschwungener, farbiger Pinselzüge.

Herkomst

Gerda Kesting; Galerie Gmurzynska-Bargera, Köln (1972); Privatsammlung Atlanta, USA

Exposities

Berlin 1923 (Der Sturm); Berlin 1961 (Schloß Charlottenburg Orangerie), Der Sturm - Herwarth Walden und die Europäische Avantgarde, Berlin 1912-1932, Kat. S. 88, Nr. 175 (o. Abb.); Köln 1971 (Galerie Gmurzynska-Bargera), Deutsche Avantgarde 1915-1935, außer Katalog; Mönchengladbach 1972 (Städtisches Museum), Rationale Spekulationen, Kat. Nr. 114 mit Abb.

Die künstlerische Stellung Edmund Kestings in den zwanziger Jahren und die Bedeutung seines Werks dokumentieren nicht nur seine Verbindungen zur russischen Avantgarde (El Lisstizky bemühte sich, ihn für das Bauhaus zu gewinnen), sondern auch Erfolge auf internationaler Ebene durch Ausstellungsbeteiligungen in Moskau oder in New York, wo er 1926 auf der "International Exhibition of Modern Art" im Brooklyn-Museum zusammen mit Max Ernst, Willi Baumeister, Kurt Schwitters, Heinrich Hoerle, Molzahn, Seiwert und Vordemberge-Gildewart vertreten war. Die Kontakte hatte Herwarth Walden vermittelt, mit ihm und dessen Kreis um die Galerie "Sturm" war er engstens verbunden. 1923 hatte Kesting dort seine erste größere Ausstellung, in ihr war auch das vorliegende Gemälde "Komposition in Schwarz" zu sehen.

Der gebürtige Dresdner hatte nach dem 1. Weltkrieg sein früher begonnenes Studium an der Dresdner Akademie wieder aufgenommen. Schon 1920 ist seine Beschäftigung mit den neuen und abstrakten Tendenzen der Zeit offensichtlich, er entwickelt konstruktivistische Bilder, seine sog. "Bild-Bau-Werke", dreidimensional angelegte Leinwandmalerei und Schnittcollagen. Die praktische wie wohl auch theoretische Beschäftigung mit bildnerischen Problemen führte ihn 1919/1920 zur Gründung einer eigenen privaten Kunstschule, die er "Der Weg" nannte: "Die Orientierung ihres Ausbildungsprogramms auf Kompositionslehre, Bild- und Raumordnung öffnete sie für konstruktivistische Tendenzen, in denen sich Beziehungen zum Bauhaus wie zum internationalen Kubo-Futurismus offenbarten" (Guenter Roese (Hg.), Edmund Kesting - Im Licht des Nordens, Berlin 2003, S. 8). Arbeiten von Edmund Kesting aus dieser Zeit sind außerordentlich rar, da er in späteren Jahren, von der Gestapo heimgesucht, frühe Werke und Unterlagen vernichtet haben muß.

Die vorliegende Komposition in fast quadratischem Format zeichnet sich aus durch den spannungsvollen Gegensatz elementarer geometrischer Formen, Kreis und Dreieck, die aufeinanderstoßen und sich als Flächen unterschiedlicher Struktur überlagern. Sie scheinen nicht nur in Bewegung durch die Verschiebungen in den zentralen Bildachsen und durch diagonale, prismenartige Verstrebungen, sondern sie gewinnen haptische, raum-körperliche Qualitäten durch das pastoses Relief einerseits, durch unbestimmte Tiefendimensionen, die fast als "kosmisch" assoziiert werden, andererseits. Diese Bildtiefe wird maßgeblich erzeugt durch die Farbgebung und die Verteilung der farbigen Elemente auf einem dunklen Fond, der die chromatischen Hell-Dunkel-Verläufe in ihrer Nuance und Dichte erst zum Leuchten und zur Wirkung bringt. Thematisiert ist nicht nur eine Komposition und Verteilung abstrakter Geometrien, sondern darüber hinaus sind die entscheidenden Farbansätze der Malerei magische Punkte des Lichts im Schwarz, das hier gewagt wird.

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