Cosima von Bonin: Studium in Hamburg und künstlerische Reife in Köln
Cosima von Bonin wurde 1962 in Mombasa in Kenia geboren. Die ersten vier Jahre ihres Lebens verbrachte sie in Afrika, wo ihr Vater für eine Zementfabrik als Shipping-Manager tätig war. 1967 kehrte die Familie nach Europa zurück und ließ sich in Salzburg nieder. Der Wunsch, Künstlerin zu werden, führte Bonin 1988 nach Hamburg, wo sie ein Jahr lang bei dem Maler Werner Büttner studierte.
Als prägend und formend für ihre künstlerische Laufbahn betrachtete sie jedoch vor allem ihre Zeit in Köln, insbesondere ihr Umfeld rund um die Buchhandlung Walther König. Zu den wichtigen Einflüssen für ihre Arbeit zählen so unterschiedliche Persönlichkeiten wie Marcel Broodthaers, André Cadere, Isa Genzken, Cady Noland, George A. Romero und Jacques Tati.
Das Werk von Cosima von Bonin zwischen Popkultur, Textil und Installation
Cosima von Bonin verweigert sich mit ihrer komplexen künstlerischen Konzeption jeder einfachen Einordnung. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen scheinbar gegensätzlichen Welten und greifen Referenzen aus Popkultur, Mode, Film und Theater auf – von Britney Spears bis René Pollesch. Comic- und Cartoonfiguren erscheinen dabei nicht als bloße Zitate, sondern als wiederkehrende Bedeutungsträger.
Der Autor und Filmkritiker Daniel Kothenschulte bezeichnete Bonin als „ungekrönte Königin des Cartoons“. Diese Charakterisierung verweist auf einen zentralen Aspekt ihres Werks: Bonin nutzt vertraute Figuren und Motive, löst sie aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang und überführt sie in neue, oft irritierende Bild- und Bedeutungsräume.
Daffy Duck und das „lustvolle Scheitern“ bei Cosima von Bonin
Eine Schlüsselfigur im Werk von Cosima von Bonin ist Daffy Duck aus den Looney Tunes. Der exzentrische Antiheld verkörpert bei Bonin ein permanentes Scheitern, das in produktive Wiederholung umschlägt. So wird Daffy Duck zu einer Figur des „lustvollen Scheiterns“ – komisch, widersprüchlich und in seiner Überzeichnung zugleich präzise beobachtet.
Mehr zu dieser Werkgruppe und Bonins Umgang mit Daffy Duck lesen Sie im Beitrag „Die Daffy Formel: Cosima von Bonin und die Kunst des lustvollen Scheiterns“
In Textilarbeiten wie Dandy Doc (The Apprentice #5) von 2009 und Doc Daffy von 2025 greift Bonin die Cartoonfigur auf unterschiedliche Weise auf. Während Dandy Doc die Figur trotz reduzierter Konturgebung bereits aus der Distanz erkennbar macht, inszeniert Doc Daffy den schwarzen Enterich vor tiefschwarzem, samtenem Grund. Figur und Hintergrund treten dabei in ein spannungsvolles Verhältnis von Sichtbarkeit und Auflösung.
Textile Arbeiten, „Panels“ und kollektive Autorschaft
Eine zentrale Werkgruppe von Cosima von Bonin bilden ihre textilen Arbeiten. Bonins textile „Panels“, die sie früher selbstironisch als „Lappen“ bezeichnete, entstehen oftmals aus verschiedenen, unterschiedlich gemusterten Stoffen. Diese werden von Haute-Couture-Schneiderinnen zusammengenäht, konturiert und anschließend auf Keilrahmen gespannt.
Die Künstlerin versteht ihre Praxis als kollektiven Prozess. Unter dem Motto „Wir sind viele“ unterläuft sie das tradierte Ideal singulärer Autorschaft. Damit verbindet Bonin die stoffliche Präsenz ihrer Werke mit einer grundsätzlichen Reflexion über künstlerische Produktion, Zusammenarbeit und Zuschreibung.
Grellbunte Installationen mit dunklen Untertönen
Bonins inszenierte Installationen faszinieren Kritik und Publikum gleichermaßen. Sie selbst ist mit biografischen Details ebenso zurückhaltend wie mit Erklärungen und Kommentierungen zu ihrer künstlerischen Arbeit; sie zieht es vor, ihr Werk für sich sprechen zu lassen. Bestehende Klassifizierungen sind für die Künstlerin zu klein, ebenso wie der Kunstmarkt selbst, den sie als „tobenden Krieg“ empfindet, dem sie sich schon beizeiten durch „Fahnenflucht“ entzogen hat.
Für ihre Ausstellung Who’s Exploiting Who in the Deep Sea? komponierte Bonin eine psychologisch tiefgründige, poetische Parallelwelt, in der Meerestiere aus Plüsch ebenso zu finden sind wie ein gigantischer Bikini und Strandbuden. Für ihr Werk Missy Misdemeanour setzte sie ein riesengroßes Plüschküken auf eine rote Rakete. Dabei bleiben die Grenzen zwischen Spiel und Statement, Gesellschaftsporträt und Gesellschaftskritik fließend.
Cosima von Bonin: Ausstellungen, documenta und Biennale di Venezia
Cosima von Bonin begann in den 1990er-Jahren mit einer umfassenden Ausstellungstätigkeit, die sie international bekannt gemacht hat. 2007 nahm sie an der documenta 12 in Kassel teil, 2022 an der Biennale di Venezia.
Seit dem Jahr 2000 kooperiert sie mit dem Sänger und Schriftsteller Dirk von Lowtzow, bekannt als Frontmann der Rockband Tocotronic. Ihre Ausstellung Wir sind viele benannte sie nach einem Song der Band; von Lowtzow verfasste passende Pressetexte. 2009 begann zudem ihre gelegentliche Zusammenarbeit mit dem Techno-Musiker Moritz von Oswald, für den sie mehrere Cover gestaltete und dessen Musik ihre Ausstellungen untermalt.
Cosima von Bonin lehrt an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg. Über Martin Kippenberger lernte sie ihren Künstlerkollegen Michael Krebber kennen, mit dem sie seit 1992 verheiratet ist.
Cosima von Bonin lebt und arbeitet in Köln.
Cosima von Bonin - Werke, die bereits im Kunsthaus Lempertz verkauft wurden: