Auktion 1068, Photographie, 03.06.2016, 14:00, Köln Lot 20

Albert Renger-Patzsch, Natterkopf

Albert Renger-Patzsch, Natterkopf, 1925, Auktion 1068 Photographie, Lot 20

Albert Renger-Patzsch

Würzburg 1897 - 1966 Wamel

Natterkopf

1925

Vintage, Gelatinesilberabzug. 16,9 x 23 cm (17,1 x 23,4 cm). Rückseitig mit Bleistift betitelt, beziffert 'T 12' sowie mit Photographen- und Copyrightstempel.

Provenienz

Vom Photographen an den Vater der heutigen Eigentümerin

Literatur

Carl Georg Heise (Hg.), Die Welt ist schön. Einhundert photographische Aufnahmen von Albert Renger-Patzsch, München 1928, Tafel 27; Albert Renger-Patzsch. Joy before the Object, Ausst.kat. The J. Paul Getty Museum, Malibu u.a., New York 1993, S. 59 mit Abb.; Ann und Jürgen Wilde/Thomas Weski (Hg.), Albert Renger-Patzsch. Meisterwerke, München u.a. 1997, Tafel 18; Virginia Heckert/Ute Eskildsen, Albert Renger-Patzsch. Bilder aus der fotografischen Sammlung und dem Girardet-Foto-Archiv der Ruhr-Universität Bochum, Ausst.kat. Museum Folkwang, Essen 1997, S. 44 mit Abb.; Ann und Jürgen Wilde/Beate Reese, Albert Renger-Patzsch zum 100. Geburtstag. Frühe Fotografien, Ausst.kat. Städtische Galerie Würzburg, Würzburg 1997, S. 41 mit Abb.; Bernd Stiegler/Ann und Jürgen Wilde (Hg.), Albert Renger-Patzsch. Die Freude am Gegenstand. Gesammelte Aufsätze zur Photographie, München 2010, S. 80 mit Abb.

„Man sollte wohl in der Fotografie vom Wesen des Gegenstandes ausgehen und mit rein fotografischen Mitteln versuchen, diesen darzustellen, ganz gleich, ob es ein Mensch, eine Landschaft, eine Architektur oder sonst etwas ist …. Da das deutsche Wort Sachlichkeit heute fast das Gegenteil bedeutet, muss ich ein Fremdwort nennen, um meine dienende Stellung vor dem Motiv richtig zu kennzeichnen: Objektivität“, vermerkt Albert Renger-Patzsch 1937 in dem Sammelband „Meister der Kamera erzählen“ (zit. nach: Wilhelm Schöppe (Hg.), Meister der Kamera erzählen, wie sie wurden und wie sie arbeiten, Halle-Saale 1937, S. 50). Mag der hier proklamierte, rein objektiv-sachliche Blick für die Aufnahmen des „Mantelpavians“ (Lot 18) und auch des „Gänsegeiers“ (Lot 19) uneingeschränkt gelten, so wird der Bildeindruck bei seinem berühmten „Natterkopf“ von einer weiteren, vom Dargestellten losgelösten Dimension dominiert, die vielen seiner Aufnahmen wie auch der Photographie der Neuen Sachlichkeit im Allgemeinen eigen ist: Die starke Nahsicht und der eng gewählte Bildausschnitt spannen das Motiv gleichsam in die zweidimensionale Bildfläche ein und verdichten seine Konturen zu einem rein graphisch anmutenden Gefüge. Bereits Carl Georg Heise weist in seinem Vorwort zu „Die Welt ist schön“, in das auch der „Natterkopf“ Eingang findet, auf die „graphische Schönheit“ der Aufnahmen Renger-Patzschs hin. In der Ambivalenz zwischen Abstraktion und Dokumentation sieht er insofern keinen Widerspruch, als dass nie „ein neuer künstlerischer Formenreiz gesucht wird, den nicht das Objekt selbst anbietet“, vielmehr werde das Motiv, „ohne, dass seiner natürlichen Erscheinung nur im geringsten Gewalt angetan wird, ausgewertet zu einem spannungsreichen Linienornament“. (Carl Georg Heise, in: Ders. (Hg.), Die Welt ist schön. Einhundert photographische Aufnahmen von Albert-Renger-Patzsch, München 1928, S. 8). In der Tat liegt der Reiz des „Natterkopfes“ in diesem Pendeln zwischen seiner abstrakten Wirkung und der präzisen Darstellung der Oberflächenbeschaffenheit des Körpers der Schlange, deren einzelne Schuppen sich in feinsten Graustufen abbilden und deren starrer Blick den Betrachter damals wie heute ins einen Bann zieht.

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