Auktion 882, Moderne Kunst, 03.12.2005, 00:00, Köln Lot 923

Pablo Picasso, Jeune Pêcheur Catalán

Pablo Picasso, Jeune Pêcheur Catalán, 1936, Auktion 882 Moderne Kunst, Lot 923

Pastellkreiden über Tuschfederzeichnung auf chamoisfarbenem Velin 20 x 15,4 cm, unter Glas gerahmt. Am unteren Blattrand mit Tusche signiert, datiert und mit einer persönlichen Widmung versehen: Paris 26 juin XXXVI. Recuerdo para los Vines de su amigo Picasso.

Mit einer Fotoexpertise von Maya Widmaier-Picasso, der Tochter des Künstlers, Paris, vom 23. Dezember 2001.

"Picasso hat immer gezeichnet. Von Anfang an finden wir das rasche Erfassen von Formen und Gegenständen. [...] Das, was wir hier Meisterwerke nennen, sind die Momente seiner selbstgeschaffenen Klassizität, es sind die Momente, in denen sich Erfahrungen von Hunderten und oft tausenden Skizzen in einem unermeßlichen Werk kristallisieren, das alle vorherigen Stufen in sich aufnimmt. In ihm findet die unerhörte Offenheit ihre magistrale Begrenzung." (Werner Spies, Picasso, Pastelle, Zeichnungen, Aquarelle, Stuttgart 1986, S. 46)

Einem katalanischen Freund gewidmet [dem Komponisten und Freund auch Manuel De Fallas, Ricardo Vines, wie es heißt...], erstrahlt die Zeichnung eines jungen Fischers im hellen Kolorit der Pastelltöne, ganz die lyrische Komponente im Werk Picassos ausspielend. Im rechten Arm hält er eine Schale voller Meeresfrüchte, im linken einen bunten Strauß.

Des Künstlers Leben und seine Arbeit bestimmen in dieser Zeit die klassisch schönen Profile von Marie-Thérèse Walter und der jungen Dora Maar, die er im Vorfrühling des Jahres 1936 kennenlernte. Ende März bis Mitte Mai hatte Picasso sich mit Marie-Thérèse und seiner kleinen Tochter Maya an den Strand von Juan-les-Pins zurückgezogen. Hier entstand das bekannte Tuscheblatt "Pêcheur et femme au bord de la mer", in dem er sich selbst als bärtigen Fischer am Strand mit Netz, begleitet von seiner Muse, darstellte (7.4.1936, vgl. Zervos Bd. VIII, Nr. 280 bzw. Christian Zervos, Dessins de Picasso, Paris 1949, Nr. 119 mit Abb.), . Weniger bekannt ist, daß Mitte der dreißiger Jahre auch Dichtungen des Künstlers einsetzen. So entstehen am 13. avril XXXVI in fortlaufender Tuscheschrift die Zeilen (zitiert nach: Marie-Laure Bernadas/Christine Piot, Picasso. Die poetischen Schriften (1935-1959), München 1989, S. 122 mit Abb. S. 123):

minuscule barque faite avec des clous de girofle saupoudrée des roses et des verts des pastels fixe brille et resplendit aromatise et colore enchante [...]

Die lyrische Evokation eines einfachen, ländlichen Themas, erinnert an die im katalanischen Gosol im Sommer von 1906 entstandenen Skizzen arbeitender Bevölkerung, von Bauern, Kuhhirten und Blumenmädchen. Der junge Fischer - mit der fernen Segelbarke am Horizont - mutet in seinem mediterranen Habitus zeitlos an, stellt aber mit seiner phrygischen Mütze auch deutliche und sinnfällige Bezüge zur Heimat des Künstlers her. In Barcelona hatte 1936 eine von José-Luis Sert organisierte Ausstellung mit Picassos Werken stattgefunden, Paul Eluard hatte dort einen Vortrag über ihn gehalten, und Picassos Gedichte waren, von Ramón Gómez de la Serna gelesen, im regionalen Rundfunk gesendet worden (vgl. Marie-Laure Bernadas/Christine Piot, 1989, op. cit., S. 434 f.). Noch im Sommer des Jahres, am 17./18. Juli, bricht der spanische Bürgerkrieg aus, in dem der katalanische Widerstand in der Verteidigung der Demokratie und der republikanischen Freiheitsrechte eine große Bedeutung gewinnen sollte.

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