Heinrich Campendonk - Die Muse

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Heinrich Campendonk

Die Muse
Um 1918

Öl auf Holz 37,5 x 29,5 cm - Der linke Rand mit zwei kürzeren schmalen Absplitterungen.

Nach dem tief betrauerten Tod des ihm wesensverwandten Franz Marc zog Heinrich Campendonk von Sindelsdorf nach Seeshaupt am Starnberger See, wo er eine ruhige Zeit abseits allen Kriegsgeschehens und Kunstbetriebes zubrachte. Trost in dieser Isolation, da er sich auch mit Herwarth Walden, dem Gründer der Galerie "Der Sturm", zerstritten hatte, waren ihm die Besuche von und bei Paul Klee, der in München wohnte und in Possenhofen, einem Nachbarort von Seeshaupt, zu zahlreichen Ferienaufhalten weilte. "Zauberhafte Dinge sah man ständig bei Klee" notierte er einmal (Brief Nr. 223 vom 14.4.1920, zitiert nach Andrea Firmenich, Heinrich Campendonk, Recklinghausen1989, S. 36).
Daß es sich bei der vorliegenden Arbeit nicht um ein konkretes Portrait handelt (Campendonk hat in dieser Zeit nur sehr wenige geschaffen) belegen die strenge, fast stilisierte Auffassung, und der ernste, nach innen gekehrte Blick. "Mystisch", "lyrisch", "zeitlos" sind nur einige der Begriffe, mit denen die Kunstkritik das rätselhafter werdende Werk Campendonks umschrieb, das sie in ihren Bann zog und das sie dennoch nicht uneingeschränkt zu verstehen vermochte. Dabei scheint das Gemälde "Die Muse" schon überzuleiten zu den mehr monochromen, in der Farbigkeit deutlich reduzierten Bildern der Jahre 1919 bis 1922. Als Ausdruck der durch die Isolation begründeten wesensmäßigen Veränderung nehmen Campendonks Werke nun tatsächlich lyrisch-weiche Züge an, verliert sich das kubo-futuristisch Gebrochene, Gestaffelte und Prismatische des bisherigen Werks zugunsten eines mehr verschlüsselten persönlich-biographischen Gehalts.

Catalogue Raisonné

714 Firmenich

Provenance

Privatsammlung Rheinland

Lot 52 D

Estimate:
30.000 € - 35.000 €

Result:
83.300 €