Bedeutende Kratervase mit Panorama Unter den Linden

Bedeutende Kratervase mit Panorama Unter den Linden

Porzellan, Goldfond mit matten und glänzenden Partien, radiertem Dekor, Emailbemalung, vergoldete Bronzemontierung auf Holzkern, mit Stoff unterlegt. Modell 1466. Zweiteilig gebrannt, original verschraubt, mit sternförmigem Schraubenkopf.
Breites, sehr fein gemaltes umlaufendes Panorama der Berliner Prachtstraße mit Blick nach Westen, rechts das Prinz Heinrich Palais (Humboldt Universität), die Neue Wache, das Zeughaus, dahinter der Berliner Dom, auf der gegenüberliegenden Seite der Brücke das Schloss, davor, auf der Südseite der Straße wieder zurück, die Kommandantur, das Kronprinzenpalais, das Prinzessinnenpalais und die Oper (heute Staatsoper).
In mehrere Horizontalzonen gegliederte untere und obere Wandung mit wechselnden antikischen Dekoren: radierte Palmetten, Perlstäbe, Vermicula und Akanthus. Vor den Gebäuden flanierende und kutschenfahrende Staffagefiguren, Reiter und Hunde. Blaumarke Zepter, braune Adlermarke, Malerzeichen. H 49,2 cm.
Berlin, KPM, 1830, der Dekor Eduard Wilhelm Forst, zugeschrieben, die Bronze von Werner und Mieth, Berlin.

Der Stolz der Berliner Bürger auf ihre neu gestaltete Stadt hätte keinen besseren Ausdruck finden können als in der Schaffung der Panoramen, die die Stadtentwicklung aus erhöhter Persepektive darstellten. Der Erfinder dieser Methode, die den umlaufenden Blick einfängt, war der Ire Robert Barker, und sein erstes Panorama war schon 1788 zu sehen. In Berlin erhält die Panoramenmalerei einen Aufschwung durch die großformatigen Gemälde von Eduard Gaertner (1801 - 1877), der sich dort 1828 nach seiner Rückkehr aus Paris als freiberuflicher Maler niederlässt und ganz Berlin mit seinen atemberaubenden Großformaten, der ungewöhnlichen Perspektive auf die neuen Bauten von Schinkel, fesselt. Sein Lebensweg trug vorher schon entscheidend zur Entstehung dieser Vase bei: Gaertner begann 1813 seine Ausbildung in der Malerwerkstatt der KPM. Zwar verließ der hochbegabte junge Mann die Manufaktur 1821, hinterließ aber seine Spuren. Die dortigen Maler sind von seinen Ideen beeindruckt und nehmen sie dankbar auf, wie diese bedeutende Kratervase belegt.
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Provenienz

Preußische Adelsfamilie.

Literaturhinweise

Vgl. eine Münchner Vase mit ähnlichem Panorama in der Twinight Collection (Kat. Raffinesse und Eleganz, München 2007, Nr. 112), verst. Lempertz Auktion 1065 am 30. April 2016, Lot 196.
Bei der außergewöhnlichen Vase könnte es sich um das Exemplar handeln, das Eduard Wilhelm Forst auf der Akademieausstellung 1830 präsentierte: eine "Vase ohne Henkel, rund herum bemalt mit der Gegend vom Königl. Schlosse zu Berlin bis zu den Linden als Panorama, nebst reicher Vergoldung" (ibd. S. 349).

Lot 245 Dα

Schätzpreis:
60.000 € - 80.000 €

Ergebnis:
74.400 €