Carl Spitzweg - Sitzender Mönch in felsiger Landschaft

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Carl Spitzweg

Sitzender Mönch in felsiger Landschaft

Öl auf Holz. 9,8 x 14,8 cm.

Dieses kleine Gemälde steht ganz in der Tradition von Spitzwegs Mönchs- und Einsiedlerdarstellungen. Wichmann sieht in der Komposition eine überzeugende Erinnerung an Spitzwegs Reisen in die Seitentäler von Meran und Brixen, von denen der Maler in vielen Briefen berichtete. Das vorliegende Gemälde wurde von Spitzweg mehrfach wiederholt. In seiner ausführlichen Expertise zu diesem Werk aus dem Jahr 2004 erläutert Wichmann, dass vier bis fünf Fassungen des Gemäldes existieren, welche sich jedoch anhand des Pinselduktus und des Bildträgers voneinander unterscheiden. In seinem 2002 publizierten Werkverzeichnis ist eine Version des Gemäldes unter dem Titel "Der Einsiedler bei der Weinprobe" aus Privatbesitz abgedruckt; Wichmann ging damals noch von zwei weiteren unsignierten Werken aus.
Deutlich sichtbar variiert Spitzweg innerhalb seiner Werkfassungen die Anordnung, Dichte und Form der Bäume im Hintergrund. Betrachtet man die Bäume genauer, lassen sich im Profil dargestellte Gesichter bzw. Grimassen erkennen, die in jeder Version unterschiedlich stark ausgeprägt erscheinen. Spitzweg merkte zu Lebzeiten immer wieder an, dass er die Bäume so gerne „grimassieren lasse“.
Indem der Maler das Gemälde mehrfach neu gestaltete und kopierte, kann man davon ausgehen, dass die Darstellung für ihn sehr bedeutsam war. Wichmann ordnet das vorliegende Werk in den Zeitraum um 1875 bis 1878 ein - in des Künstlers Spätwerk.
Spitzweg galt als großer Zigarrenliebhaber. Nicht nur der Genuss der Zigarre selbst, der seine Ideen anregte, sondern auch das Holz der Zigarrenkisten trugen maßgeblich zu vielen seiner Werke bei. Spitzweg schätzte die glatte, sehr beständige Oberfläche, die sich einfach grundieren ließ. Der Bildträger des vorliegendes Gemäldes ist ein zugeschnittener Zigarrenkistendeckel aus Zedernholz der Marke "Murias", ersichtlich anhand der Brandmarke auf der Rückseite. 1990 wurde unser Gemälde laut Wichmann von Prof. Dr. Kühn in München materialtechnisch untersucht. Die ölgebundenen Farben wurden ohne Grundierung unmittelbar auf die Holztafel aufgetragen. In den Malfarben wurden Bleiweiß, Eisenoxydpigmente, gelber Farblack, Berliner Blau, Krapplack und Schwarzpigment nachgewiesen. Alle diese Pigmente waren zu Spitzwegs Lebzeiten bereits in Gebrauch.

Zertifikat

Prof. Dr. Siegfried Wichmann, Starnberg, 12.8.2004.

Provenienz

Deutsche Privatsammlung.

Literaturhinweise

Vgl. Siegfried Wichmann: Carl Spitzweg. - Verzeichnis der Werke, Gemälde und Aquarelle, Stuttgart 2002, S. 366, Nr. 840.

Lot 1650 Dα

Schätzpreis:
22.000 € - 24.000 €

Gebot
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