Die Geschichte eines Meisterwerks

Was uns die Rückseite von Georges de La Tours „Fillette au braisier“ erzählt

Die Vorderseite eines Gemäldes vermittelt dem Betrachter die Schönheit eines Meisterwerks, die Rückseite aber erzählt von seiner Geschichte. Wir blicken auf Georges de La Tours „Fillette au braisier“, dem Spitzenwerk der Sammlung Bischoff, und die Etiketten auf dem Keilrahmen des Bildes, die uns die Stationen seiner Ausstellungshistorie zeigen.

 

Nationalmuseum Stockholm 1950: Der Beginn der Ausstellungshistorie

Die Schau französischer Kunst im Nationalmuseum in Stockholm 1950 war die erste in der langen Ausstellungshistorie des Meisterwerks. Erst zehn Jahre zuvor, 1940, war „Fillette au braisier“ in Toulouse entdeckt worden. Einige Jahre später wurde das Gemälde in den Courtauld Galleries in London naturwissenschaftlich analysiert – und die Autorschaft Georges de La Tours bestätigt. Bei der Georges de La Tour-Retrospektive des Louvre 1972 wurde das Gemälde zwar (noch) nicht gezeigt; im Ausstellungskatalog wurde das Gemälde jedoch als spätes eigenhändiges Meistwerk Georges de La Tours gewürdigt.

 

Dauerleihgabe Kunsthalle Bremen: Der Sammler als bürgerlicher Mäzen, 1976-1980

Hinrich Bischoff stammte aus Bremen, der norddeutschen Stadt mit einer langen Tradition bürgerlichen Sammler- und Mäzenatentums. Sichtbares Zeichen dieses Kunstengagements ist die Kunsthalle Bremen mit ihrer bedeutenden Sammlung moderner Kunst, aber auch alter Meister  – so verwundert es nicht, dass das Ehepaar Bischoff, stets großzügig bei Leihgaben für Museen, das Gemälde kurz nach seinem Erwerb der Kunsthalle Bremen als Dauerleihgabe überließ, von 1976 bis 1980. Ob sie es wohl in dieser Zeit vermisst haben?

 

Réunion des Musées Nationaux, Grand Palais, Französische Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts aus deutschen Sammlungen“, Paris 2005

Dieses Etikett ist ein Ritterschlag für jedes Meisterwerk, denn es ist das Etikett der nationalen Kunstmuseen Frankreichs, zu denen auch der Grand Palais und der Louvre in Paris zählen. 2006 kuratierte Pierre Rosenberg, langjähriger Direktor des Musée du Louvre, die Ausstellung im Grand Palais, die einen Überblick über den reichen Bestand klassischer französischer Malerei in deutschen Sammlungen bot. Es war das zweite Mal, dass „Fillette au braisier“ in der bedeutendsten Ausstellungsinstitution Frankreichs gezeigt wurde. 1997 war das Werk in der großen Georges de La Tour-Retrospektive des Louvre zu sehen. Für Pierre Rosenberg, der gemeinsam mit Jean-Pierre Cuzin auch diese Retrospektive kuratierte, war die „Filette au Braisier“ eine alte Bekannte, mit der er sich seit den frühen 1970er Jahren wissenschaftlich beschäftige. Sein Eintrag im Ausstellungskatalog von 2006 liest sich wie eine kleine Hymne auf das Gemälde: „La beauté rustique du modèle, la source lumineuse unique, la simplification des formes, tout fascine dans ce petit chef-d´œuvre.“

Bundeskunst- und Ausstellungshalle Bonn, „Französische Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts aus deutschen Sammlungen“, 2006

Die Ausstellung „Französische Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts aus deutschen Sammlungen“ wurde auch in der Bundeskunst- und Ausstellungshalle in Bonn gezeigt, der nationalen Ausstellungsinstitution, in der sich Deutschland der Welt als Kunst- und Kulturnation präsentiert. Zum ersten Mal brachte die Ausstellung die beiden einzigen eigenhändigen Werke Georges de La Tours in Deutschland zusammen: Das poetische Spätwerk „Fillette au braisier“ der Sammlung Bischoff und das kraftvolle Frühwerk „Die Erbsenesser“, das sich in der Berliner Gemäldegalerie befindet. Interessanterweise erwarben die Staatlichen Museen zu Berlin das Gemälde erst 1976 – ein Jahr nach dem Ehepaar Bischoff „ihren“ Georges de La Tour.

 

Lempertz Köln, Auktion 1164 - Meisterwerke der Sammlung Bischoff, 8. Dezember 2020, 17 Uhr

Georges de La Tours „Fillette au braisier“ ist mehr als 370 Jahre alt, vor 80 Jahren wurde es wiederentdeckt, 45 Jahre lang befand es sich in der Sammlung Bischoff. Wenn das Gemälde am 8. Dezember 2020 als Lot 11 der Auktion bei Lempertz zum Aufruf kommt, wird es vielleicht das letzte Mal sein, dass es auf dem Kunstmarkt angeboten wird. Wer immer das Meistwerk erwerben wird, ein öffentliches Museum oder ein Privatsammler, es wird in Zukunft auch das Etikett von Lempertz tragen –ein wenig macht es uns stolz, auch wenn wir wissen, dass wir uns bald wieder von der „Fillette au braisier“ werden verabschieden müssen.   

Georges de La Tour - Gemälde in der Auktion

Auktion 1168 - Meisterwerke der Sammlung Bischoff

Alte Kunst
Dienstag 08. 12 2020, 17:00
Lot 1 - 22
Auktion 1168
Auktion
Köln

Dienstag, 8. Dezember 2020, 17 Uhr

Wir bitten Sie, möglichst telefonisch oder online mitzubieten.

Die Auktion wird auf www.lempertz.com übertragen.
Sie können auch online mitbieten.
Bitte registrieren Sie sich dafür 48 Stunden vor der Auktion.

Kunsthaus Lempertz
Neumarkt 3
50667 Köln
T+49.221.925729-0
F+49.221.925729-6
Vorbesichtigung
Vorbesichtigung Köln

Freitag 27. November, 10 – 17.30 Uhr
Samstag 28. November, 10 – 16 Uhr
Sonntag 29. November, 11 – 16 Uhr
Montag 30. November – Freitag 4. Dezember, 10 – 17.30 Uhr
Samstag 5. Dezember, 10 – 16 Uhr
Sonntag 6. Dezember, 11 – 16 Uhr
Montag 7. Dezember für auswärtige Besucher nach Voranmeldung

Vorbesichtigung nach Terminvereinbarung.