Jan Brueghel d. J. - DORFGRACHT MIT LANDUNGSSTEG UND ZIEHBRUNNEN.

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Jan Brueghel d. J.

DORFGRACHT MIT LANDUNGSSTEG UND ZIEHBRUNNEN.
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K. Ertz schrieb in einem vor der Publikation des Catalogue Raisonné entstandenen Gutachten zu diesem Bild: "Ohne Zweifel befindet sich diese zu beurteilende 'Dorfgracht' auf ähnlich hohem Niveau wie solche gesicherten Arbeiten von Jan II in der Kunsthalle Bremen ('Noli me tangere', Figuren von Peter Paul Rubens), in der Gemäldegalerie Dresden ('Mühlenlandschaft'), in der Alten Pinakothek München ('Allegorie des Frühlings', Figuren von Hendrik van Balen) und ehemals im Besitz der Galerie Müllenmeister, Solingen ('Das Reiherrupfen', Figuren von Hendrik van Balen).... Die Farben strahlen in reinstem Glanz. Dünne Stellen, die von zu häufiger Reinigung herrühren, konnte ich nicht feststellen...".
Im Werkverzeichnis äußerte Ertz die Meinung, dass das hier vorliegende Gemälde wahrscheinlich eine Kopie nach einem bisher nicht bekannten Gemälde J. Breughels d.Ä. sei (möglicherweise identisch mit dem Exemplar im Ancien Cabinet de M. le Brun). Wegen der stilistischen Nähe zu den Werken des Vaters datiert Ertz es in die 30er Jahre. Eigenhändige Repliken unseres Bildes befinden sich im Museum der Bildenden Künste, Leipzig (Ertz, op. cit., WVZ-Nr. 51) und in einer deutschen Privatsammlung (Ertz, op. cit., WVZ-Nr. 52). Varianten dieses Motivs aus den Händen nicht identifizierter Nachfolger sind u.a. im Staatl. Museum, Schwerin, in der Gemäldegalerie, Dresden und in der Niedersächsischen Landesgalerie, Hannover.
Ertz schreibt zum Thema "Wasserlandschaft", unter der er dieses Bild subsumiert: "Unter diesem Oberbegriff sind mehrere verschiedenartige Kompositionstypen zusammengefaßt. Manchen Gemälden ist nur die Tatsache gemeinsam, daß die Komposition in einer bestimmten Art und Weise von Wasser geprägt wird: das kann ein Bach, eine Gracht, ein Fluß, ein See oder das Meer sein. Der überwiegende Teil dieser Landschaften basiert auf dem Formengut des Vaters. Jan II kopiert und variiert vor allem die beim Publikum beliebten Dorfszenen am Fluß" (K. Ertz, op. cit., S. 61f.). Dennoch ist er ein durchaus kreativer, eigenständiger Künstler, dem es nach seiner Anfangszeit gelingt, einen individuellen, unverwechselbaren Stil zu entwickeln.
Jan Breughel d.J. malte Stilleben und Landschaften mit mythologischer, allegorischer und religiöser Figurenstaffage. Nach der Ausbildung beim Vater ging er 1622 nach Italien, wo ihn Kardinal Federico Borromeo, zu dem durch Jan d.Ä. Beziehungen bestanden, in Mailand empfing. Von dort reiste der Maler nach Genua, Sizilien und Malta. Nach dem Tod seines Vaters kehrte er 1625 nach Antwerpen zurück. Er übernahm die väterliche Werkstatt, hatte Erfolg und brachte es schnell zum Meister der St. Lukas-Gilde. Zwischen 1625 und 1651 führte Jan Breughel d.J. ein Tagebuch, in dem er seine Gemälde, Originale und Kopien, verzeichnete und die Namen seiner Assistenten und Mitarbeiter festhielt. Mit seiner Frau, der Tochter des Malers Abraham Janssens, hatte er elf Kinder; fünf seiner Söhne wurden ebenfalls Maler. 1678 verstarb Jan Breughel d.J. als anerkannter und erfolgreicher Künstler in seiner Heimatstadt Antwerpen.

Provenienz

Slg. Graf Lanckoronski, Wien; Auktion Koller, Zürich, 15.05.1981, Lot 5089; Südwestdeutsche Privatsammlung.

Literaturhinweise

F. von Schubert-Soldern, Beiträge zur Geschichte der niederländischen Landschaftsmalerei, in: Ausgewählte Kunstwerke der Sammlung Lanckoronski, Wien 1918, S. 42ff., Tafel IX; K. Ertz, Jan Breughel d.J., Freren 1984, S. 231f., WVZ-Nr. 50.

Lot 616 Dα

Schätzpreis:
300.000 € - 400.000 €

Ergebnis:
428.400 €