Alpenländischer Meister des 16. Jahrhunderts - Aufgeschlagenes Missale

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Alpenländischer Meister des 16. Jahrhunderts

Aufgeschlagenes Missale

Öl auf Nadelholz. 43,2 x 53,5 cm.

Das Gemälde gehört zu einer Gruppe eng verwandter Buchbilder, die im süddeutschen Raum im 16. Jahrhundert entstanden sind. Dargestellt ist ein aufgeschlagenes, in rotes Leder eingebundenes liturgisches Buch, ein sogenanntes Missale, mit gotischen Schriftblöcken und illuminierten Initialen. Als sei es gerade aufgeschlagen worden, hebt sich das Buch vom dunklen Hintergrund ab, während das von links einfallende Licht die einzelnen Seiten auf unterschiedliche Weise trifft und den Eindruck erweckt, als würde in diesem Moment darin geblättert.
Anja Schneckenburger-Broschek hat in Ihrem Aufsatz von 1997 (op. cit.) insgesamt 13 Gemälde dieses Bildtypus zusammengeführt. Inzwischen können zwei weitere Exemplare, darunter unser Gemälde, hinzugezählt werden. Erstaunlich sind die Übereinstimmungen im dargestellten Buch, die sich bis auf die Ornamente, die Notationen der aufgeschlagenen Seiten und den Einband erstrecken. Kontrovers wird in Fachkreisen dagegen noch die Frage nach dem Ursprung des Bildmotivs diskutiert. Handelt es sich um ein reines Stillleben im weitesten Sinne oder doch um eine Art Gebrauchsobjekt? Denn einiges spricht dafür, dass diese Werke auf der kirchlichen Pulttafel angebracht wurden, wenn keine Messe gelesen wurde und das Missale in Sicherheit verwahrt war. Für den modernen Betrachter ist diese Frage aber weniger relevant als die stupende Trompe-l´oeil-Wirkung, die von diesen rätselhaften Bildern ausgeht.

Provenienz

Süddeutscher Privatbesitz.

Literaturhinweise

Über die Gattung des Buchbildes siehe Anja Schneckenburger-Broschek: Altdeutsche Malerei. Die Tafelbilder und Altäre des 14. bis 16. Jahrhunderts in der Gemäldegalerie Alte Meister und im Hessischen Landesmuseum Kassel, Kassel 1997, S. 269-284.

Lot 1005 Dα

Schätzpreis:
60.000 € - 80.000 €

Ergebnis:
59.520 €