Auktion 1051, Moderne Kunst, 29.05.2015, 18:00, Köln Lot 231

Pablo Picasso, Jeune Fille. Verso: Étude pour Saltimbanque

Pablo Picasso, Jeune Fille. Verso: Étude pour Saltimbanque, 1905, Auktion 1051 Moderne Kunst, Lot 231
Pablo Picasso, Jeune Fille. Verso: Étude pour Saltimbanque, 1905, Auktion 1051 Moderne Kunst, Lot 231
Pablo Picasso, Jeune Fille. Verso: Étude pour Saltimbanque, 1905, Auktion 1051 Moderne Kunst, Lot 231
Pablo Picasso, Jeune Fille. Verso: Étude pour Saltimbanque, 1905, Auktion 1051 Moderne Kunst, Lot 231
Pablo Picasso, Jeune Fille. Verso: Étude pour Saltimbanque, 1905, Auktion 1051 Moderne Kunst, Lot 231
Pablo Picasso, Jeune Fille. Verso: Étude pour Saltimbanque, 1905, Auktion 1051 Moderne Kunst, Lot 231

Pablo Picasso

Málaga 1881 - 1973 Mougins

Jeune Fille. Verso: Étude pour Saltimbanque

1905

Aquarell, schwarze und farbige Kreiden bzw. Tuschfeder (Vor- und Rückseite) auf einfachem Papier. Darstellungen jeweils rechts auf der Doppelseite eines Skizzenbuches mit abgerundeten Ecken und Randperforation. Gesamtmaß inkl. Falz 14,4 x 16,9 cm (Einzelblatt je ca. 14,4 x 7,5 cm). Doppelansichtig unter Glas gerahmt. Unbezeichnet. - Vorderseitig links mit Bleistift beziffert "5". Seiten 5 und 10 eines Carnetalbums von Pablo Picasso, Paris 1905 (Carnet 024). - Das Blatt mittig mit Spuren der Fadenheftung des Carnets, die Perforation links etwas gelöst. - An den Rändern rückseitig auf Passpartout-Unterlage montiert, vorderseitig freiliegend. - Die Rückseite des Carnetblattes links mit der Spur eines gezeichneten, schwach farbig angelegten Mädchenprofils nach links.

Provenienz

Aus dem Nachlaß des Künstlers; Sammlung Marina Picasso; Galerie Jan Krugier, Ditesheim & Cie, Genf (mit Rahmenaufklebern); Privatsammlung; norddeutscher Privatbesitz

Ausstellungen

Venedig 1981 (Centro di Cultura di Palazzo Grassi), Picasso, Opere dal 1895 al 1971 dalla Collezione Marina Picasso, Kat. Nr. 49 ("Carnet 24"); München/ Köln/ Frankfurt/ Zürich 1981/1982 (Haus der Kunst/ Josef-Haubrich-Kunsthalle/ Städtische Galerie im Städelschen Kunstinstitut/Kunsthaus Zürich), Pablo Picasso, Sammlung Marina Picasso, Kat. Nr. 43 ("Carnet 24"), Blatt 5 und 10 mit Abb. S. 44; Tokyo/ Kyoto 1983 (The National Museum of Modern Art Tokyo/ Kyoto Municipal Museum), Picasso, Masterpieces from Marina Picasso Collection and from Museums in U.S.A. and U.S.S.R., Kat. Nr. 24 ("Sketchbook 24"), Blatt 5 und 10 mit Abb. S. 183/ 184; Melbourne/Sydney 1984 (National Gallery of Victoria/ Art Gallery of New South Wales), Picasso, Kat. Nr. 169; London 1988 (The Lefevre Gallery), Picasso Works on Paper. Barcelona, Blue and Pink Periods from the Collection of Marina Picasso, Kat. Nr. 20; New York 1989 (Jan Krugier Gallery), Picasso 'Petits formats'. Works from the Marina Picasso Collection, Kat. Nr. 52; Barcelona/ Bern 1992 (Museu Picasso/ Kunstmuseum Bern), Picasso 1905-1906, Kat. Nr. 50 mit Abb. bzw. Farbabb. S. 185; Genf/ New York 2001/2002 (Galerie Jan Krugier, Ditesheim & Cie, Genf/ Jan Krugier Gallerry), Pablo Picasso Metamorphoses. Oeuvres de 1898 à 1973 de la Collection Marina Picasso

Literatur

Arnold und Marc Glimcher (Hg.) mit einer Einleitung von Claude Picasso, Je suis le cahier. Die Skizzenbücher Pablo Picassos, New York 1986, S. 9 ff. ("Die Gaukler, Skizzenbuch Nr. 35 von 1905"), Blatt 5 mit Abb. S. 23 und Blatt 10 mit Farbabb. S. 26; vgl. John Richardson, A Life of Picasso, New York 1991, Bd. 1, S. 342; vgl. Alexander Dückers (Hg.), Linie, Licht und Schatten, Meisterzeichnungen und Skulpturen der Sammlung Jan und Maire-Anne Krugier-Poniatowski, Ausst. Kat. Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, Berlin 1999, Kat. Nr. 124; Sotheby's London, Pablo Picasso, Works from an important sketchbook of 1905, 8. Feb. 2006, Lot 130 mit Farbabb.; Sotheby's London, Impressionist & Modern Art Day Sale, 9. Feb. 2011, Lot 250 mit Farbabb.

