Auktion 1078, Moderne Kunst, 02.12.2016, 18:00, Köln Lot 205

Ernst Barlach, Der Verschwender I

Ernst Barlach, Der Verschwender I, 1921, Auktion 1078 Moderne Kunst, Lot 205
Ernst Barlach, Der Verschwender I, 1921, Auktion 1078 Moderne Kunst, Lot 205
Ernst Barlach, Der Verschwender I, 1921, Auktion 1078 Moderne Kunst, Lot 205
Ernst Barlach, Der Verschwender I, 1921, Auktion 1078 Moderne Kunst, Lot 205
Ernst Barlach, Der Verschwender I, 1921, Auktion 1078 Moderne Kunst, Lot 205
Ernst Barlach, Der Verschwender I, 1921, Auktion 1078 Moderne Kunst, Lot 205

Ernst Barlach

Wedel 1870 - 1938 Rostock

Der Verschwender I

1921

Bronze. Höhe 54,4 cm. Auf mitgegossener Plinthe (2 x 16,7 x 14,3 cm). Auf der Plinthe rechts seitlich signiert 'E Barlach'. Rückseitig am Plinthenrand rechts oben mit dem Giesserstempel "H. NOACK BERLIN" sowie links mit der eingestempelten Numerierung versehen. Exemplar 6/12. Posthumer Guss des Barlach-Nachlasses nach dem Gipsmodell (Laur 327, Ernst Barlach Stiftung Güstrow) vom Anfang der 1990er Jahre. Laur nennt eine Auflage von 12 Exemplaren, ab 1996 gegossen. Es gab keine Lebzeitengüsse. - Mit sehr schöner bronzefarbener Patina, stellenweise leicht glänzend aufgelichtet.

Laur 328; Schult I 256 (Gips)

Mit einer Bestätigung von Ernst Barlach, Lizenzverwaltung Ratzeburg, vom 26. September 2016

Provenienz

Geschenk von Nikolaus Barlach an den Vorbesitzer, seitdem in Familienbesitz

Literatur

Vgl. Annette Wittboldt/Elisabeth Laur, Ernst Barlach, Die Zeichnungen, Teil 1, Güstrow 2013, Nrn. 1140, 1370, 1375, vgl. auch die 1921 bzw.1922 entstandenen Kohlezeichnungen 1773, 1954; vgl. Volker Probst (Hg.), Ernst Barlach, Das plastische Werk, Werkverzeichnis II, Güstrow 2006, Nrn. 355-357 (Relieffassungen des Motivs in Gips, Bronze, Holz)

Das Motiv des Verschwenders geht zurück auf eine im September 1912 entstandene Kohlezeichnung, die der Künstler in einer handschriftlichen Notiz als Darstellung des „Verlorenen Sohnes“ ausweist. Barlach bezieht sich auf das im Lukasevangelium erzählte „Gleichnis von den beiden Söhnen“, in dem der Jüngere seinen ausgezahlten Erbteil verprasst, um anschließend als reumütiger Bettler seine Sünden vor dem Vater zu bekennen. Aus Freude über dessen Wiederkehr veranstaltet dieser sogleich ein großes Fest und nimmt ihn wieder im Kreis der Familie auf.

1915 greift Barlach das kunsthistorisch vielzitierte Thema im Kontext seiner Entwürfe zu einer Kaminverkleidung für Charlotte von Mendelssohn-Bartholdys Berliner Stadtpalais auf, die er jedoch in abweichender Form realisieren wird. Erst im Jahr 1921 sollte dann das Modell des „Verschwender I“ entstehen, den Barlach als lässig stehenden Mann jüngeren Alters formuliert. Gekleidet in ein langes Gewand und mit einer vor dem Leib hängenden Geldtasche ausgestattet, hält er einige Münzen in den offen überkreuz gehaltenen Händen.

Eine zweite, nur wenig abweichende Variante der vorliegenden Plastik entwarf Barlach gemeinsam mit anderem Figurenschmuck für die Diele der Villa des Breslauer Sammlers Leo Lewin. Von diesem Breslauer Projekt aus dem Jahr 1920/1921 sind jedoch lediglich Skizzen überliefert, offenbar kam es nicht zur Ausführung. Ein Gipsmodell dieser mit „Der Verschwender II“ (Laur 329) betitelten Variation entstand ebenfalls im Jahr 1921. Ergänzend zu den dreidimensionalen Rundplastiken überführt Barlach die Figur des „Verschwenders“ 1923 in ein 92 cm hohes Holzrelief. Ehemals bei Paul Cassirer in Berlin, befindet sich diese als „Der Verschwender III“ (Laur 357) genannte Arbeit seit 1955 im Sprengel Museum Hannover.

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