Poudreuse aus der Werkstatt von Abraham Roentgen

Poudreuse aus der Werkstatt von Abraham Roentgen

Rosenholz, Pappel, Rüster, Buchs, Ahorn und weitere, teilweise gefärbte Hölzer, teilweise graviert und schwarz konturiert, auf Eiche, Fichte und Kirsche, Spiegelglas, marmoriertes Papier, Messing und feuervergoldete Bronze (teilweise später). Auf zugespitzten, zoomorph geschweiften Vierkantbeinen mit betonten Knien geschweifte Zarge mit zentraler hochgebogener Kniehöhle. Dreigeteilte Front mit Mittelschub, zwei hohen Seitenfächern und zwei kleinen Seitenschüben darunter, zu öffnen mittels eines Federmechnismus. Innen im Mittelschub zwei weitere Schübe. Das mittlere Kompartiment der Platte als Spiegel hoch-, die seitlichen Fächer zur Seite aufklappbar. Auf den Fronten der seitlichen Fächer Blütengebinde an Schleifen und Ösen, sans travers. Auf den Seitenflächen Stillleben mit Blüten, Blättern und Gartenutensilien. Auf der Platte ein großes gleiches Stillleben, wie ein trompe l´oeil mit Bändern in der Marketerie des Plattenrands aufgehängt. Die Schübe und Fächer fein mit Buchsfilets gerändert. Der Rücken gerade, furniert, ohne Dekoration, zur Stellung gegen eine Wandfläche. In der Zarge hinter dem zentralen Schubkasten in Bleistift (zweimal) signiert "Michael Rummer von Handschuhsheim fecit à Neuwied 1772". Horizontaler Schwundriss durch die mittlere Platte, zwei weitere durch die seitlichen Fächerfronten. H 77,5, B 93, T 59 cm.
Neuwied, Michael Rummer, 1772.

Johann Michael Rummer (1747 - 1821) wurde in Handschuhsheim bei Heidelberg als Sohn eines Winzers geboren. Sein Vater schickte ihn 1761 zu Abraham Roentgen in die Lehre, wo er sich bis 1767 aufhielt und vor allem die Intarsientechnik erlernte. Seine Begabung muss sich schon früh gezeigt haben, denn Abraham nahm ihn mit nach England. Dort blieb er fast ein Jahr in Newcastlehouse beim Kabinettmacher Gern. Danach reiste er auf Wunsch des Fürsten Polinsky nach Warschau. Nach seiner Rückkehr führte er weiter Aufträge für die Roentgens durch, diesmal vollkommen eigenständig, allerdings den Anweisungen Abrahams folgend. Stadler betont, dass dieses hier vorgestellte Möbel und noch drei gleichartige Marketeriebilder die einzigen bekannten signierten Arbeiten Rummers darstellen. Die außergewöhnlichen Intarsien auf der Platte wurden erfolgreich wiederholt an einigen Möbeln aus der Roentgen-Werkstatt. Bei Greber sind drei Tische gelistet, alle zwischen 1772 und 1780 entstanden.

Provenienz

Fischer-Böhler, München.
Restauriert durch Otto v. Mitzlaff, Wächtersbach, 1986.
Westfälische Privatsammlung.

Literaturhinweise

Abgebildet bei Greber, Abraham und David Roentgen. Möbel für Europa, Bd. 2, Starnberg 1980, Abb. 307 f.
Abgebildet bei Fabian, Roentgenmöbel aus Neuwied, Bad Neustadt 1986, Abb. 77 und b.
Abgebildet bei Fabian, Abraham und David Roentgen. Das noch aufgefundene Gesamtwerk ihrer Möbel- und Uhrenkunst in Verbindung mit der Uhrmacherfamilie Kinzing in Neuwied. Leben und Werk, Verzeichnis der Werke, Quellen, Bad Neustadt 1996, Nr. 34.
Zu Rummer s. Stadler, Johann Michael Rummer. Ein Kunsttischler aus Handschuhsheim (1747 - 1821), in Weltkunst 5/2002, S. 734.
S.a. Greber, a.a.O., Abb. 319, 330, 338 und 340, Tische mit gleichen Intarsien.
S.a. ein Zylinderbüro mit gleichen Intarsien verst. Lempertz Köln Auktion 1131 am 17. Mai 2019, Lot 826.

Lot 408 Dα

Schätzpreis:
120.000 € - 150.000 €

Ergebnis: u. V.
131.250 €