Das ursprüngliche Carnet aus dem Nachlaß Picassos, ein "Taschenheft", das nach einer Notiz auf einem der Blätter auf "3 de Mayo 1905" datiert werden kann, umfasste ursprünglich 51 Seiten. Es wurde auseinandergenommen, eine Doppelseite daraus liegt hier vor. Faszinierend sind die Skizzen und Einträge dieses frühen Carnets von 1905 in Bezug auf das Thema der "Saltimbanques" mit den Motiven aus der Welt des Zirkus und der Gaukler. Sie bestimmen die sog. "rosa" Periode von Pablo Picasso. So formuliert die Profilskizze des schmalen Jünglings aus dem Heft - sie ist einer der schönsten aus einer Folge von insgesamt 6 Rundum-Studien einer hoch positionierten, sitzenden Figur - erkennbar vor, was in den Gemälden und der Druckgraphik des Künstlers des Jahres wiederkehren wird. Im "Arlequin assis" finden wir nicht nur den Typus, sondern auch die charakteristische Haltung der Figur wieder aufgegriffen (s. Vergleichsabb.).

Günter Metken schrieb dazu: "Das Jahr 1905 [...] wird von der Gauklerthematik beherrscht. Mehrmals wöchentlich besucht Picasso mit seinen Freunden den Cirque Médrano am Fuß des Montmartre, plaudert mit den Artisten, lädt sie manchmal zu sich ein. Das fahrende Zirkusvolk, ebenso unbehaust wie der Künstler, bestimmt seine Kompositionen. [...] Ihre Auftritte vor wechselnden, nur angedeuteten Kulissen entheben Picasso der Konvention, einen festen Bildraum mit Accessoires und Lokalkolorit entwerfen zu müssen. Sein Nachdruck liegt auf Pose und Gruppierung der Figuren, auf ihrem plastischen Aufbau. [...] Gleich die ersten Eintragungen bezeugen die Ferne von Naturalismus und Genre; bewußtes Sehen und Gestalten, kein Abzeichnen. Es handelt sich um einen sitzenden Knaben oder Jüngling, der als 'Plastik' umschritten wird, wobei es weniger auf anatomische Einzelheiten als auf die Haltung ankommt. Der Künstler arbeitet sehr summarisch nach dem Modell: Verknappung der Formen, schlanke Eckigkeit, etwas ungeschlechtlich Gotisches, das seit der Neubewertung mittelalterlicher Kunst im Freundeskreis von Barcelona viele seiner Gestalten umgibt. Im hochstirnigen schmalen Kopf, dem säulenartigen Hals, der senkrechten, wie tragenden Armaufstützung scheint die Tektonik der Kathedrale spürbar zu werden, zugleich aber auch der Körperaufbau frühgriechischer Jünglingsgestalten. Picasso übt hier Reiterposituren für den Stich Die Wasserstelle (Geiser 10) ein [...]. Darüber hinaus läßt sich die Sitzfigur des Heftes typologisch in einigen berühmten Bildern dieser Zeit wie dem Akrobaten mit der Kugel, der Akrobatenfamilie, dem Aktrobaten und jungen Harlekin etc. ausmachen. Jedesmal geht Picasso von statuarischen Einzelgestalten ohne Beziehung untereinander aus, was diesen Bildern das Zusammengesetzte, nur durch den Zirkusrahmen als lockere Klammer Gehaltene verleiht." (Günter Metken, 3 de Mayo 1905. Ein Skizzenbuch aus der Rosa Periode, in: Pablo Picasso, Sammlung Marina Picasso, Ausst. Kat. Köln 1981, S. 36/37).

Das reizende kleine Mädchen mit dem fein gezeichneten Profil und dem blauen Rock, Blatt 10 des Carnets, stammt hingegen aus einer Reihe von vier farbigen Zeichnungen des Skizzenbuches, einer "Porträt-Sequenz mit den Profilansichten von vier verschiedenen Mädchenfiguren" - zwar ohne erkennbaren Bezug zu den "Saltimbanques" aber als Figurine stilistisch und im Ausdruck ihnen verwandt. (vgl. E. A. Carmean jr., Die Gaukler, Skizzenbuch Nr. 35 von 1905, in: Je suis le cahier, op. cit., S. 14). Auf dieses kecke junge Modell bezieht sich möglicherweise eine Bemerkung Fernande Oliviers aus ihren Erinnerungen im Bateau Lavoir: "Pablo has brought back to the studio a young girl found I don't know where whom he is going to do as Joan of Arc. Bizarre-looking rather than beautiful with bright red hair and large, rather coarse but good features. She started posing two days ago. But last night I realized she must have been crawling with lice, as both of us have caught them." (zit. bei Richardson, op. cit. S. 342). Die Zeilen könnten nicht treffender die kreative Bohème jener Jahre in Paris charakterisieren.

Schlagworte

Picasso, Pablo

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