Ovaler Arbeitstisch von David Roentgen

Ovaler Arbeitstisch von David Roentgen

Rosenholz, Nuss, Rüster, Esche, Buchs, Ahorn und gefärbte Hölzer auf Eiche, Weichholz und Kirsche, grünes Leder mit geprägtem Goldrand (ersetzt), vergoldete Bronze und Messing. Multifunktionstisch mit vier abschraubbaren verjüngten Vierkantbeinen auf Rollen. In der Front ein durch Druck öffnender, breiter Schub mit Schreibplatte, darunter zwei Innenschübe und ein Federmechanismus zum Öffnen der seitlichen Segmentfächer. Diese ausgestattet mit einem Fach über zwei Schüben. Die Beine betont durch dunkler furnierte Kanten, auf drei Seiten aufgelegte Lorbeerblattfestons an Schleifen. Über den Beinen Risaliten mit Triglyphen und gestuftem Abschluss. Um die Platte umlaufendes Messingband. Auf der Platte ein Bildfeld mit feiner figürlicher Marketerie, wie ein Medaillon trompe l´oeil-artig in das Nussfurnier intarsiert. Auf den vier Seiten der Zarge Tierdarstellungen im Inselstil, gerahmt von breiten goldenen milleraie-Bändern. Monogrammiert "DR" auf dem Halsband des Hundes vor der Hütte auf dem rechten Seitenschub. Unauffällige Schwundrisse in der Platte. H 72, B 65, T 46 cm.
Neuwied, um 1775 - 80.

In seiner Publikation von 1948 beschreibt Josef Maria Greber die 3,50 m hohen und 3,75 m breiten Paneele David Roentgens, die sich heute in der Sammlung des Museums für Angewandte Kunst Wien befinden, als „Die größten Intarsien der Welt“. David Roentgen führte fort, was sein Vater begann - die Möbel mit üppigen Bildern zu dekorieren, quasi als Erkennungszeichen seiner höfischen Kunst. Mit den detailreichen Wiedergaben der Vorlagen von Januarius Zick (1730 - 1797) gelang es David Roentgen einen unverwechselbaren, eigenen und neuen Stil zu etablieren. Seine Mitarbeiter realisierten die Zeichnungen des Koblenzer Künstlers, dem auch die Idee zu dieser Marketerie zugeschrieben wird. Der erste Schritt war dabei die Übersetzung der Zeichnung in ein Umrissraster für die unterschiedlichen Hölzer, nach dem der Intarsienschneider, wie z.B. Michael Rummer, arbeiten konnte. Bei diesem Tisch wird die sogenannte Werkszeichnung dem Graveur Elie Gervais (1721 - 1791) zugeschrieben. Wir kennen mehrere Ausführungen der Szene mit den würfelspielenden Kindern und dem beobachtenden Hund im Hintergrund, aber diese Marketerie in der Art eines trompe l´oeil-Medaillons ist sicher die schönste. Die Tatsache, dass der kleine Hund auf der seitlichen Zarge eines der seltenen Monogramme David Roentgens am Halsband trägt, beweist, dezent formuliert, seinen Stolz auf dieses Möbel. Es gibt verschiedene Signaturen seiner Werkstatt, aber Marketeriesignaturen sind äußerst selten. Wir kennen noch einen zweiten ovalen Arbeitstisch mit der Intarsiensignatur "R". Er wird in dieselbe Zeit datiert und befindet sich in der Sammlung des Rijksmuseum Amsterdam (Inv.Nr. BK-16678).

Provenienz

Verst. Sotheby´s London am 6. Juli 1979, Lot 254.
The Partridge Collection London.
Privatsammlung USA.
Westfälische Privatsammlung.

Literaturhinweise

Abgebildet bei Fabian, Roentgenmöbel aus Neuwied, Bad Neustadt 1986, Abb. 82 - 84.
Abgebildet bei Fabian, Abraham und David Roentgen. Das noch aufgefundene Gesamtwerk ihrer Möbel- und Uhrenkunst in Verbindung mit der Uhrmacherfamilie Kinzing in Neuwied. Leben und Werk, Verzeichnis der Werke, Quellen, Bad Neustadt 1996, Nr. 41.
Die Marketerie der Platte abgebildet auf dem Cover von Greber, Abraham und David Roentgen. Möbel für Europa, Bd. 2, Starnberg 1980, und auf dem Cover von Fabian, Roentgenmöbel aus Neuwied, Bad Neustadt 1986.
Zu den Farbstoffen und der Technik des Holzfärbens in der Werkstatt David Roentgens s. Michaelsen/Buchholz, Vom Färben des Holzes, Petersberg 2006, S. 478 ff.
Vgl. Baarsen, Duitse meubelen, Amsterdam-Zwolle 1998, Nr. 14.

Lot 400 Dα

Schätzpreis:
150.000 € - 200.000 €

Ergebnis:
187.500 €